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Johannes Fichard

Johannes Fichard

1.1. Name, Tätigkeiten und Positionen

Johannes Fichard

Jurist (Dr.), Stadtadvokat; geadelt, Aufstieg ins Patriziat; röm.-kath.; verh.

1.2. Geburts- und Todesjahr und -ort

* 23. 06. 1512 Frankfurt/M.

† 07. 06. 1581 ebd.

1.3. Herkunft, Lebensbeschreibung, Konfession

Vater Protonotarius iudicii in Frankfurt; Unterricht in der öfftl. Lateinschule bis zum Alter v. elf Jahren (1523), dann Unterricht beim Vater; 1524 Unterricht bei Johann Espach an St. Leonhard; 1525 Unterricht in einem Saiteninstrument; 1526 Unterricht in Straßburg bei Jakob Micyllus; 1528 Beginn des Jurastudiums in Heidelberg; 1530 schickt ihn der Vater nach Freiburg, um dort bei Zasius zu studieren, zum Studium nach Freiburg ging er zus. mit dem Sohn v. Johann Lotzer, Lotzer gab ihnen einen Empfehlungsbrief an Erasmus mit (Ep. 2306); Winter 1530/31 wg. Pest in Freiburg nach Basel; 1530 Tod des Vaters und dreier Geschwister; 1531 Antrag auf das Frankfurter Stipendium, nach dem positiven Bescheid lehnt JF es 1532 ab; 1531 wieder Studium in Freiburg (Finanzierung unklar); 1532 Dr.-Promotion, dann Anwaltstätigkeit zunächst in Frankfurt, dann in Speyer Warten auf eine freie Stelle am Reichskammergericht; 1533 Assessor iudicialis et Consiliarius (= Advocatus Reipublicae) in Frankfurt; 1536 ging er an den Kaiserhof mit einem Empfehlungsbrief des Viglius v. Zwichem; 1536 Aufbruch zur Italienreise: Mailand, Rom, Neapel etc., in Padua Studienaufenthalt; 1537 Rückkehr und Stellensuche (Angebote aus Wien, Memmingen, Trier, Padua); 1538 Wiederantritt der früheren Frankfurter Stelle zu besseren Bedingungen, 1539 Heirat ebd. mit der prot. Patriziertochter Elisabeth Grünberger und Bürgerrecht und Aufnahme in die tribus Patriciorum; bis 1542 Geburten dreier Kinder und Tod des jüngsten; 1541 Verleihung des erblichen Adels durch Karl V.; v. Hause aus kath., aber dem Protestantismus zuneigend

1.4. Literatur zur Person

ADB 6 (1877) 757-759 (Stintzing); NDB 5 (1961) 120f. (Heinz F. Friederichs); James Weiss, Johannes Fichardus and the Uses of Humanistic Biography. In: Jean-Claude Margolin (ed.), Acta Conventus Neo-Latini Turonensis. Troisième Congrès International D’Etudes Néo-Latines, Tours. Université François-Rabelais 6-10 Septembre 1976. (= De Pétrarque à Descartes 38). 2 tomes. Paris 1980. Tom. 1, 263-275; Gerald Strauss, Law, Resistance, and the State. The Opposition to Roman Law in Reformation Germany. Princeton [u.a.] 1986, 76 n 64 (normales Alter bei Dr. iur.-Promotion: frühe Dreißiger); Peter G. Bietenholz/Thomas B. Deutscher (eds.), Contemporaries of Erasmus. A Biographical Register of the Renaissance and Reformation. 3 vols. Toronto/Buffalo/London 1985, 1986, 1987. Vol. 2 (1986) 26f.: 27 (Empfehlungsbriefe); Hagen H[of], Johann Fichard (1512-1581). In: Gerd Kleinheyer/Jan Schröder (Hgg.), unter Mitarbeit v. Erwin Forster, Hagen Hof und Bernhard Pahlmann, Dt. Juristen aus fünf Jahrhunderten. Eine biogr. Einführung in die Gesch. der Rechtswissenschaft. Heidelberg 1989, 89-92 (Lit.); Anton Schindling, Humanismus und städt. Eliten in der Reichsstadt Frankfurt am Main. In: Klaus Malettke/Jürgen Voss (Hgg.), Humanismus und höfisch-städtische Eliten im 15. Jahrhundert/Humanisme et Elites des cours et des villes au XVIe siècle. 23. Deutsch-französisches Historikerkolloquium des Deutschen Historischen Instituts Paris in Verbindung mit dem Fachbereich Geschichtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg 6.-9. April 1987. (= Pariser Hist Studien 27). Bonn 1989, 211-222: 216. 222

2.1. Quelle: benutzte Edition

Descriptio brevis cursus vitae meae Johannis Fichardi, J.U.D. et patris mei. In: Frankfurtisches Archiv f ältere dt Litteratur und Gesch 2 (1812) 1-53, Text 3-53

2.2. Beschreibung der Edition, Bemerkungen

anscheinend vollst.; keine Beschreibung der Hs., keine Nennung der Editionsprinzipien

2.3. Literatur zur Quelle bzw. Edition

Frankfurtisches Archiv (s.o. 2.1.) 1f.; Jancke (2002) 116-118 (Patronage)

2.4. weitere Editionen; Auszüge, Übersetzungen

-

3.1. Abfassungszeit

ca. 1537-42 (so Hg., 2); eine Angabe erst 1569 o. später (Tod des Bruders Caspar, 15)

3.2. AdressatInnen

Nachkommen, eigene Kinder − vermutlich die männlichen, denn aufgrund der lat. Sprache scheiden die wbl. mit hoher Wahrscheinlichkeit aus

3.3. Funktion der Quelle

den Nachkommen Kenntnisse über ihre Vorfahren (einschl. den Autor selbst) verschaffen − denn ein homo urbanus und bonus civis erfreut sich an solchen Biographien o. leidet unter ihrem Fehlen; ausdrückliche Mahnung an „posteros meos“, nicht zu früh zu promovieren und dadurch die Studien- und Lernzeit abzubrechen (22; hier stellt sich der Verf. als neg. Bsp. dar); Dokumentation eines patrizischen Lebenslaufs und Lebensstils, obwohl JF erst nach seiner Heirat ins Patriziat aufgenommen wurde

3.4. Medium (hsl.; gedr.); Überlieferung; Ort der Hs.

hsl.; wohl im Familienkreis rezipiert und überliefert; Ort: Frankfurt/M. UB (Jessen; überprüfen)

4.1. Berichtszeitraum

15. Jh. (Großelterngeneration) -1542

4.2. Sprache

lat.

4.3. Form der Quelle

Ich-Form, Prosa; erst Familiengesch., dann Autobiographie, eingeschoben ist eine Biographie des Vaters und ein Kurz-Reisebericht über die Italienreise (im Text auch Verweis auf ausführlichen Reisebericht)

4.4. Inhalt

Herkunft der Familie und des Familiennamens − Charakteristika: Kinderreichtum o. Zölibat; dann Bildungsgesch. und Berufslebenslauf bis zum Beginn des sesshaften Ehe- und Berufslebens in Frankfurt, eingefügt Biographie des Vaters

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