Emily Mae Graf erhielt den Ruprecht-Karls-Preis für ihre Dissertation

Graf bei der Preisverleihung

Graf bei der Preisverleihung
Bildquelle: Christoph Baster

News vom 16.12.2019

Emily Mae Graf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sinologie im Arbeitsbereich Geschichte und Kultur Chinas an der Freien Universität Berlin, erhielt den Ruprecht-Karls-Preis für ihre Dissertation „Lu Xun on Display: Memory, Space and Media in the Making of World Literary Heritage“. Die Preisverleihung fand am 9. November 2019 in der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg statt.

 

Emily Graf untersucht in ihrer Dissertation Museen und Erinnerungsorte, die mit der Gründung der Volksrepublik China dem chinesischen Schriftsteller Lu Xun (1881-1936) gewidmet wurden. Sie untersucht diese zum einen aus historischer Perspektive, in der sie die Veränderungen der Ausstellungspraktiken dieser Museen über ihre 60-jährige Institutionsgeschichte hinweg nachzeichnet. Die Veränderungen weisen auf die globale Vernetzung der Museumswelt hin und bestimmten die Rezeption des Autors maßgeblich mit. Zum anderen nähert sie sich den Institutionen aus vergleichender Perspektive und setzt die zahlreichen Lu Xun Museen in der VR China in Bezug zur Brecht-Weigel-Gedenkstätte in Berlin und zum Lai He Museum in Zhanghua, Taiwan, wodurch sie sowohl die materiellen Vernetzungen der Museumsräume als auch die Machtasymmetrien in der Produktion von Weltliteratur herausarbeitet.

 

Auszug aus der Laudatio:

Frau Grafs Dissertation bietet eine mutige und innovative Lesart lokaler und globaler Formen des Schaffens, Veränderns und Vergessens nationaler Schriftsteller durch die Institution des Museums als Gedenkstätte. Beispiel ist der chinesische Schriftsteller Lu Xun (1881-1936). Frau Graf gelingt ein präziser Blick auf die materielle Kultur und auf größere Zusammenhänge, in denen musealisierte Objekte kulturelles Gedächtnis schaffen, ändern und sogar vernichten können. Die Choreographie der Musemsobjekte ist in dieser Dissertation Indikator für politische und ideologische Wetterlagen und -umbrüche. Zwischen Propaganda und Bildungspolitik wird so das differenzierte Bild einer aufstrebenden und sich drastisch verändernden Nation gezeichnet. Zweite große Stärke der Dissertation ist die Hebung einer lokalen Mikrogeschichte auf die Ebene globaler Weltliteratur und globaler Erinnerungskulturen. Ihre Vergleiche erlauben es Emily Mae Graf, für die zumeist nordamerikanisch oder europäisch dominierte Diskussion über Weltliteratur einen alternativen Denkraum einzufordern und diesen zu eröffnen.

 

Der Ruprecht-Karls-Preis wird jährlich von der Stiftung Universität Heidelberg an die fünf besten Doktorarbeiten verliehen. Dabei berücksichtigt das mehrstufige universitätsweite Auswahlverfahren wissenschaftliche Erstlingswerke aus allen Fächern. Die Entscheidung über die Auswahl der Preisträger trifft eine Jury, die auf Vorschlag des Rektors vom Vorstand der Stiftung Universität Heidelberg berufen wird. Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Bernd Schneidmüller entscheidet auf der Grundlage von Vorschlägen der Fakultäten. Die Stiftung ehrt die Preisträger mit einer Auszeichnung von 3000 € pro Dissertation.

 

Emily Mae Graf studierte Sinologie an der Universität Heidelberg und promovierte im Graduate Programme for Transcultural Studies (GPTS) am Exzellenzcluster „Asien und Europa im Globalen Kontext“. Sie arbeitete als Assistentin am Institut für Sinologie an der Universität Heidelberg, bevor sie in 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Freie Universität Berlin wechselte. In ihrer jüngsten Forschung untersucht sie die Bedeutung von „Barfußärzten“ in der VR China der 60er und 70er Jahre und ihre Rolle im Diskurs über das globale Gesundheitswesen.

http://www.foerderer.uni-hd.de/stiftung/preise.html

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