Kim Il Sung – Der Staatsgründer und ewige Präsident

Einleitung - Zu Kim Il Sungs früher Sozialisation

Keine andere Führungspersönlichkeit des modernen Nordkoreas hat eine vergleichbare Bedeutung als Kim Il Sung (김일성), dem Staatsgründer und ewigen Präsidenten Nordkoreas. Kim Il Sung wurde am 15. April 1912 – also 2 Jahre nach der  Annexion Koreas durch Japan – als ältester von drei Söhnen unter dem Namen Kim Sŏng-ju (김성주) in Man’gyŏngdae (만경대) nahe der späteren nordkoreanischen Hauptstadt P'yŏngyang (평양) in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Nach nordkoreanischen Angaben soll bereits Kims Vater, Kim Hyŏng-jik (김형직), zwischen 1917 und 1919 an einer Reihe sog. „patriotischer, anti-japanischer Aktivitäten“ beteiligt gewesen sein – doch endgültig bestätigt werden konnten diese Angaben
bislang nicht. Deshalb ist auch weiterhin umstritten, ob diese angeblichen antijapanischen Aktivitäten von Kims Vater der  ausschlaggebende Grund dafür waren, dass die Familie im Jahr 1919 nach Nordostchina (ins Gebiet der heutigen Mandschurei) übersiedelte – oder ob schlichtweg die familiäre Armut der Grund hierfür war. Wir wissen dass Kim Sŏng-ju nicht nur seine ersten vier Schuljahre in der Mandschurei verbracht hat, sondern dass er, abgesehen von einer kurzen Rückkehr nach Korea zwischen 1923 und 1925, seine gesamte Ausbildung auf ausländischem Boden, v.a. auch in China,  verbrachte.

Wenn man das gegenwärtige Nordkorea auch nur ansatzweise verstehen möchte, so ist es zwingend notwendig zuvorderst auf das Wirken Kim Il Sungs im antijapanischen Guerillakampf zu blicken. Das Verständnis dieses Vermächtnisses ist unabdingbar für das Verständnis der Entwicklungen in Nordkorea nach 1945 – bis heute. Die  Bedeutung dieser Erfahrungen Kims im anti-japanischen Kampf ergibt sich insbesondere aus der Tatsache, dass Kims politische Erben bis heute einen unmittelbaren Legitimitätsanspruch von diesem Kampf ableiten. Die Staatgeschichte bzw. die das Nationalgefühl stiftenden Erzählungen erstrecken sich linear von den frühen Tagen der anti-japanischen Aufstände bis hin zur Gegenwart. Es ist in diesem Zusammenhang, dass Bruce Cumings von Nordkorea als einer „Gerontokratie“1 spricht; einer Gerontokratie, die keine Abweichungen von diesem wichtigsten aller nordkoreanischen Legitimitätsansprüche duldet. So gesehen stellt Nordkorea vor allen anderen dem Land zugeschriebenen Attributen und Charakteristika – kommunistisch, nationalistisch, Schurkenstaat, Feindstaat, Achse des Bösen, Vorposten der Tyrannei – in erster Linie eine wie Bruce Cumings es ausdrückt „antijapanische Entität“ dar. Ähnlich betont auch Charles Armstrong, dass Nordkorea vielmehr ein „Produkt [des] antiimperialistischen Kampfes“ als das Produkt sowjetischer Besatzung  darstellt.2 Die Vision eines nordkoreanischen Staates, der massive Ausbau des nordkoreanischen Militärs, die Etablierung eines Kommunismus à la Nordkorea; all diese späteren politischen Entwicklungen nahmen in dieser Zeit des  anti-japanischen Kampfes ihren Anfang und wurden unter diesen Begebenheiten geformt.

Es existieren nur wenige gesicherte Quellen zum Leben und zur politischen Entwicklung Kim Il Sungs vor 1945. Gleichermaßen kann festgestellt werden, dass diese Periode in der nordkoreanischen Geschichtsschreibung zu dem am detailliertesten ausgearbeiteten Perioden der nordkoreanischen Geschichte zählen. Dies liegt darin begründet, dass Kim Il Sungs anti-japanischer Kampf den wichtigsten und originären Gründungsmythos Nordkoreas darstellt, vom dem sich bis heute die zentrale  Legitimationslinie des nordkoreanischen Staates ableitet. Die diesbezüglichen Darstellungen der nordkoreanischen Quellen müssen, um es vorsichtig auszudrücken, stark angezweifelt werden, denn parallel zum Ausbau des Führerkults in Nordkorea wurden dem jungen Kim Il-Sung (auch nachträglich) immer unglaublichere Leistungen zugeschrieben. Andere Aktivitäten wurden hingegen ab und zu auch wieder aus der Geschichte entfernt, was auf eine äußerst dynamische Geschichtsschreibung verweist. Dies liegt insbesondere darin begründet, dass es das vornehmliche Ziel dieses Teils der nordkoreanischen Geschichte war und ist, einen Mythos zu kreieren bzw. diesen immer weiter auszubauen. Es geht nicht oder nur in zweiter Linie darum, eine tatsächliche historische, persönliche und politische Entwicklung abzubilden.3 Auf der anderen Seite dienten auch die südkoreanischen Darstellungen lange Zeit dem Zweck, den quasi-legendären Ruf Kim Il Sungs gezielt zu verunglimpfen, in dem seine Vergangenheit angezweifelt und seine revolutionären Aktivitäten verleugnet wurden. Obwohl also die exakte Darstellung der (tatsächlichen) persönlichen Entwicklung und politischen Tätigkeiten Kim IlSungs heute also einerseits von der staatlichen Propaganda Nordkoreas überlagert wird und andererseits im Ausland schlichtweg verleugnet werden, so existieren heute nichtsdestotrotz eine Reihe von gesicherten Informationen, die nicht zuletzt durch die Öffnung vormals geheimer Akten in Südkorea, Japan und vor allem Russland bzw. der Sowjetunion sowie deren rigorose Aufarbeitung durch verschiedene Historiker wie etwa Charles Armstrong, Suh Dae Sook oder Wada Haruki möglich wurden. Trotz des unzweifelhaft zu attestierenden Fortschritts Licht in das akademische Dunkel zum Thema Kim Il Sung zu bringen, so bleibt auch hier noch viel zu tun. So kann bis heute etwa nicht genau belegt werden, in exakt welchem Alter sich Kim Il Sung dem Widerstand gegen die japanische Besatzung bzw. der dortigen kommunistischen Bewegung anschloss. Nordkorea betont in diesem Zusammenhang das Jahr 1925 als den Beginn von Kims revolutionären und anti-japanischen Aktivitäten. Gottfried-Karl Kindermann führt aus, dass sich Kim bereits „als Jugendlicher (…) in der Mandschurei (…) kommunistischen Partisanenorganisationen“ anschloss.4 Auch Charles Armstrong weist darauf hin, dass Kim bereits während seiner „middle-school“-Zeit in direktem Kontakt mit kommunistischen Zirkeln stand. Dae-Sook Suh widerspricht zwar einerseits einer Reihe von generell geteilten Annahmen über die frühen Aktivitäten und insbesondere die angeblichen Führungspositionen, welche Kim Il Sung bereits in seiner Jugendzeit innerhalb der kommunistischen und Partisanenbewegung angeblich inne gehabt haben soll. Gleichzeitig verweist er jedoch darauf, dass Kim de facto bereits 1929 mit Kommunisten in direktem Kontakt stand. Es sind wahrscheinlich genau diese Kontakte gewesen, aufgrund derer Kim ebenfalls 1929, also im Alter von 17 Jahren, erstmals wegen kommunistischer Aktivitäten verhaftet worden war. Wie wir heute wissen, schloss sich Kim 1931 der „Kommunistischen Partei Chinas (CCP)“ an. Die Tatsache, dass Kim Il-Sung, zeitweise als Mitglied der CCP, unter chinesischer Direktive kämpfte, wurde nach dem Koreakrieg aus den nordkoreanischen Geschichtsbüchern getilgt. Doch dass sich Kim der chinesischen kommunistischen Partei anschloss, ist auch deshalb wenig verwunderlich, weil die kommunistische Bewegung Koreas im Sinne einer formalen Parteiorganisation nach dem Kollaps der koreanischen kommunistischen Partei im Jahr 1928 nicht mehr aktiv war. Kims Guerilla-Aktivitäten begannen in der Stadt Antu in der Nähe der koreanischen Grenze, wo er 1932 mit der „Chinese National Salvation Army“ zusammenarbeitete und Kims Einheit 1933 in das „East Manchuria Special Committee“ der chinesischen Armee eingegliedert wurde. An dieser Stelle gehen die Angaben nun wieder etwas auseinander; in der nordkoreanischen Geschichstsschreibung wird darauf verwiesen, dass Kim Il Sung im September 1933 die Führung einer „Korean People’s Revolutionary Army“ (Chosŏn inmin hyŏngmyŏnggun, 조선인민형명군) übernommen habe, welche angeblich bis Februar 1936 aktiv gewesen sei. Ab 1936 berufen sich nordkoreanische Quellen immer wieder auf die angeblich im Mai 1936 gegründete „Gesellschaft zur Restauration des Vaterlandes“ (Choguk Kwangpok-hoe, 조국 광복회), doch die exakte Verbindung dieser tatsächlich existierenden Gruppierung mit Kim Il Sung ist (noch) weitgehend unbekannt. Nach Angaben sowohl von Charles Armstrong als auch von Suh Dae-Sook hingegen fanden Kims wesentliche Guerillaaktivitäten insgesamt v.a. zwischen 1934 und 1940 und primär im Rahmen der von der kommunistischen Partei Chinas geführten „Northeastern Anti-Japanese United Army“ (NEAJUA) statt, der sich Kim im Juni 1934 anschloss. Innerhalb der NEAJUA stieg Kim nach und nach auch in der militärischen Rangfolge an und nahm letztlich auch eine Führungsposition ein. 1935 wurde Kim Il-Sung politischer Kommissar der 160-Mann starken „3rd detechment“ dieser zweiten Division. Etwa zur gleichen Zeit, also um 1935 herum, nahm Kim Song-Ju den nom de guerre Kim Il Sung an. Zwei Jahre später wurde er im Alter von 25 Jahren zum Kommandeur der ca. 300 Personen starken 6. Division – die sog. „Kim Il Sung-Division“. Besonders berühmt wurde deren (Kommando-)Operation „Pojŏn/Poch’ŏnbo“ am 4. Juni 1937, in deren Rahmen etwa 200 Guerillakämpfer unter Kims Kommando die chinesischkoreanische Grenze überquerten und japanische Einrichtungen in der Stadt Pojŏn bzw. (ab 1945) Poch’ŏnbo angriffen. Die (nachhaltige) Bedeutung dieser Aktion liegt in erster Linie darin, dass über diesen Vorfall intensiv berichtet wurde, wodurch Kim als militärischer Anführer bekannt wurde und sein späterer „Mythos“ (mit-)begründet wurde. Japan setzte Kims Namen auf die Liste der besonders gefährlichen „kommunistischen Banditen.“

Ende der 30er Jahre begann sich der Zustand und die Situation für die Guerillas massiv zu verschlechtern. Insbesondere in den Jahren 1939 und 1940 verwendete die japanische Armee große Anstrengungen darauf, die Guerillakämpfer im Gebiet der Mandschurei zu bekämpfen. Auch und gerade Kim Il Sung wurde dabei zu einem bedeutenden Angriffsziel der japanischen Truppen sowie deren koreanischer Kollaborateure. Nach der Auswertung zahlreicher japanischer Dokumente stellte Charles Armstrong fest, dass Kim eine Zeit lang der „meistgesuchte Guerilla in der Mandschurei“ war. Die japanischen „Vernichtungskampagnen“ (annihilation campaigns) führten schließlich zur weitestgehenden Zerschlagung der Guerillabewegung in der Mandschurei. Die Überlebenden zogen sich in erster Linie in die Sowjetunion zurück. Auch Kim Il Sung überquerte Ende 1940 mit seiner Einheit die Grenze zur Sowjetunion, wo sie sich chinesischen und koreanischen Guerillakämpfern in zwei Sowjetcamps anschlossen. Diese wurden im Juli 1942 zur „88th Special Reconnaissance Brigade“ der „Soviet 25th (Far Eastern) Army“ zusammengeschlossen. Dort erhielt Kim Il Sung zuerst den militärischen Rang des captain und anschließend den Major-Rang in der sowjetischen Roten Armee. Kim befehligte zu dieser Zeit vor allem sog. „small unit operations“ und es wurde deutlich, dass die Hochphase des anti-japanischen Guerillakampfes vorbei war. Umso mehr wurden die Hoffnungen seitens der Partisanen auf einen Kriegseintritt der Sowjetunion gegen Japan gesetzt. Indem die Sowjetunion den Partisanen Schutz gewährte, diese gar in die sowjetischen Militärstrukturen integrierten (und sie damit auch ausrüsteten) und in den letzten Tagen des Krieges in selbigen eintrat wurde (es) absehbar, dass die Sowjetunion bzw. die Rote Armee nach dem Ende des Krieges eine Rolle im Aufbau einer neuen Ordnung in Korea spielen würde. Zusammengefasst kann man feststellen, dass es trotz durchaus berechtigter Diskussionen um die tatsächliche persönliche Entwicklung und exakte Rekonstruktion der politischen Sozialisation Kim Il Sungs heute unbestritten ist, dass Kim Il Sung de facto eine äußerst aktive und bedeutende Rolle in der Mandschurei im Rahmen des bewaffneten Widerstands gegen die Japaner spielte, wo er sich bis Ende der 30er Jahre zu einer Führungspersönlichkeit unter den koreanischen und chinesischen Guerillakämpfern entwickelte. Nicht zuletzt aufgrund dieser Prominenz Kim Il Sungs innerhalb der anti-japanischen Partisanenbewegung war es auch eben jene Gruppe um Kim Il Sung, welche wenige Jahre später die Macht in Nordkorea übernehmen sollte.

Kim Il Sung

Kim Il Sung
Bildquelle: Wikimedia Commons Kim Il-Sung

Kim Il Sungs Herrschaftszeit in Nordkorea kann in mehrere (innenpolitische) Entwicklungsphasen unterteilt werden: die Phase der Machtübernahme und kurz- bis mittelfristigen Machtabsicherung (1945-1950), die Phase der langfristigen Machtkonsolidierung, sowie die Phase der Vorbereitung der Machtübergabe an seinen Sohn Kim Jong Il.

1. Phase: Die Machtübernahme Kim Il Sungs

In der Phase der Machtübernahme sahen sich Kim und seine Partisanenfraktion mit dem grundsätzlichen Problem des Faktionalismus konfrontiert. So konkurrierten verschiedene kommunistische und nationalistische Kräfte um die Macht im Norden. Entsprechend wurde das politische System Nordkoreas zwischen 1945 und 1950 durch eine „Koalition“ aus den Kommunisten bzw. der Arbeiterpartei und zweier „befreundeter Parteien“, der Korean Democratic Party (unter Cho Man-sik) und der Young Friend’s Party, charakterisiert. Kim und seine Clique setzten sich mit ihrem Vorschlag durch, eine „Strategie der vereinten Front“ (United Front) umzusetzen, also einer überparteilichen, über das Lager der Kommunisten hinausreichenden Koalition, die die wesentlichen politischen Kräfte der damaligen Zeit einschloss. Was war der Hintergrund für die Etablierung einer vereinten Front? Wie wir gehört haben befand sich Kim seit 1925 außerhalb Koreas, wodurch ihm eine breite organisatorisch-parteiliche Infrastruktur, welche er für sich und seine Clique nutzbar machen könnte, anfangs noch weitestgehend fehlte. Dazu kam, dass nicht nur die Fraktion um Kim Il Sung, sondern die Kommunisten insgesamt zu dieser Zeit rein zahlenmäßig von den Nationalisten und anderen politischen Kräften in den Schatten gestellt wurden – erstere gleichzeitig jedoch von Moskau die größte Unterstützung erhielten. Vor dem Hintergrund solch prekärer politischen Dynamiken und Machtkonfigurationen setzten Kim und dessen Partisanenfraktion die „Strategie der vereinten Front“ durch, die sowohl die kommunistischen als auch die nationalistischen Kräfte einband, um so vereint gegen einen „größeren und gemeinsamen Feind“ zu kämpfen, bspw. japanische Kollaborateure, den Einfluss des US-Imperialismus usw. sowie vereint die Umsetzung der sozialen Reformen sicherzustellen. Neben solchen praktisch-politischen Hintergründen diente diese Strategie jedoch gleichzeitig auch dazu Zeit zu schinden, um über die Vereinigung der kommunistischen Kräfte den weiteren Machtausbau vorzubereiten. Zwar wurden die kommunistischen Kräfte von Beginn an von der Sowjetunion unterstützt, doch besaßen die beiden anderen Parteien einen eigenen Handlungsspielraum. Den Kommunisten gelang es jedoch früh, die federführende Position innerhalb dieser Allianz einzunehmen und die beiden anderen politischen Kräfte Schritt für Schritt zu marginalisieren. Somit war es das Hauptanliegen Kim Il-Sŏngs, die Position der Kommunisten durch deren institutionelle Vereinigung nachhaltig zu stärken. Innerhalb der damaligen kommunistischen Strömungen lassen sich grundsätzlich die folgenden Gruppierungen voneinander unterscheiden:

  • Die „Kapsan-Gruppe“, geführt von Kim Il-Sŏng und primär bestehend aus jenen Partisanen, mit welchen Kim zusammen im anti-japanischen Kampf im mandschurisch-nordkoreanischen Grenzgebiet gekämpft hatte und mit der sowjetischen Armee in den Norden Koreas zurückgekehrt sind. Der Name Kapsan-Gruppe geht auf den Ort „Kapsan“ zurück, der in der Nähe der mandschurischen Grenze lag und wo eben jene Gruppierung anfangs ihr Hauptquartier besaß.
  • Die „Yenan-Gruppe“, geführt von Kim Tu-Bong und Choe Chang-Ik, die während des 2. Weltkrieges mit Mao Tse-tung in seinem Parteihauptquartier in Yenan Kontakt aufgenommen und Seite an Seite mit der chinesischen Armee gekämpft hatten. Diese Gruppe galt als Verfechter einer prochinesisch orientierten Linienführung der nordkoreanischen Partei- und Außenpolitik. 
  • Die „Sowjet-Koreaner“, die aus unterschiedlichen Gründen in Sibirien beheimatet waren oder dorthin vor Jahrzehnten geflohen waren und von denen viele von der sowjetischen Besatzungsarmee in Korea für ihre Zwecke benutzt wurden. Einige dieser Gruppe erhielten hohe Positionen in Regierung und Partei. Bekannte Persönlichkeiten dieser Gruppe waren bspw. Nam Il, der spätere Außenminister und Vizeministerpräsident sowie der nordkoreanische Chefunterhändler bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Panmunjom. 
  • Die „Domestics“, also die Gruppe der während der japanischen Besatzung innerhalb Koreas aktiven kommunistischen Aktivisten, deren bedeutendster Führer Pak Hon-Yong war und die unter der antikommunistischen Politik Rhee Syng-mans nach Norden flohen. Gleichzeitig gelang es Kim, 1946 die kommunistischen Parteien und 1949 die NKWP mit der DKWP zu fusionieren und die Führung innerhalb der Partei zu übernehmen. Nachdem Kim somit die Führung über die zentralen Elemente übernommen hatte, ging er nun dazu über, seine neue Machtposition kurz- bis mittelfristig abzusichern sowie langfristig zu konsolidieren.

Kim Il Sung gelang es, die kommunistischen Kräfte zumindest auf institutioneller Ebene zusammenzuführen, in dem er im August 1946 die kommunistischen Kräfte (insbesondere der KCP-NKB und der New People’s Party) zur „Nordkoreanischen Arbeiterpartei“ zusammenführte. Damit waren faktisch alle kommunistischen Kräfte auf institutioneller Ebene unter dem Dach der KWP zusammengefasst.

2. Phase: Kurz- bis mittelfristige Machtabsicherung

Doch auch wenn damit alle kommunistischen Kräfte auf institutioneller Ebene zusammengeführt wurden, so existierten die Fraktionen an sich nach wie vor weiter. Deshalb ging Kim seit 1951 und insbesondere nach dem Koreakrieg dazu über, schrittweise und systematisch seine politischen Widersacher innerhalb der KWP auszuschalten. Dieser Prozess dauerte letztlich bis die 60er Jahre hinein und vollzog sich in mehreren Schritten, wobei sich Kim je nach Lage mal die eine und mal die andere Gruppe zunutze machte, um wiederum die jeweilige Zielgruppe auszuschalten. Zusammenfassend kann man folgende Phasen unterscheiden:

  • Eliminierung der Domestics/Namno-Fraktion (1951-1953)
  • Eliminierung der Soviet-Fraktion (1953-1956)
  • Eliminierung der Yenan-Fraktion (1956-1960)
  • Eliminierung „feindlicher Elemente“ innerhalb der Partisanen-Fraktion (1969-1975)

Im Zuge des vierten Parteitages der koreanischen Arbeiterpartei im September 1961 verkündete Kim die erfolgreiche Niederschlagung der inner- und außerparteilichen Opposition, doch viele Informationen deuten darauf hin, dass sich der systematische Prozess noch bis weit in die 70er Jahre hineinzog und im Grunde seitdem auf einer anderen Ebene fortgesetzt wurde.

3. Phase: Langfristige Machtkonsolidierung

Nachdem Kim die Macht in Nordkorea übernommen und seine eigene Machtposition nunmehr kurz- bis mittelfristig abgesichert hatte, ging er nun mit dem Prozess, diese Machtposition langfristig zu konsolidieren. Dabei nutzte er gezielt einige z.T. interdependente Instrumente und Strategien aus, wie bspw. dem systematischen Aufbau eines Personenkultes sowie – eng damit verbunden – die Stärkung der Chuch’e-Ideologie.

4. Phase: Intensivierung des Führerkultes

In der Phase der Intensivierung des Führerkultes wurden dann zahllose Kampagnen gestartet, mittels welcher sowohl Kim Il Sungs anti-japanische Guerillatraditionen als auch bereits Kim Jong Ils Genie in den Bereichen Kunst, Kultur usw. angepriesen wurden.

1 Gerontokratie (gr. γέρων géron „Greis“) die Herrschaft der Alten, ist eine gesellschaftliche Verfassung und
Herrschaftsform, in der ein „Rat der Alten“ das politische Handeln entscheidet.

2 Armstrong, Charles, The North Korean Revolution, S. 33.

3 Armstrong, Charles, Centering the Periphery: Manchurian Exile(s) and the North Korean State, in: Korean Studies, No. 19,
1995.

4 Kindermann 2005, S. 199.

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