Obinger

 

Julia Obinger, M.A.
Universität Zürich

 

„Lifestyle-Produktion als Aktivismus?
Zur Re-Definition von politischem Engagement in Japan“

 

4. Juni 2012

Insbesondere seit der Katastrophe vom 11.03.2011 und den anschliessenden Demonstrationen befassen sich viele populäre und wissenschaftliche Beobachter verstärkt mit Fragen nach der japanischen Zivilgesellschaft und politischen Partizipationsformen. Zuvor wurde die japanische Bevölkerung generell als wenig politisch engagiert beschrieben, und eine „Protestkultur“ schien es – seit den ANPO-Unruhen – überhaupt nicht mehr zu geben. Die japanische Zivilgesellschaft hingegen gilt als vielfältig, jedoch wenig einflussreich im politischen Entscheidungsfindungsprozess. Oftmals werden dabei besonders jüngere Japaner für Ihr politisches und soziales Desinteresse kritisiert, was an geringer Wahlbeteiligung und niedrigen Beteiligungsraten bei Institutionen der Zivilgesellschaft festgemacht wird. In diesem Kontext stelle ich zur Diskussion, dass sich auch in Japan „neue“ Formen des Engagements auf „grass root“-Ebene herausbilden. Diese sind mit bestehenden Definitionsansätzen schwer zu erfassen, da sie außerhalb der bekannten Strukturen und Institutionen stattfinden. Vielmehr betreffen diese „neuen“ Formen die alltägliche Lebensgestaltung, wo kultureller Ausdruck und Unternehmertum mit politischem und sozialem Aktivismus verschwimmen. Anhand einiger Fallbeispiele aus Tokyo möchte ich im Rahmen dieses Vortrags die Notwendigkeit für eine Definitionserweiterung des politischen Engagements sowie Potential und Grenzen dieser „neuen“ Formen kritisch diskutieren.

 zur Person:

Julia Obinger, Jahrgang 1980; 2007 Magister in Japanologie, Sinologie (NF) und Rechtswissenschaften (NF) an der LMU in München; zwischen 2007 und 2010 Recruiterin in einer int. Unternehmensberatung; seit März 2008 Doktorandin an der LMU München bei Prof. Dr. Evelyn Schulz mit Forschungsaufenthalten in Osaka und Tokyo; 2008-2010 Mitglied im Global Center of Excellence  “Reinventing Cities for Cultural Creativity and Social Inclusion” an der Osaka City University; seit 2011 wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl Prof. Dr. David Chiavacci; Diverse Publikationen zu „Working Poor“ und „Obdachlosigkeit“ in Japan.