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Betreute Arbeiten

Prof. Dr. Karin Gludovatz: Betreute Dissertationen

 Natascha Bohnert

Nation und Geschlecht in der britischen Malerei des 18. Jahrhunderts

Gegenstand des Promotionsprojekts sind die Konzeptionen von Nation und Geschlecht, die im Großbritannien des 18. Jahrhunderts in Bildwerken verhandelt werden. Ausgehend von der Annahme, dass diese Kategorien verschränkt sind und sich vielfach gegenseitig beeinflussen, fragt das Projekt mit den Mitteln der Repräsentationskritik und der Diskursanalyse nach der Art und Weise, wie bildliche Repräsentationen gesellschaftliche Naturalisierungs-, Differenzierungs- und Transformationsprozesse in Bezug auf Nation und Geschlecht widerspiegeln bzw. erzeugen und mitgestalten oder ihnen entgegenwirken. Fragen, die dabei zur Bearbeitung der Bilder gestellt werden sollen, sind etwa: Wie wird Geschlecht instrumentalisiert, um ‚das Andere‘ zu konstruieren? Welche Rolle spielt Geschlecht für die Erzeugung und Aufrechterhaltung der ‚nationalen Erzählung‘? Wie wirken sich Geschlechtsidentität und Nationalidentität aufeinander aus?
Neben Ansätzen der gender studies ist die Arbeit dabei auch solchen der postcolonial studies verpflichtet, die aufgrund von zeitgenössischen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen von besonderer Relevanz für die Fragestellung sind.
Der Fokus wird zunächst auf die Porträtmalerei gelegt, insbesondere weil seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Generation britischer Künstler diese als ‚typisch englisch‘ (vgl. Hoock 2003) angesehene Gattung zu nobilitieren suchte. Sie sollte neben der in der Gattungshierarchie am höchsten angesiedelten Historienmalerei, zu deren Bearbeitung britischen Künstlern noch bis ins 18. Jahrhundert hinein häufig die technischen, vor allem aber die intellektuellen Fähigkeiten abgesprochen wurden, als ebenbürtig etabliert werden.

Kontakt: natascha.n.bohnert@gmail.com

 

Astrid Groholszky

Ein Amt bekleiden: Stoffe und Gewänder als Mittel der Herrscherinszenierung in Bildmedien und Zeremoniell des Burgunderhofes

Der burgundische Fürstenhof des 15. Jahrhunderts entfaltete vor einer Folie diverser politischer, kultureller und künstlerischer Entwicklungen eine elaborierte Hofkultur, von der uns heute noch eine Fülle an Kunstwerken ein eindrucksvolles Zeugnis liefern können. Objekte des Kunsthandwerks, reich verzierte Prachthandschriften sowie Tafelgemälde, aber auch Tapisserien, Gewänder und andere textile Ausstattungsgegenstände wurden von den burgundischen Fürsten in Auftrag gegeben, um, so der aktuelle Forschungskonsens, ein gewisses Bild von sich zu repräsentieren. Vor allem Philipp der Gute und Karl der Kühne erkannten in diesem Zusammenhang das Potenzial von Textilien und Gewändern als Mittel der nonverbalen Kommunikation, welche im Kontext eines Hoffestes oder auch abgebildet in einem Kunstwerk einen Symbolgehalt entfalten konnte, den sie für ihre Herrscherinszenierung auf unterschiedliche Weise einzusetzen wussten.

Entgegen der von Johann Huizinga vertretenen Aussage von der Sinnentleertheit des Burgunderhofes, fußte die Selbstdarstellung der Fürsten auf einem Kanon aus Idealen und Tugenden, welcher sich aus einer Bandbreite von Fürstenspiegeln und anderen politischen Theorieschriften speiste. Weisheit, Gerechtigkeit, Ritterlichkeit sowie Freigiebigkeit und Gottesfurcht treten als Kernattribute hierbei immer wieder in den Vordergrund. Ziel war es, diese edlen Eigenschaften zumindest augenscheinlich in sich zu vereinen, um als guter und demzufolge auch legitimer Herrscher angesehen zu werden. Hier setzt mein Dissertationsprojekt an, welches sich mit der textilen Inszenierung der letzten beiden Burgunderfürsten in den höfischen Bildmedien sowie dem Hofzeremoniell auseinandersetzt, um der Frage nachzugehen, wie in unterschiedlichen Kontexten textile Objekte sowie Kleidungsstücke verwendet wurden, um das oben erwähnte Herrscherideal samt seiner unterschiedlichen Tugendeigenschaften sichtbar zu machen.

Kontakt: astrid.groholszky@gmx.de


Marie Hartmann

Schwarz vor Augen. Die Materialität und Medialität gefärbter Stundenbücher

Im vorliegenden Dissertationsvorhaben sollen die sogenannten schwarzen Stundenbücher, die im späten 15. Jahrhundert im Kontext des burgundischen Hofes entstanden, in Bezug auf die ihnen spezifischen materiellen und medialen Aspekte untersucht werden. Schwarze Stundenbücher sind eine innovative Erfindung spätmittelalterlicher religiöser Prachthandschriften: Durch die Kombination von tiefschwarz gefärbtem Pergament, metallisch glänzender Gold- und Silbertinte und einer besonders reduzierten Palette kontrastierender Pigmente wird eine optische Inversion traditioneller Relationen von Hinter- und Vordergrund vorgenommen. Diese Transformation der Illumination und Schriftbildlichkeit durch umgekehrte Farbsättigung und Hell-Dunkel-Kontraste führt zu einer rezeptionsästhetischen Neudefinition tradierter Sehgewohnheiten von Träger-, Mal- und Schreibstoffen des Handschriftentypus Stundenbuch. Das Ziel des vorliegenden Promotionsvorhabens ist es, erstmals eine systematische Korpusanalyse der sieben schwarzen Stundenbücher vorzulegen, welche sowohl ihre physisch-sensorischen und medial-vermittelnden Eigenschaften, als auch die zentralen Praktiken ihrer Herstellung, Handhabung und Bewahrung untersucht.

Kontakt: marie.hartmann@fu-berlin.de


Susanne Huber

Materialität und Medialität von Begehrensstrukturen: Bacher, Charlesworth, Bloom (abgeschlossen 2020)

Das Dissertationsprojekt geht von der Beobachtung aus, dass in der US-amerikanischen Kunstproduktion der 1970er und 80er Jahre eine intensive Auseinandersetzung mit Sexualitätsnormen bzw. Geschlechterverhältnissen in Hinblick auf deren ökonomische Bedingungen erfolgte. In Korrelation zu einer in der Forschung bislang kaum berücksichtigten, materialistisch argumentierenden feministischen Kritik finden sich hier auf ästhetischer Ebene Fragen nach der Konstruktion von Körperbildern, Geschlechterrollen und sexueller Identität in Zusammenhang gesetzt mit marktwirtschaftlichen Verwertungsmechanismen, Produktions- und Konsumptionsprozessen. Begehren, so die Ausgangsthese, stellt in den künstlerischen Entwürfen eine zentrale Bezugsgröße dar, um die Überschneidungen der Diskursfelder von Sexualität und Ökonomie ebenso auszuloten wie kritisch in die Repräsentationssysteme normativ-hierarchischer Gesellschaftsstrukturen zu intervenieren. Es gilt demnach systematisch zu analysieren, welcher Verfahren sich die Künstler_innen bedienen, um naturalisierte Begehrensformationen in distanzierende Darstellungsmodi zu überführen. Welche Wege werden gesucht, um die Kapitalisierung und Kommodifizierung von Körpern und Sexualität als machtpolitische Faktoren zu vermitteln und zu subvertieren? Methodisch anzusetzen ist dabei an der Frage, wie die ästhetischen Wechselwirkungen zwischen Medialität und Materialität von Begehrensstrukturen, d.h. ihre Vermittlung und Verkörperung bzw. Verdinglichung, in den künstlerischen Entwürfen adressiert werden und darüber eine politische Dimension des Begehrens visualisiert ist.

Kontakt: susanne.huber@posteo.de


Henriette Hufgard

Das Fremde und die Frage der Vernunft: Koloniale Darstellungen von Albert Eckhout, Maria Sibylla Merian und Francis Galton

Das Dissertationsprojekt untersucht künstlerische und wissenschaftliche Darstellungen, die mit Bezug auf die – aus europäischer Perspektive – ‚Neue Welt‘ entstanden. Es fragt nach der Bedeutung der historischen Koinzidenz von Kolonialismus und Rationalismus. Im 17. Jh. revolutionieren Bilder aus den Kolonien das Welt- und Selbstverständnis Europas grundlegend, während zeitgleich Descartes’ Vernunftbegriff seine Wirkmächtigkeit entfaltet und für die nachfolgenden Jahrhunderte prägend werden sollte. Das Projekt untersucht, inwiefern die Darstellungen aus der ‚Neuen Welt‘ mit der Konjunktur des Vernunftbegriffs in Verbindung stehen: Liegt im Zusammenspiel von vernunftorientiertem Blick, kolonialem Machtanspruch und 'fremdem' Gegenstand eine generative Kraft für das europäische Subjektverständnis? Das der Studie zugrundeliegende Material entstand im Zusammenhang mit Aufenthalten in Kolonialgebieten. Es handelt sich um Werke des niederländischen Stilllebenmalers Albert Eckhout in Niederländisch Brasilien, 1641-1643, der deutschen Entomologin Maria Sibylla Merians in Surinam, 1699-1701, und des britischen Eugenikers Francis Galton in Südwestafrika, 1850-1851. Durch innovative Darstellungsweisen entwickeln sich in deren Werken Blickbezüge, die im Sinne V. Schmidt-Linsenhoffs als "koloniale Blickregime“ zu deuten sind. Sie trugen so dazu bei, das vernünftige Subjekt anhand seines sichtbaren Gegenübers zu erschaffen: des kolonialen Objekts. Zur Untersuchung des verschränkten Verhältnisses von rational und kolonial, Subjekt und Objekt, Erkennbarem und Sichtbarem verknüpft das Projekt die kunsthistorische Analyse kolonialer Blickregime mit einer postkolonial gewendeten, genealogischen Kritik nach Nietzsche und Foucault. Ziel der Arbeit ist es zu zeigen, dass der europäische Vernunftbegriff nur in seiner Beziehung zum sichtbargemachten Fremden denkbar wurde und damit vom kolonialen Objekt aus neu vermessen werden muss.

Kontakt: henriettehufgard@gmail.com


Wibke Joswig

Frühorientalismus in der venezianischen Malerei um 1500. Bilder des 'Ostens' bei Gentile Bellini und seinem künstlerischen Umfeld (abgeschlossen 2016)

In dem Promotionsprojekt geht es darum, die venezianische Malerei des frühen 16. Jahrhunderts aus orientalismuskritischer Perspektive zu untersuchen. Ausgangspunkt der Betrachtungen sind dabei jene Gemälde Gentile Bellinis und seines künstlerischen Umkreises, die Begegnungen mit muslimisch geprägten Kulturräumen thematisieren. Vor dem Hintergrund der um 1500 herrschenden geopolitischen und soziokulturellen Bedingungen sowie ästhetischen Konventionen sollen visuelle Strategien frühneuzeitlicher Darstellungen des sogenannten „Orients“ herausgearbeitet werden. Ziel ist es nicht nur zu zeigen, welche Bilder in jener Zeit von den Regionen Nordafrikas und Westasiens produziert wurden, sondern auch darauf aufmerksam zu machen, dass das westliche Bild vom „Orient“ kein konstant gleichbleibendes ist.

Kontakt: wjoswig@zedat.fu-berlin.de

 

Henry Kaap

Lorenzo Lotto: Bilderverehrung – Bildskepsis – Bildwitz (abgeschlossen 2019)

Projektziel ist es, ausgehend von der Tiefenanalyse des Porträts des Andrea Odoni, konkrete Aussagen über die von Lotto im Medium Malerei getroffenen kunsttheoretischen Reflexionen treffen zu können. Dazu rücken ferner Gemälde sakralen wie profanen Sujets in den Fokus, die es erlauben, ein ganzheitliches Bild des Lottoschen Kunstverständnisses zu zeichnen. Die Studie schlägt einen Bogen zwischen den Kunstauffassungen des Malers Lotto und des Kunstsammlers Odoni, was unter den Leitbegriffen Bilderverehrung, Bildskepsis, Bildwitz erfolgt. Die genannten Aspekte durchwirken sich unweigerlich gegenseitig, weshalb ihr ambivalentes Verhältnis die Gesamtstudie durchzieht. Sind Bilderverehrung und -skepsis zwei Seiten einer Medaille, so vermag es Lotto beide qua Bildwitz miteinander zu ‚versöhnen’.

Kontakt: hkaap[at]zedat.fu-berlin.de

 

Nadine Keul

Joos van Winghe (1542/44-1603): Ein flämischer inventor im Kontext der druckgraphischen Produktion in Frankfurt am Main um 1600

Im Mittelpunkt des Promotionsvorhabens steht die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Tätigkeit Joos van Winghes in Frankfurt am Main. Nach der Rekatholisierung der südlichen Niederlande verließ der flämische Künstler, der zuvor als Hofmaler in den Diensten Alessandro Farneses stand, seine Heimatstadt Brüssel 1585, um sich wie viele andere Niederländer reformierten Glaubens in der Freien Reichsstadt niederzulassen. Begünstigt durch seine Lage am Schnittpunkt bedeutender Handelswege wurde Frankfurt im 16. Jahrhundert von einem wirtschaftlichen Aufschwung erfasst, der ein florierendes Handelszentrum für Kommunikation, Wissensverbreitung und geistigen Austausch formte, und in dem sich ein humanistisch geprägter Künstlerkreis etablierte. In dieser prosperierenden Umgebung entstand die Kunstproduktion Van Winghes; als inventor lieferte er zahlreiche Vorlagen für flämische Kupferstecher- und Verlegerkollegen, die ihrerseits aus religiösen und merkantilen Beweggründen an den Main gekommen waren. Ziel des Dissertationsprojekts ist das Verorten des Künstlers im Spektrum seiner druckgraphischen Produktion in Frankfurt um 1600, in dessen Zusammenhang das dortige Wirken des flämischen Künstlernetzwerks analysiert und die Produktionsweisen der Zeit, auch im kulturellen Austausch mit den flämischen Handelsmetropolen, untersucht werden sollen.

Kontakt: nadinekeul@web.de


Stefanie Kleppisius

Empire at Home. Die Antikenrezeption Lawrence Alma-Tademas als Spiegelung des British Empire

Gegenstand dieses Dissertationsprojektes ist die Verbindung zwischen der Antikenrezeption des britisch-niederländischen Malers Lawrence Alma-Tademas und dem (Selbst-)Bild des Britischen Empires im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Auf den ersten Blick betrachtet erscheinen die Werke von Lawrence Alma-Tadema starke Bezüge zwischen dem überwiegend dargestellten antiken Römischen Imperium und dem Viktorianischen England zu besitzen. Alma-Tademas Antikenrezeption kann somit primär betrachtet als eine Reflexion der Strukturen des British Empire angesprochen werden. So orientieren sich die Antikensujets stark an zeitgenössischen Fotografien und Zeugnissen, wodurch eine motivische Verwandtschaft und Ähnlichkeit zwischen dem antiken Motiv und dem zeitgenössischen Geschehen suggeriert wird. Diese Analogie zwischen Alma-Tademas Antikensujets und dem Britischen Imperium, wird von der Forschung jedoch zu sehr als gegeben betrachtet und es erfolgt keine grundlegende Hinterfragung und Tiefenanalyse. Daher ist es Ziel dieses Dissertationsprojektes eine über die Motivik hinausgehende tiefgreifende interdisziplinäre Forschung und Analyse des Themas darzulegen. Wobei das Hauptaugenmerk schließlich auf der Frage nach der Wechselwirkung zwischen Alma-Tademas Antikenrezeption und deren Kontextualisierung innerhalb der britischen Archäologie und Politik im ausgehenden 19. Jahrhundert liegt, der Epoche das Great Game und dem Höhepunkt des Kolonialismus. Hierbei wird im Besonderen eine Untersuchung hinsichtlich der Ursachen bzw. kulturellen, sozialen, gesellschaftlichen und politischen Hintergründen erfolgen, welche zu dieser Rückbesinnung auf die Antike und der Vorliebe für diese als Bildmotiv führten. Dabei spielen sowohl orientalische Fantasien, als auch im Besonderen die Kolonialpolitik jener Epoche, welche ersteres bedingte, eine Rolle. Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird sich daher mit der Aneignungs- und Realpolitik Großbritanniens sowie dessen archäologischer Bestrebungen im Kontext seines kolonialen Projektes beschäftigen. Hierbei soll eine kritische Hinterfragung und Aufzeigung der britischen Kolonialpolitik des ausgehenden 19. Jahrhunderts erfolgen und mit den von Alma-Tadema dargestellten antiken Kulturräumen verglichen werden. Diese Sehnsucht nach dem „Fremden“ ist ein weiterer zu untersuchender Aspekt, bei welchem im Besonderen die Mantelung europäischer Antike in Orientale Phantasien interessant ist und nach Ursachen dafür hinterfragt werden muss. In Zusammenhang mit der Aneignungs-, Real- und Kolonialpolitik des British Empires muss zudem der Frage nachgegangen werden in welchem Umfang sich aus den Bildern Alma-Tademas die Einbeziehung der zeitgenössischen archäologischen Forschung und deren Befunde ableiten lassen.

Kontakt: stefanie-kleppisius@web.de

 

Sophie Annette Kranen

Reisen in der historischen Topographie des östlichen Mittelmeerraums um 1700 (abgeschlossen 2018)

Das Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit Zeichnungen, Druckgraphiken, handschriftlichen Aufzeichnungen und illustrierten Reiseberichten europäischer Künstler, die im 17. und frühen 18. Jahrhundert den östlichen Mittelmeerraum bereisten. Diese Bildproduktion umfasst vielfältige Perspektiven auf die dort verorteten historischen Monumente und Narrative, deren Kenntnis durch Bildtraditionen und durch Texte wie etwa antike Überlieferungen, biblische Historie und frühere Reiseberichte geprägt sind. Zugleich setzen die Reisenden sich selbst, wie auch diese historischen Aspekte in ein Verhältnis zu den zeitgenössischen Bewohnern, Städten und Landschaften, auf die sie im osmanischen Reich treffen. Ihre künstlerischen Arbeiten verhandeln daher die Begegnung mit dem ‚Anderen‘ in verschiedenen historischen Schichtungen und Konstellationen und bilden einen Untersuchungsgegenstand, der es erfordert, visuelle Konstruktionen von Differenz in ihrer Mehrpoligkeit, ihren Verschiebungen, Überschreibungen und Dynamiken zu analysieren. Anhand von Fallstudien arbeitet das Projekt heraus, welche Wechselwirkungen zwischen Reisen und künstlerischer Praxis in den Texten und Bildern der Reisenden sichtbar werden. Das leitende Interesse an den künstlerischen Reflexen von Alteritätserfahrung und kulturellen Austauschprozessen geht dabei insbesondere zwei Fragen und ihrem Zusammenspiel nach: Inwiefern sind diese Erfahrungen bzw. Prozesse vom östlichen Mittelmeerraum als multiethnischer und -religiöser, von Handel und Seefahrt geprägter Kontaktzone bestimmt? Und wie wird dem Reisen durch die Bezugnahme auf Monumente, Kunstwerke und Überlieferungen verschiedener Zeitschichten eine historisch dimensionierte Alteritätserfahrung eingeschrieben?

Kontakt: s.a.kranen@fu-berlin.de


Natalie Kreisz

„Bilderverbot“ im demokratischen Nachkriegsdeutschland? Entstehung und Rezeption von Otto Herrmanns Antikriegszyklus Die Verdammten

Herrmanns lithografischer Zyklus Die Verdammten, entstanden ab 1948, zeigt in sechzig drastischen Szenen in schwarz-weiß: Erschießungen, Gehenkte, ausgemergelte, wahnsinnige Soldaten und Gefangene; panisch Fliehende, Siechende in düsteren Lazaretten – Szenen in öder, leerer Winterlandschaft oder dunklen Bunkern – klägliches Zugrunderichten und Zugrundegehen. Die Darstellungen von Grausamkeit und Entmenschlichung kulminieren in kannibalischen Motiven, in denen ein Soldat einem anderen das Hirn aus dem Schädel frisst.

Am Beispiel dieses Zyklus, der 1950 zum ersten Mal ausgestellt wurde und kurze Zeit für Furore sorgte, bald darauf aber im Archiv verschwand, soll untersucht werden, inwiefern von einem „Bilderverbot“ oder einer „Marginalisierung“ von gesellschaftskritischer, in diesem Fall kriegskritischer Kunst in der deutschen Demokratie der Nachkriegszeit (1945 -1955) gesprochen werden kann. Es geht dabei um die Frage, inwiefern verschiedene künstlerische, kunsthistorische, politische und ideologische Diskurse im Zusammenspiel dazu führten, dass Künstler wie Otto Herrmann (1899 - 1995), der bereits während der NS-Diktatur Repressionen und Ausstellungsverbot erlebt hatte und der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner Kunst kritisch mit der unmittelbaren Vergangenheit und der Nachkriegsgesellschaft auseinandersetzte, in den 1950er Jahren erneut aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwanden.

Kontakt: n.kreisz[at]gmx.net

 

Christian Liclair

Emancipatory Reimaginations of Sexual Desire in US-American Art of the 1970s (abgeschlossen 2020)

Die Dissertation beschäftigt sich mit Arbeiten US-amerikanischer Künstler_innen, die während der 1970er und 80er Jahre homoerotisches Begehren künstlerisch verhandelten, visualisierten und hierüber subalterne Subjektpositionen innerhalb einer heteronormierenden Gesellschaftsordnung konstruierten. ‚Begehren‘ dient dabei als eine heuristische Kategorie, die einen systematischen Zugang zu dieser Kunstproduktion und ihrem historischen Kontext erschließen soll. Dieser methodische Ansatz erlaubt eine Analyse homoerotisch konnotierter Kunstwerke (von Künstler_innen wie Robert Mapplethorpe, Peter Hujar, Tee Corine, David Wojnarowicz und anderen), welche weniger nach einem homosexuellen Erkenntnissubjekt oder einer distinkten ‚gay sensibility’ fragt, sondern über die Operationalisierung des Begehrens als produktive Formationsebene ein Instrument bereitstellt, eine bisweilen disparat verhandelte Kunstproduktion zielgerichtet zu erfassen und innerhalb ihres gesellschaftspolitischen Kontexts einzuordnen, um Interventionen in (hetero-)normative Ordnungen kritisch untersuchen zu können. Einen zentralen Bezugspunkt bildet dabei die Frage, in welcher Weise das plötzliche Auftreten von AIDS Anfang der 1980er Jahre und die damit verbundenen (gesellschaftlichen) Bedeutungszuschreibung der Immunschwäche als Resultat eines ‚schwulen Lifestyles’ die Möglichkeiten künstlerischer (Selbst-)Darstellungen homosexuellen Begehrens bzw. queerer Identitäten im visuellen Feld beeinflusste.

Kontakt: liclair@zedat.fu-berlin.de


Philip Nöding

Die Monatsbilder im Adlerturm Trient

Im Fokus des vorliegenden Promotionsprojekts stehen die Monatsbilder im Adlerturm von Trient, die im späten 14.Jahrhundert vom Bischof Georg III. von Liechtenstein in Auftrag gegeben wurden. Die heute noch gut erhaltenden Monatsbilder sind für die oberitalienische Malerei und insbesondere für das Trentino eine wichtige figurative Inkunabel des agrarökonomischen und gesellschaftspolitischen Lebens des spätmittelalterlichen Trients. In einem bildlichen Narrativ wird der Zeitvertreib des Adels, die Tätigkeiten der Bauern, die Veränderungen der Landschaft innerhalb eines Jahres sowie die Veranschaulichung von landwirtschaftlichen Verhältnissen detailliert dargestellt.
 
Monatsbildern waren zunächst seitenfüllende Motive in Andachtsbüchern und zur kontemplativen Lektüre durch eine einzelne Person gedacht. Anhand der Darstellungen im Adlerturm werden die Monatsbilder in einen profanen Kontext übersetzt und finden ihre Funktion als wandfüllendes Format für einen repräsentativen Privatraum wieder. Das Ziel des vorliegenden Promotionsvorhaben ist es, die Landschaftsdarstellungen in den Monatsbildern besonders in Bezug auf die Bedeutung der frühen Landschaftsmalerei zu untersuchen. Des Weiteren soll anhand des Freskenzyklus die Tradition von Monatsbildern und dabei insbesondere die Relation sowie der mediale Wechsel vom Stundenbuch zur Wandmalerei betrachtet werden.

 Kontakt: philip.noeding@mailbox.org


Cornelia Riebe

Bilder auf Kupfer zur Zeit der Spanischen Niederlande (Arbeitstitel)

Im Zuge der Gegenreformation und Katholisierung Lateinamerikas findet um 1600 in Spanien ein beachtlicher Anstieg in der Konsumierung von Bildern statt. Kirchliche Institutionen, wohlhabende Bürger und niederer Adel bilden eine neue Konsumentenschicht, deren Kaufkraft und Beziehungen geringer waren und daher nach preisgünstiger Kunst verlangte. So entwickelte sich in Spanien eine besonders starke Nachfrage nach kleinformatigen Reproduktionen, die von Antwerpener Malern nach den Vorbildern flämischer Meister - Rubens, van Dyck, Jordaens etc. – auf unterschiedlichste Weise kopiert und adaptiert wurden. Bevorzugter Bildgrund waren hier, neben Holz und Leinwand, Kupferplatten, die eine Parallelindustrie zur Druckgraphik auslösten.

Im Zentrum meines Dissertationsvorhabens stehen somit flämische Reproduktionsmaler, deren Werkstätten gezielt für den spanischen und lateinamerikanischen Markt arbeiteten. Als sog. „Künstler zweiter Reihe“, die sich an Stichen orientierten und deren Qualität oft als epigonenhaft abgetan wurden, rückt die Auseinandersetzung mit ihren Vorbildern, die eklektizistische Kreativität im Umgang mit Motiven und Malweisen in den Fokus. So werden neben der Funktion des Kupfergrundes formale Fragen nach einer Neubewertung ihrer künstlerischen Qualität, die inhaltlichen Be- und Umdeutung der Vorbilder sowie ihre Bezeichnung als „Kopie“ verhandelt. Nicht zuletzt bildeten die Kupfertafeln auch ein Referenzsystem für die spanischen Künstler. In Bezug auf Rubens schreibt Simon E. Vosters: „… die Ankunft Rubens in Spanien wurde nicht hispanisiert. Spanien durchlebte seinen Einfluss nicht durch die Originale, sondern durch die Kupferbilder, die in Übereinstimmung mit ihnen standen“. Lag das Augenmerk der Forschung bisher ausschließlich auf dem Einfluss der Druckgraphik in Spanien, so sollen hier die spanische Rezeption der Kupferbilder untersucht werden.

Kontakt: corneliariebe@web.de


Laura Margrit Ritter

Rezeption und Innovation. Drei Gemälde des 16. Jahrhunderts nach Hieronymus Bosch (abgeschlossen 2021)

Gegenstand des Promotionsprojekts sind die unterschiedlichen Mechanismen zur Visualisierung des ‚Bösen’ in den Werken der Nachfolge Hieronymus Boschs (ca. 1450-1516). Nachdem der Name Bosch bereits kurz nach dem Tod des Künstlers zum markenhaften Synonym für die Darstellung des ‚Bösen’ geworden war, erfuhren seine Bilderfindungen und insbesondere seine Diablerien in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine intensive Rezeption in den Werken seiner Nachfolger. Die etwa gleichzeitige Entstehung des Kunstmarktes in den Niederlanden und das Aufkommen einer neuen Klasse bürgerlicher Kunstkonsument_innen begünstigten die Produktion einer Vielzahl kleiner Kabinettbilder, die der Ausgangsthese zufolge maßgeblich an der Verbreitung und Popularisierung von Boschs visuellem Vokabular beteiligt waren. Allen voran war es Pieter Bruegel der Ältere (ca. 1525-1569), der ab den 1550er Jahren in formaler Hinsicht auf die mit Bosch assoziierten Diablerien zurückgriff. Bei aller motivischen Kohärenz gelang es Bruegel jedoch, Boschs Kunst nicht einfach zu imitieren, sondern ihre spezifischen piktoralen Prinzipien für aktualisierte, kontextbezogene Verbildlichungsformen des ‚Bösen’ zu adaptieren.
Die Dissertation wird sowohl die großen formalen Ähnlichkeiten als auch die inhaltlichen Divergenzen der Œuvres der beiden Künstler auf einer breiteren Ebene thematisieren. Das ‚Böse’ wird dabei im Sinne einer heuristischen Kategorie als kulturbedingtes Konzept verstanden, dessen konkrete inhaltliche Determinierung sich aus den jeweils hegemonialen Diskursen einer Gesellschaft ableitet. Anhand der erstmaligen kulturhistorischen Aufarbeitung des spezifischen künstlerischen Produktionsfeldes der Bosch-Nachfolge wird eine strukturierte Analyse der reziproken Wirkungsweisen von Bildern, Texten und sozialen Praktiken in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts erfolgen. Vorrangiges Ziel ist es zu klären, welchen konzeptuellen Wandel das ‚Böse’ in den knapp fünfzig Jahren zwischen Bosch und Bruegel erfahren hat und inwiefern die damit verbundenen Veränderungen in seiner Visualisierung von den Künstlern der Bosch-Nachfolge ausgelöst bzw. transportiert wurden.

Kontakt: laura_ritter@gmx.net

 

Juliane Rückert

Die Wassermotive in Jacob van Ruisdaels Landschaftsdarstellungen. Eine Analyse des Wassers als kulturhistorischer Bedeutungsträger und ästhetisches Ideal in der niederländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts am Beispiel Jacob van Ruisdaels (abgeschlossen 2016)

Die „hydrographische“ Beschaffenheit der Niederlande prägt die Entwicklung ihrer Kultur und Wirtschaft. Vor allem im Prozess der Identitätsbildung der jungen Republik im 17. Jahrhundert spielt das Wasser eine vielseitige Rolle. Die ambivalente Einstellung zu diesem Element versperrt jedoch eine auf das Wasser bezogene identitätsstiftende Symbolik zu dieser Zeit. So wird beispielsweise das Meer, auf dem der niederländische Wohlstand durch Seehandel und Fischfang aufbaut, ebenso als feindlich wahrgenommen, da Sturmfluten eine stete Gefahr darstellen. Am Beispiel der Landschaftsmalerei Jacob van Ruisdaels (1628/29-1682), die eine klare Fokussierung auf Wasserelemente aufweist, soll im Rahmen meiner Dissertation die Darstellung der charakteristischen, niederländischen Beziehung zum Wasser untersucht werden. So weisen die Wassermotive in Ruisdaels Oeuvre deutliche kulturhistorische, politische wie wirtschaftliche Bezüge auf, anhand derer sich Aussagen zur Einstellung des Menschen gegenüber der Natur treffen lassen. Zudem vermitteln sowohl die identitätsstiftende Funktion der Landschaftsmalerei als auch Ruisdaels künstlerische Sichtweise auf die Naturgewalt Wasser einen Eindruck davon, wie sich das Verhältnis des Menschen zum Wasser fassen ließ.

Kontakt: juliane_ruckert@gmx.de

 

Marie-Luise von Wild

Inszenierung des Weiblichen in der britischen Porträtzeichnung: Der Rötel im 18. Jahrhundert

In der geplanten Forschungsarbeit wird der Blick auf die Nutzung des Rötels innerhalb der britischen Porträtzeichnung gerichtet, einer Gattung, die mit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und dem folgenden 18. Jahrhundert abseits der großen Kunstzentren in Frankreich und Italien eine eigene und noch sehr junge, britische Tradition entstehen lässt. Unter dem Aspekt der Weiblichkeitsinszenierung werden ausgewählte Zeichnungen der Künstler Jonathan Richardson (1665-1745), William Hoare of Bath (1707-1792) und Allan Ramsay (1713–1784) näher betrachtet, die ihre umfangreiche Zeichentätigkeit und ihre Einstellung zur Zeichnung als unabdingbar innerhalb des eigenen Werkprozesses, aber ebenso als davon unabhängiges Mittel zu Ausdruck und (Selbst-) Darstellung vereint. Während zur gleichen Zeit in Frankreich durch den Rötel – entweder in reiner Form oder in der beliebten Kombination aux trois crayons – die sinnliche und erotische Seite der Weiblichkeit verherrlicht wird (Roger-Marx 1964), steht in Großbritannien die Darstellung eines Individuums innerhalb der Gattung des Porträts im Fokus. Augenmerk wird demnach auf eine Art der Inszenierung gerichtet, die nicht auf die Repräsentation der ‚Frau als Objekt des männlichen Begehrens und den weiblichen Körper als Ort der Schönheit‘ (Bronfen 1995, S. 428) abzielt, sondern innerhalb der intimen Bildniszeichnung zu finden ist (The Intimate Portrait 2008).
Ziel der Dissertation ist es, die unterschiedlichen Varianten der Weiblichkeitsinszenierung durch den Rötel anhand von ausgewählten Zeichnungen dieser drei Künstler zu analysieren und die Technik im Hinblick auf eine ‚Effeminierung des künstlerischen Mediums‘ (Suthor 2004) hin zu betrachten. Während Hoare und Ramsay dieses Potential des Rötels innerhalb der Wiedergabe des weiblichen Antlitzes unter Beweis stellen, ist es indes bei Richardson ausschließlich im Männerbildnis zu finden. Die Frage ist nun, ob die Nutzung des Rötels in Abgrenzung zu den dunklen Zeichenstiften - vor allem der schwarzen Kreide - eine geschlechterspezifische Komponente aufweist und ob in den Zeichnungen der oben erwähnten Künstler ein gewisses Bewusstsein dafür sichtbar wird.

Kontakt: mariewild@zedat.fu-berlin.de

 

 

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