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Jean Manuel Pauli St.-A.

Freimaurerei und völkische Bewegung in Deutschland vom späten Kaiserreich bis 1935

Als 1935 die deutsche Freimaurerei durch die Nationalsozialisten verboten wurde, waren die meisten Logen bereits inaktiv oder zur Auflösung gedrängt worden. Das Verbot stellte nur noch die rechtliche Absicherung seit 1933 bereits geschaffener Fakten dar und besiegelte das vorübergehende Ende der deutschen Freimaurerei nach knapp 200 Jahren ihres Bestehens. Aufgespalten auf mehrere Großlogen – teils ein Relikt der Kleinstaaterei aus der Zeit vor der Reichsgründung, teils Resultat unterschiedlicher Lehrarten der Freimaurerei – war der traditionsreiche Männerbund ein leichtes Opfer für die neuen Machthaber.

Dem Verbot der fest im Bürgertum verankerten Freimaurerei waren ab 1917 turbulente Jahre der Auseinandersetzung mit radikalen politischen Kräften vorausgegangen. Insbesondere im völkischen Lager war der Antimasonismus, d.h. das gegen Freimaurer(ei) gerichtete, eine Verschwörung unterstellende Ressentiment, weit verbreitet. Die Freimaurerei hatte darauf eher ambivalent reagiert. Zwar bemühte man sich um Abwehr der Angriffe, doch ging dies häufig mit Anbiederungsversuchen an ebenjene Kreise einher, aus denen diese Angriffe kamen. Die deutschen Freimaurer bemühten sich allzu oft, den Unterstellungen von Vaterlandsverrat dadurch zu begegnen, dass sie Deutschtum und Nation betont in den Mittelpunkt stellten und sich somit den Positionen deutschnationaler und völkischer Kreise immer weiter annäherten.

Doch wäre es verkürzt anzunehmen, die Politisierung und Radikalisierung weiter Teile der deutschen Freimaurerei in der Zwischenkriegszeit sei nur eine Folge dieser verhängnisvollen Dynamik, die sich aus der Abwehr von Anfeindungen ergab.

Das ideengeschichtliche Dissertationsvorhaben soll entsprechend den Gründen für den freimaurerischen ‚Rechtsruck‘ nachgehen. Der Untersuchungszeitraum setzt im Kaiserreich um die Jahrhundertwende ein, bedingt durch das Auftreten einer organisierten völkischen Rechten, und endet 1935 mit dem offiziellen Verbot der Freimaurerei durch die Nationalsozialisten.

Indem die gegenseitige Rezeption, Aneignung und Vorstellung vom jeweils Anderen zwischen deutscher Freimaurerei und völkischer Bewegung untersucht wird, soll eine klaffende Forschungslücke geschlossen werden, die sich aus zweierlei ergab: einerseits aus dem erst in jüngster Vergangenheit in Frage gestellten freimaurerischen Opfernarrativ nach 1945, andererseits aus der vom Telos des nationalsozialistischen Logenverbots her gedachten bisherigen Forschung zum freimaurerischen ‚Rechtsruck‘.

Curriculum Vitae

  • Seit 2016: Arbeit am Dissertationsvorhaben
  • 2008-2015: Studium des Lehramts an Gymnasien für Englisch und Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
  • 2015 Ablegung des ersten Staatsexamens
  • 2011-2015: Hilfskraft am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der FAU Erlangen-Nürnberg (seit Wintersemester 2012/2013 Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas)
  • 2013-2014: Hilfskraft an der Teilbibliothek Slawistik an der FAU Erlangen-Nürnberg
  • 2012-2014: Hilfskraft am Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte der FAU Erlangen-Nürnberg
  • 2013-2014: Tutor zur Einführungsvorlesung Neueste Geschichte bei Prof. Dr. Georg Seiderer, FAU Erlangen-Nürnberg
  • 2013: Mitarbeit bei der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA)
  • 2011-2012: Mitarbeit an der Organisation der Exkursion nach Kiew im Zuge der Übung „Kiev. Kulturgeschichte einer osteuropäischen Hauptstadt“ (Sommersemester 2012) bei PD Dr. Matthias Stadelmann
  • 2010: Mitarbeit bei der Tagung „Ideas of Order: Narrative Patterns in the Novels of Richard Powers“, FAU Erlangen-Nürnberg

Mitgliedschaften

  • Seit 2015: Verein für die Geschichte der Stadt Nürnberg

Auszeichnungen

  • 2015: Förderpreis des Vereins für die Geschichte der Stadt Nürnberg für die Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen: „Anspruch und Wirklichkeit. Die Nürnberger Freimaurerloge ‚Zu den drei Pfeilen‘ während der Weimarer Republik.“

Veröffentlichungen

  •  „Anspruch und Wirklichkeit. Die Nürnberger Freimaurerloge Zu den drei Pfeilen während der Weimarer Republik“, in: Blätter für fränkische Familienkunde 39 (2016), S. 261-285. [= gekürzte und redigierte Version der Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen].

Kontakt

manuel.pauli[at]gmx.net