Tell Ushayer – Eine früh-eisenzeitliche Festung in Nord-Jordanien
Vorderasiatische Archäologie
12.02.2026
Tell Ushayer am Stadtrand von Irbid. Blick über das nordjorandische Plateau, den Yarmouk- Graben, Golan und Libanon.
Bildquelle: F. Wolter, © Tell Ushayer excavation project
Unser Wissen über die Eisenzeit (1200–ca. 330 v.Chr.) in Nordjordanien stützt sich vor allem auf historische Quellen, die von Machtkämpfen zwischen Aram, Ammon und Israel berichten. Archäologische Ausgrabungen konnten diese Dynamiken bisher nicht umfassend durch materielle Funde belegen. Tell Ushayer westlich von Irbid ist hier besonders, da es alle Phasen der Eisenzeit abdeckt. Gut erhaltene Befestigungen und Siedlungsschichten liefern wichtige Hinweise auf kulturelle Entwicklungen in Zeiten regionaler Umbrüche.
Prof. Dr. Dominik Bonatz
Bildquelle: privat
Nathalie Kallas
Bildquelle: Pascale Kallas
Tophographischer Plan von Tell Ushyaer. Gut erkennbar ist die geplante, kreisrunde Maueranlage, die mit ihren teilweise noch an der Oberfläche sichtbaren Resten an der ergrabenen Stellen eine Tiefe von über 6 m erreichen.
Bildquelle: Vermessung: F. Wolter, Layout: N. Kallas, © Tell Ushayer excavation project.
Eine steinige Sache. Dokumentation des Befestigungssystem in Tell Ushayer.
Bildquelle: Foto: D. Bonatz, abgebildet: G.Tursi Archäologe.
Wer sind wir?
Die Grabung steht unter der Leitung von Prof. Dr. Dominik Bonatz (Institut für Vorderasiatische Archäologie), mit Nathalie Kallas als verantwortliche Feldleiterin. Zahlreiche Studierende aus Berlin und Irbid sind aktiv an der Feldarbeit beteiligt. Ein solches Vorhaben ist nur durch die engagierte Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen und Institutionen möglich. Unterstützt wird das Projekt von der jordanischen Antikenbehörde und der Yarmouk University. Gefördert wurde es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2021–2024) sowie der National Geographic Society (2024–2025).
Wie arbeiten wir?
Das Projekt begann mit einer Voruntersuchung 2018 und einer vielversprechenden geomagnetischen Prospektion 2019. Seitdem fanden vier Grabungskampagnen (2021–2024) statt. Vor Ort dokumentieren wir Befunde und Funde mit einem integrierten analogen und digitalen System, das Feldnotizen mit Geodaten, 3D-Modellen und einer Online-Datenbank verknüpft. Studienkampagnen dienen der genaueren Analyse des Fundmaterials. Im Büro und in der Bibliothek werten wir die Dokumentation aus, um die Besiedlung des Fundorts und seine regionalen und überregionalen Verbindungen besser zu verstehen.
Welches Ergebnis ist besonders bedeutsam?
Am Fundort konnten wir die Überreste eines massiven Befestigungssystems aus der frühen Eisenzeit (1200–1000 v.Chr.) freilegen, dessen Mauern noch über sechs Meter hoch erhalten sind – ein einzigartiger Befund in der Region. Unsere Arbeiten zur Analyse des Mauerzerfalls zeigen, dass die Mauern ursprünglich mindestens zwei Meter höher gewesen sein müssen. Dieses Befestigungssystem entstand im Rahmen eines umfangreichen Bauprojekts, bei dem der Tell aufgeschüttet wurde, um eine erhöhte Stellung zu schaffen, die das umliegende Gebiet kontrollierte.
Was bleibt zu erforschen?
Noch ist unklar, welche Funktion die massiv befestigte Siedlung genau hatte und wer hinter ihrem Bau stand, denn poli-
tisch lenkende Systeme sind für die Zeit der Neugründung der Festung unbekannt. Um diese Fragen zu klären und weiteres Material zu finden, werden wir die Feldarbeit fortführen und auch den inneren Siedlungsbereich gründlich ausgraben.







