Fachbereichs-Gebäude in der Koserstraße

Emmy-Noether-Nachwuchsgruppen

Der Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften ist in besonderem Maße Stolz auf seine erfolgreichen Nachwuchswissenschaftler, u.a. auch im Bereich der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppen. Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft möchte jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen. Promovierte Forscherinnen und Forscher erwerben durch eine in der Regel fünfjährige Förderung die Befähigung zum Hochschullehrer durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe.

Bislang haben sich am Fachbereichs Gecshichts- und Kulturwissenschaften die folgenden Nachwuchsgruoppen angesiedelt:

Kosmos/Ornatus. Ornamente als Erkenntnisformen - Persien und Frankreich um 1400 im Vergleich

Die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe hat das Ziel, im Vergleich einer islamischen und einer christlichen Bildkultur - der persischen und französischen - zu untersuchen, welche Funktion Ornamente haben können. Dabei verfolgt sie die These, daß in beiden Fällen ein einfacher Schmuck-Begriff zu kurz greift, sondern Ornamente vielmehr entsprechend dem griechischen Begriff des "Kosmos" zugleich als Darstellung von Ordnung anzusehen sind. Als solche können sie in diesen Kontexten als ein Modus fungieren, eine göttliche Ordnungsinstanz zu erkennen geben, ohne sie abzubilden.

Der Vergleich zweier Rezeptionslinien dieses Konzepts in den beiden größten monotheistischen Religionen erlaubt es Gemeinsamkeiten und religions- und kulturspezifische Differenzen in der Funktion von Ornamenten als Formen der Welt- und Gotteserkenntnis zu bestimmen.

Kontakt: Vera Beyer, Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin

Die Zukunft in den Sternen: Europäischer Astrofuturismus und außerirdisches Leben im 20. Jahrhundert

Wie haben sich europäische Vorstellungen von Kosmos und außerirdischem Leben parallel zu der voranschreitenden Erschließung des Weltraums verändert? Dieses Forschungsprojekt fragt, wie sich der so genannte Astrofuturismus seit der Etablierung der internationalen Weltraumbewegung Ende der 1920er zu einem Kernbestandteil westlicher Modernität entwickelt hat. Lassen sich dezidiert ‚europäische’ Weltraumimaginationen auch nach dem Zweiten Weltkrieg nachweisen? Wie ist das europäische Paradoxon von umfassender Weltraumbegeisterung bei jahrzehntelanger Raumfahrtabstinenz zu erklären? Und warum verlor die Vorstellung einer unmittelbar bevorstehenden Zukunft in den Sternen ab Mitte der 1970er Jahre an Bedeutung?

In einem kombiniert transdisziplinären und transnationalen Zugriff trägt die Arbeit dieser Emmy Noether-Gruppe dazu bei, ein in Europa bislang nur in bescheidenen Ansätzen existierendes historiographisches Feld zu entwickeln. Damit wird über die Analyse von Verwissenschaftlichungsprozessen an virulente Debatten um die Neubestimmung einer genuin europäischen Zeitgeschichte angeschlossen und ein origineller Beitrag zur Historisierung der Wissensgesellschaft geleistet.

Kontakt: Alexander C.T. Geppert, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin

LiVES. Lebensbedingungen und biologischer Lebensstandard in der Vorgeschichte Südwestasiens und Europas

Nur bei optimaler Nettoernährung kann ein Individuum seine genetisch festgelegte Körperhöhe auch erreichen. Nettoernährung stellt den Teil der Ernährung dar, der dem Körper zum Aufbau und Erhalt von Körpermasse zur Verfügung steht, nachdem alle Faktoren, die die aufgenommene Energie wieder verbrauchen, abgezogen wurden. Hierzu gehören körperliche Aktivität, die Notwendigkeit, den Körper warm zu halten, oder die Bekämpfung von Krankheiten. Da das Wachstum beim Menschen spätestens mit dem Verschluß der letzten Epiphysenfugen mit ca. Anfang 20 endet, spiegelt die erreichte Körperhöhe die Ernährungssituation während der Kindheit und Jugend wider.

Dem Eiweißanteil der Nahrung kommt beim Aufbau von Geweben besondere Bedeutung zu. Die Ursachen der seit der Industrialisierung in den westlichen Industrienationen beobachteten steigenden Durchschnittsgröße dürften daher v. a. in der verbesserten Eiweiß(netto)versorgung zu suchen sein. Dies ist ein Beispiel dafür, wie ausreichend große Stichproben von Körperhöhendaten unter der Bezeichnung „bio-logischer Lebensstandard“ in den Wirtschaftswissenschaften seit den Arbeiten von John Komlos in den 1980er Jahren als Ergänzung oder Ersatz von Wirtschafts- und Wohlstandsindikatoren wie Bruttosozialprodukt etc. verwendet werden.

Ziel der ab September 2011 aus zunächst zwei Doktoranden, einem Statistiker, zwei studentischen Hilfskräften und der Leiterin bestehenden und von der DFG geförderten Nachwuchsgruppe ist die Übertragung dieses Ansatzes in die Prähistorische Archäologie.

Kontakt:Eva Rosenstock, Institut für Präshistorische Archäologie, Freie Universität Berlin

Letzte Aktualisierung: 02.10.2012

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