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KIŠIB — Digital Corpus of Ancient West Asian Seals and Sealings

Vorderasiatische Archäologie

09.04.2026

Ein gereinigter Tonverschluss, auf dem mehrere Abrollungen eines Siegels sichtbar wurden (Fund aus Fara, Irak, ca. 2500 v.u.Z.).

Ein gereinigter Tonverschluss, auf dem mehrere Abrollungen eines Siegels sichtbar wurden (Fund aus Fara, Irak, ca. 2500 v.u.Z.).
Bildquelle: Foto: A. Otto, LMU München, KIŠIB-Projekt

KIŠIB ist das sumerische Wort für „Siegel“. In Mesopotamien – dem heutigen Irak, Syrien und angrenzenden Ländern – bezeichnete es sowohl Siegelzylinder und -stempel als auch gesiegelte Objekte wie Tontafeln oder Verschlüsse. Bilder, Inschriften und Nutzungskontexte dieser Funde eröffnen Einblicke in die Lebenswelt des 4.–1. Jahrtausends v.u.Z. KIŠIB macht dieses weltweit zerstreute Wissensarchiv auffindbar, vernetzt es und eröffnet Forschung und Öffentlichkeit einen digitalen Zugang.

Prof. Dr. Elisa Roßberger

Prof. Dr. Elisa Roßberger
Bildquelle: Jannis Sterr

Prof. Dr. Adelheid Otto

Prof. Dr. Adelheid Otto
Bildquelle: privat

Netzbild KIŠIB-Projekt

Netzbild KIŠIB-Projekt

Rollsiegel und Siegelabrollungen auf Tontafel-Umschlägen des 3. Jt. v.u.Z. aus dem Museum für Kunst & Gewerbe, Hamburg.

Rollsiegel und Siegelabrollungen auf Tontafel-Umschlägen des 3. Jt. v.u.Z. aus dem Museum für Kunst & Gewerbe, Hamburg.
Bildquelle: Foto: Albert Dietz, KIŠIB-Projekt

Wer sind wir?

KIŠIB ist ein interakademisches Vorhaben unter Leitung von Prof. Dr. Elisa Roßberger (Institut für Vorderasiatische Archäologie FU Berlin) und von Prof. Dr. Adelheid Otto (LMU München). An einer Arbeitsstelle an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) in Berlin und an einer weiteren an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW)/LMU München arbeitet ein interdisziplinäres Team (Archäologie, Altorientalistik, Digital Humanities, IT); die vorgesehene Laufzeit ist 16 Jahren. Zentrale Bedeutung hat der internationale, interdisziplinäre Austausch – mit kuratierenden Institutionen, digitalen Projekten zum alten Westasien, NFDI4Objects sowie besonders mit Fachkolleg*innen in westasiatischen Ländern.

Wie arbeiten wir?

KIŠIB erschließt Siegel und Siegelabrollungen auf Tontafeln und -verschlüssen aus Museen, Sammlungen und Publikationen digital nach FAIR- und LOUD-Prinzipien. Artefakt-, Bild- und Textdaten werden mithilfe maschinellen Lernens, semi-automatischer Workflows und kontrollierter Vokabulare gesammelt, segmentiert und annotiert.

Welches Ergebnis ist besonders bedeutsam?

Ziel ist es, ein kleinteilig vernetztes digitales Korpus von ca. 80.000 Siegeln und Siegelabrollungen aufzubauen. Durch die systematische Auswertung der Darstellungen, Inschriften und Kontexte, in denen sie verwendet wurden, lassen sich soziale und institutionelle Netzwerke rekonstruieren und Einblicke in sich wandelnde Formen von visueller Kommunikation und kulturellem Wissen gewinnen. KIŠIB macht diese Netzwerke erstmals umfassend für die Forschung sowie die außeruniversitäre Öffentlichkeit zugänglich und mit digitalen Strategien erforschbar.

Was bleibt zu erforschen?

Die Fülle an Siegeln und die Komplexität ihrer Bild- und Schriftzeichen bieten einzigartige Einblicke in über 3000 Jahre Kulturgeschichte Westasiens. Wer siegelte was – und in welchem sozialen Kontext (z.B. Recht, Verwaltung, Herrschaft und Religion)? Welche Bedeutungen verbergen die Bildkombinationen? Wie spiegelten sich Hierarchien und soziale Rollen in der Gestaltung personalisierter Siegel? Und wie stiftete Siegelpraxis Vertrauen? Durch die strukturierte Datenerfassung in KIŠIB lassen sich solche Fragen zukünftig systematischer untersuchen.

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