Prof. Dr. Wolfram Manzenreiter (Universität Wien) "Diaspora ohne Heimat: Der Einfluss der Rückkehrmigration auf Japanische Auswanderergemeinden in Südamerika“

 

Prof. Dr. Wolfram Manzenreiter
Universität Wien

 

"Diaspora ohne Heimat: Der Einfluss der Rückkehrmigration auf Japanische Auswanderergemeinden in Südamerika“

 

7. Mai 2012

Mehr als 2,5 Millionen Menschen in Südamerika gelten heute als Nachkommen japanischer Auswanderer (Nikkei). Die Geschichte ihrer Vorfahren ist relativ gut bekannt, zumal in jüngerer Vergangenheit das Phänomen der Rückkehrmigration nach Japan zu erneutem Interesse an den Diasporen und der wechselhaften Bedeutung von Nationalität, Ethnizität und Staatsbürgerschaft geführt hat. Die spezifischen Erfahrungen der Nikkei in der Fremde bergen das Potenzial, sich erneut mit der Bedeutung des Diasporakonzepts auseinanderzusetzen. Die Rückkehr der Nikkei hat nicht die von James Clifford (1994) postulierte Negation der Diaspora mit sich gebracht; stattdessen scheint sie die Erfahrung der Entwurzelung und Dislokation potenziell zu verstärken. Aufbauend auf meiner Feldforschung in Argentinien, Bolivien, Japan und Paraguay spreche ich angesichts der doppelten Zurückweisung und Erfahrung der Fremdheit von der quadrierten Diaspora, in der die Bedeutung und kontrastive Zuordnung von Heimat und Gastland selber fragwürdig und fluktuierend erscheinen.

zur Person:
Wolfram Manzenreiter ist Ao. Professor am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien. Im Rahmen seines Forschungsschwerpunkts zur modernen japanischen Gesellschaft setzt er sich mit sozialen und kulturellen Aspekten der Globalisierung auseinander, vor allem in Sport und Körperkultur, nun auch im Kontext der Migration.