Signa und Res - Bildallegorien in der Renaissance (14.-16. Jhdt.)

Institution:

DFG-Forschergruppe 'Topik und Tradition'
Projekt D1

Förderung:
DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
Projektlaufzeit:
01.10.2005 — 15.10.2011

Teilprojekt der DFG-Forschergruppe 'Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts' (FOR 606)

Kurzbeschreibung:

Als umfassende Kulturtechnik des Deutens und zugleich der Bedeutungsproduktion stellt die Allegorie seit mittelalterlicher Zeit eines der maßgeblichen Verfahren zur Autorisierung von Auslegungskompetenz dar. Dem breiten Fundus theologischen, philosophischen und historischen, aber auch politischen und rechtlichen, astrologischen und naturkundlichen Wissens, das sich in die allegorisch geregelte Sinn-Übertragung vom Zeichen (signum) auf die Sache (res) einspeist, wächst in diesem Zuge ein normativer Status und der Geltungsanspruch von Tradition zu. Wie allegorische Texte erweisen sich vor diesem Hintergrund auch und gerade allegorische Bilder als Medien, die der Durchsetzung, Regelung und Festigung von Deutungsautorität und ganz allgemein von Diskursherrschaft dienen. Die ästhetische Struktur und Wirkweise dieser Bildallegorien unterliegt allerdings im 14. bis 16. Jahrhundert einem grundlegenden Umbruch. Seine systematische Erkundung stellt sich das Projekt zur Aufgabe. Im Blickpunkt steht dabei die Frage, inwieweit das für die Allegorie charakteristische Verfahren der ‚uneigentlichen' Darstellung mit dem Umstand in Konflikt gerät, dass sich das gemalte Bild seit dem frühen 14. Jahrhundert immer stärker als mimetische Repräsentation etabliert, und inwieweit dabei ein topisches Inventar an bildlichen Mustern, ikonographischen Codes und Bild-Text-Relationen durch ein wachsendes Potential der Fiktionalisierung und der poietischen Aufladung der Bildallegorie transformiert wird, um auf solche Weise eine neuartige Darstellungshermeneutik mit zugleich ästhetischem wie wirklichkeitsdeutendem Anspruch zu etablieren.

Der historische Rahmen, den sich das Projekt setzt, gliedert sich in drei Schwerpunktbereiche, die auch in systematischer Hinsicht als drei Etappen einer Problemgeschichte anzusehen sind: 1. Monumentale Bildallegorien in den Kommunen des Trecento (Krüger), 2. Die Hermeneutik der Bildallegorie um 1500: Florenz und Venedig (Löhr), 3. Die Allegorie in der Kritik der katholischen Reform (Tarnow).