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Von der Ostsee zum Schwarzen Meer: Migration in der späten Eisenzeit

Prähistorische Archäologie

18.03.2026

Grabungsarbeiten am Grubenhaus.

Grabungsarbeiten am Grubenhaus.
Bildquelle: Projekt

Gegen Ende des 3. Jh. v. Chr. vollzieht sich östlich der Karpaten ein einschneidender Wandel: die Siedlungen der sog. ‚getischen‘ Kultur werden verlassen, und es etabliert sich eine ganz neuartige Kultur mit starken Bezügen nach Nordostdeutschland. Die Forschung geht von einer Migrationsbewegung aus, was bislang anhand von Gräbern untersucht wurde – unser Projekt führt erstmals eine großflächige Siedlungsgrabung durch (Ivancea-Sub Pădure, Republik Moldau). Siedlungen spiegeln den Alltag ihrer Bewohner und sind somit ganz besonders geeignet, kulturelle Dynamiken zu analysieren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Meyer

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Meyer
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Mit dem Bagger wird eine neue Grabungsfläche geöffnet. Im Vordergrund Grabungsarbeiten.

Mit dem Bagger wird eine neue Grabungsfläche geöffnet. Im Vordergrund Grabungsarbeiten.
Bildquelle: Projekt

Eine griechische Amphore auf der Sohle einer Siedlungsgrube.

Eine griechische Amphore auf der Sohle einer Siedlungsgrube.
Bildquelle: Projekt

Wer sind wir?

Das Projekt wird von Anfang an in Kooperation zwischen dem Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität,
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Meyer, und Prof. Dr. Octavian Munteanu vom World History Department der State Pedagogical
University in Chişinău, Moldova durchgeführt. Nach einer längeren Sondierungsphase ab 2014 wird das Projekt seit 2020 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Wie arbeiten wir?

Grundlage unserer Ausgrabung ist eine großflächige geophysikalische Prospektion, die archäologische Strukturen im Boden sichtbar macht und die Auswahl besonders attraktiver Grabungsflächen ermöglicht. Zum ersten Mal kommt in Moldau dabei ein Bagger zum Abtrag des Pflughorizonts zum Einsatz; im Anschluss werden die Befunde und Funde in aller Sorgfalt freigelegt und digital und analog dokumentiert.

Welches Ergebnis ist besonders bedeutsam?

Das Fundmaterial und die Gebäudestrukturen zeigen ein wesentlich vielfältigeres Bild der kulturellen Bezüge als die
Gräber und verweisen jetzt auch auf den Balkanraum sowie das Dnjepr- und Donaugebiet. Überraschend ist der Umfang
griechischer Funde und der Nachweis einschlägiger Ess- und Trinksitten. Die Vorstellung einer linearen Wanderung muss
zugunsten eines wesentlich differenzierteren Modells von Migrationsprozessen, Kulturkontakten und Traditionen
weiterentwickelt werden. 

Was bleibt zu erforschen?

Nach Abschluss der Grabungen steht für uns die Analyse der Befunde und Funde an – unterstützt von naturwissenschaftlichen Laborarbeiten. Das Endergebnis wird ein neues Modell der kulturellen Verhältnisse im Raum östlich der Karpaten vom Ende des 3. bis zum 1. Jh. v. Chr. sein. In unserem Projekt werden wir ein Fußballplatz-großes Areal ausgraben, das zwar nur einen Bruchteil des etwa 5 ha großen Siedlungsplatzes erschließt, aber als repräsentativ gelten kann.

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