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III. Musikalisches Hör-Wissen: Musik zwischen Theorie und Praxis

Plakat_Vortrag Buch

Öffentlicher Vortrag von Esteban Buch
Bildquelle: Netzwerk Hör-Wissen im Wandel

Berlin, 13./14. November 2014

Das Arbeitstreffen befasste sich mit der spezifischen Form des Musikhörens, und zwar mit dem Aufstieg der „Kunst des Hörens” (Peter Gay) im 19. und 20. Jahrhundert. Erforscht wurde, wie sich dieses Hörwissen im Zuge musikalischer Aufführungssituationen und ihrer Diskursivierungen konstituiert und seinerseits wieder auf diese zurückwirkt. Dieses Wissen konstituiert sich dabei sowohl historisch, im Sinne einer Anknüpfung an bereits entwickelte Wissensformen der Vormoderne, als auch systematisch, im Sinne einer Anknüpfung an spezifische Fachdiskurse und inhärente Diskursnormen. Mit Hilfe dieser Verknüpfung von synchroner und diachroner Perspektive wurden solche Institutionen und Medien untersucht, die durch die Modernisierung der musikalischen Welt entstanden, und mit denen neue performative Praktiken des Musik-Hörens eingeführt wurden (Konzert, Oper, Salon, Hospitäler/psychiatrische Heilstätten (Musiktherapie), Konservatorien, Grammophon, Radio, öffentliche Orte in der Stadt). Ermöglicht wurden diese Entwicklungen, erstens, durch die Verfügbarkeit neuen Wissens, etwa in Kompositions- oder Aufführungstechniken, durch Wissen über Raumakustik, Übertragungstechniken oder musikpsychologische Vorgänge. Zweitens entstanden damit neue Orte für die Produktion von einem Wissen über das Musik-Hören und durch das Hören, etwa durch Techniken für die Erfassung und Deutung von Klängen in Musikpädagogik, Musiktheorie oder Musikkritik. Drittens erweist sich ein praktischer Wert des Hör-Wissens: es wird in unterschiedlichsten Kontexten vermittelt, gelehrt und angewandt. Erfragt wurdel, welche Rolle dieses Hörwissen bei der Entstehung neuer Themenfelder (Musiktheorie, Gehörbildung, Musikpsychologie oder Musiktherapie) spielt; wie durch Auseinandersetzungen um das „richtige” Hören das Objekt „Musik” unterschiedlich konstruiert wird, inwiefern kompositorische und aufführungsorientierte Praktiken die Hörgewohnheiten verändern bzw. ihrerseits auf eine veränderte akustische Realität der Hörer reagieren und welche praktische Anwendung Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen zum Hören in Kompositionen finden. Der Untersuchungszeitraum fokussierte Musizier- und Hörsituationen vom Anfang des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Zum Auftakt des Arbeitstreffens hielt Esteban Buch (EHESS, Paris) einen öffentlichen Vortrag zum Thema "Listening to Music under a Dictatorship. A Plea for an Ecologial Micro-History" am Donnerstag, 13. November um 18 Uhr im Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (Hörsaal 501, Am Kupfergraben 5, 10117 Berlin).

Am Freitag, 14. November fand ein interner Workshop mit Esteban Buch (EHESS, Paris), Neil Gregor (University of Southampton), Wolfgang Gratzer (Mozarteum Salzburg) und Christian Thorau (Uni Potsdam) statt.

Organisation: Camilla Bork, Manuela Schwartz, Hansjakob Ziemer

Hier finden Sie einige Bilder von dem Workshop.

DFG