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Geschichte an der FU

Die Fachrichtung Kunstgeschichte Südasiens an der FU

Die Fachrichtung Kunstgeschichte Südasiens wurde an der Freien Universität Berlin offiziell am 2. Juni 1965 auf einer Sitzung der Philosophischen Fakultät unter der Bezeichnung "Indische Kunstgeschichte" eingeführt. Der damalige Direktor des Instituts für Kunstgeschichte der Freien Universität brachte in dieser Sitzung auf Anraten von Prof. Dr. Herbert Härtel, dem Begründer und langjährigen Direktor des Museums für Indische Kunst (seit 1963 durch seine Initiative ein eigenständiges Museum), den Antrag ein, „das Fach Indische Kunstgeschichte mit dem Fach Indologie“ zu verbinden. Den ersten Lehrauftrag im Fach "Indische Kunstgeschichte" hatte Härtel schon im WS 1959/60 übernommen, zu dieser Zeit aber noch im Rahmen des Instituts für Allgemeine Kunstgeschichte. Härtel drängte dann schon bald auf eine Verbindung mit der Indologie anstelle der Allgemeinen Kunstgeschichte, da ein Student der "Indischen Kunstgeschichte" in der Lage sein muss, „indische Quellen, seien es Texte oder Inschriften, zu erschließen“ (a.a.O., S. 151). Seitdem diese Verbindung 1965 protokollarisch fixiert wurde, lehrte und prüfte Härtel in der Fachrichtung "Indische Kunstgeschichte" als Honorarprofessor. Auch nach der Einrichtung der Professur für "Indische Kunstgeschichte" an der Freien Universität im Jahr 1974 war er als Honorarprofessor bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1986 und darüber hinaus tätig. Sein größter wissenschaftlicher Verdienst liegt in der Organisation der Ausgrabungen in Sonkh in der Nähe von Mathura und der exzellenten Veröffentlichung der Ausgrabungsergebnisse.

Der erste hauptamtliche Professor für "Indische Kunstgeschichte" wurde in Berlin am 1.1.1974 berufen. Prof. Dr. Adalbert J. Gail lehrte bis zum Sommersemester 2006 am Institut für Indische Philologie und Kunstgeschichte die "Indische Kunstgeschichte". Er wurde im Hauptfach Indische Philologie an der Maximilian-Ludwig-Universität München promoviert. Einen sanskrit-philologischen Schwerpunkt hatten bereits die Professoren Härtel und Klaus Bruhn. Bruhn war von 1969 bis 1991 Ordinarius für Indische Philologie an der Freien Universität und schrieb seine Habilitationsschrift über die Jaina-Tempel von Deogarh (Leiden 1969), einem Thema im Bereich des Fachs "Indische Kunstgeschichte". Im Rhythmus von 3 bis 4 Jahren bietet Bruhn bis heute immer wieder Lehrveranstaltungen zur Jaina-Ikonographie an.

Die Schwerpunkte in der Lehre und Forschung im Fach lagen zwischen 1974 und 2006, dem Jahr der Pensionierung von Gail, in der buddhistischen und hinduistischen Ikonographie und Architektur. Gelegentlich führte Gail Lehrver­anstaltungen zur indo-islamischen Kunst, speziell der Miniaturmalerei unter den Moghul-Kaisern durch. Seine Forschungstätigkeit kulminierte in der langjährigen Mitarbeit im Nepal-German Research Project, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Aus dieser Forschung resultiert die Veröffentlichung von drei Büchern (Tempel in Nepal I/II und Klöster in Nepal). Weitere Forschungsprojekte führten A.J. Gail nach Orissa und Bangladesh.  Zu Studienzwecken bereiste er mit Studenten mehrfach Indien, aber auch Nepal und Sri Lanka. Die von ihm organisierten drei- bis vierwöchigen „Indien“-Exkursionen, an denen im Durchschnitt jeweils 10 Studenten teilnahmen, fanden in den Jahren 1979/1980, 1987, 1991, 1994, 1997, 2002, 2005 und 2006  statt.

Die Lehrtätigkeit von Gail wurde nicht nur durch die von Härtel im Museum für Indische Kunst abgehaltenen Veranstaltungen und die turnusmäßigen Vorlesungen von Bruhn ergänzt, sondern auch durch die langjährige Lehrtätigkeit von Dr. Gourishwar Bhattacharya (Lehraufträge seit seiner Pensionierung im Museum für Indische Kunst 1989 bis heute), sowie durch die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Joachim K. Bautze (1985-1990), Gerd J.R. Mevissen (1990-95), Martina Stoye (1995-1998) und Falk Reitz (1999-2006). Während Battacharya ein international sehr bekannter Experte für Inschriften und die Kunst Bengalens ist, spezialisierten sich die Wissenschaftlichen Mitarbeiter während ihrer zeitlich begrenzten Tätigkeit am Institut wie folgt: Dr. habil. Bautze auf Miniatur- und Wandmalerei in Rajasthan, Dipl.-Ing. Mevissen, M.A., auf Chola-Tempelarchitektur in Tamil Nadu, Stoye, M.A., auf Kunst aus der Gandhara-Region und Dr. Reitz auf Sakralbauten in Kerala. Die vier Wissenschaftlichen Mitarbeiter haben sich inzwischen fachlich selbst etabliert. Bautze leitete z.B. für 12 Jahre die Abteilung Kunstgeschichte Südasiens am SAI der Universität Heidelberg und war von 2002 bis 2005 als Gastprofessor am Department of Image Culture an der Wako University in Japan tätig.

Im Hauptfach Indische Kunstgeschichte haben bisher 25 Absolventen ihr Universitätsstudium abgeschlossen (10 als Dr. phil., 15 als M.A.). Die Fachrichtung Kunstgeschichte Südasiens pflegt weit reichende internationale Kontakte. Pro Semester werden im Schnitt ein bis zwei Gastredner aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesh bzw. Sri Lanka oder von anderen europäischen, amerikanischen und asiatischen Universitäten eingeladen, an denen das Fach Kunstgeschichte Südasiens vertreten ist. Die Institutszeitschrift Berliner Indologische Studien ist auch Organ der Fachrichtung Kunstgeschichte Südasiens.

von Falk Reitz

  • Stand 19.10.2006, dieser Text ist eine aktualisierte Version des Artikels 'Fachrichtung Indische Kunstgeschichte', in: Indien an Berliner Hochschulen - Indian Studies in Berlin, Hrsg.: Das Präsidium der Freien Universität Berlin, Abteilung Außenangelegenheiten, Berlin 2003: 8-9 des gleichen Autors.

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