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DFG-Projekt: Völker- und Rassenkunde in Stein

Projektlaufzeit:
01.01.2019 — 31.03.2022

Die fotografische Erfassung altägyptischer Menschendarstellungen und die ethnohistorische Kartographie des Altertums im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Das Forschungsvorhaben untersucht die Produktion, Zirkulation und Deutungsgeschichte von Fotografien antiker Menschendarstellungen in den Altertums- und Biowissenschaften des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und fragt nach ihrer epistemischen Funktion. Von der Annahme ausgehend, das physische Erscheinungsbild der Völker des östlichen Mittelmeerraums und des Vorderen Orients ließe sich unmittelbar den altägyptischen Monumenten entnehmen, erstellten Archäologen und Anthropologen ethno- und rassenhistorische Kartographien und setzen die antiken Menschendarstellungen mit modernen Populationen in Beziehung. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach der Evidenz der Fotografien in diesem Zusammenhang bzw. nach der Evidenzerzeugung durch die Fotografien.

Ausgangs- und Angelpunkt stellt die Analyse zweier fotoarchäologischer Expeditionen um 1900 dar: Die 1886/87 durch den britischen Archäologen William M. Flinders Petrie durchgeführte Forschungsreise Racial Photographs from the Egyptian Monuments sowie die 1912/13 von dem deutschen Althistoriker Eduard Meyer organisierte Expedition nach Ägypten zur Erforschung der Darstellungen der Fremdvölker. Während ältere Abbildungen und Fotografien antiker Menschendarstellungen nicht eigens zur Identifikation von Völkern und zur anthropologischen Deutung erstellt worden waren, zielten die genannten Projekte dezidiert auf diese Zwecke ab. Durch eine dichte Beschreibung beider Unternehmen vor dem Hintergrund ihrer technologischen, methodischen und ideologischen Voraussetzungen können die Produktions- und Verwendungskontexte einzelner Fotografien von der Entstehung bis zu ihrer Zirkulation in Publikationen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts konkret nachvollzogen werden.

Um die epistemischen Voraussetzungen dieser Expeditionen zu verstehen, sollen die Evidenzansprüche der Abbildungen in einen größeren wissenshistorischen Kontext gestellt und die Geschichte der rassenanthropologischen Lektüre entsprechender Objekte seit dem frühen 19. Jahrhundert rekonstruiert werden. Ein besonderes Augenmerk gilt in diesem Zusammenhang dem ikonischen Positivismus, auf dem die Deutungen basierten und der typologischen Funktion, die den antiken Menschendarstellungen zugewiesen wurde. Ferner sind aufkommende Zweifel an der rassenanthropologischen Lektüre zu beachten, konnten doch die Abbildungen antiker Menschendarstellungen im frühen 20. Jahrhundert in bestimmten Kontexten keine uneingeschränkte Evidenz mehr entfalten.

Institution: Institut für Altorientalistik
Leitung: Dr. Felix Wiedemann; Prof. Dr. Eva-Cancik-Kirschbaum 
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 01.01.2019 - 31.12.2021

Mentoring
Tutoring
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