Vortrag von Prof. Dr. Ursula Frohne (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

15.11.2019 | 18:00 c.t.

im Rahmen des Berliner Graduierten-Symposium für moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte
Medium Matters: Transformationen des Kunstwerks in Moderne und Gegenwart

„Radio-Active Futures“: Radio als Medium minoritärer Kunstpraxen"


Die besondere Qualität der Verflechtungen zwischen dem Medium Radio und kulturellen Praxen in Zeiten politischer Konflikte stehen im Fokus des Beitrags. Eingebettet in die kommunikativen Alltagsprozesse wurde die Sendetechnik des Radios seit jeher mit den utopischen Zielen revolutionärer Bewegungen assoziiert, während sie gleichermaßen konspirativen Taktiken bei der Erzeugung dissidenter Öffentlichkeiten unter den Bedingungen von Zensur und Repression diente. Eine Vielzahl künstlerischer Konzeptionen beziehen sich auf diese heterogene Potenzialität des Radios, indem sie seine kommunikative Reichweite im Kontext emanzipatorischer Prozesse einsetzten. Mit Blick auf beispielhafte Arbeiten – u.a. von Andrea Fazer, Suzanne Lacy, Dan Mihaltianu, Milo Rau und Tamás St. Turba sowie in Rekonstruktion kollaborativer Projekte wie Maurizio Torrealtas und Franco “Bifo” Berardis „Radio Alice“ oder des von Paul McCarthy, John Duncan, Neil Goldstein, Nancy Buchanan und Linda Frye Burnham 1976 in Los Angeles ins Leben gerufenen „Close Radio“ – stehen partizipative und kritische Ansätze zur Diskussion, die in Nutzung der weithin unkontrollierbaren medialen Struktur der Radioübertragung in Zeiten elektronischer Kommunikation keineswegs an politischer Relevanz verloren haben. Mit Gilles Deleuzes and Félix Guattaris Theorie der „minoritären Kunstpraxen“ werden die ästhetischen Adaptionen der Radiotechnologie als eine Mikropolitik der Teilhabe lesbar.

KHI, Hörsaal B, 15.11.2019, 18 Uhr c.t.

Zeit & Ort

15.11.2019 | 18:00 c.t.

KHI, Hörsaal B