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Grundsätze unserer Zusammenarbeit

Mit diesem Verbundprojekt möchten wir LSBTIQ*-Bewegungen, also die organisierten Kämpfe und Bestrebungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans, intergeschlechtlichen, und queeren Menschen, kritisch erforschen. Wir möchten besser verstehen, inwiefern sie zu Prozessen der gesellschaftlichen und politischen Demokratisierung in Deutschland und Österreich seit 1945 beigetragen haben. Zudem geht es darum, Differenzen zwischen und Ungleichheit innerhalb von LSBTIQ*-Bewegungen aufzeigen.

LSBTIQ*-Themen und -Forschungsperspektiven wurden in der universitären Wissenschaft lange vernachlässigt. Wir sehen es als Stärke, dass LSBTIQ*-Forschung oft von Menschen vorangetrieben wird, die selbst lesbisch, schwul, bi, trans, inter oder queer leben und deren Erfahrungen und Wissen in der Forschung eine wichtige Rolle spielen. Das Projektteam bringt unterschiedliche Erfahrungen in dieses Forschungsprojekt ein: aus Wissenschaft, Archivarbeit, LSBTIQ*-Aktivismus und Kunst. Wir arbeiten dialogisch und Hierarchie-reflektierend mit Methoden, die Beteiligung ermöglichen.

Wir möchten vermeiden, dass LSBTIQ*-Bewegungen nur als Forschungsobjekte fungieren, ohne dass sie davon profitieren. Deshalb versuchen wir unsere Forschungsergebnisse möglichst offen zugänglich im Open Access Format zu veröffentlichen, wie auch in Formaten, die von LSBTIQ*-Bewegungen einfacher nachgenutzt werden können. Darüber hinaus sehen wir uns in der Verantwortung, mit Archivmaterial, das Hinweise auf oder Abbildungen von LSBTIQ*-Personen enthält, verantwortungsvoll umzugehen. Auch im Umgang mit Aktivismus, (Selbst-)Bezeichnungen und Kategorien, die einen historischen Kontext benötigen, agieren wir sensibel, um (erneute) Diskriminierungen durch unsere Forschung und deren Rezeption im Sinne des Selbstverständnisses engagierter, politischer Wissenschaft möglichst zu vermeiden.

Dabei ist für uns ebenso wesentlich, auch innerhalb von LSBTIQ*-Bewegungen existierende Ausschlüsse und Marginalisierungen aufgrund von Rassismus, Antisemitismus, Transfeindlichkeit, Sexismus, ökonomischer Ungleichheit und Ableismus zu erforschen. Unsere Forschung will auch diese Ungleichheiten sichtbar machen und Positionierungen ins Zentrum rücken, die bisher vernachlässigt wurden.

Wir verstehen Forschung als einen kritischen, ergebnisoffenen Prozess, der auch Widersprüche und Machtverhältnisse innerhalb der LSBTIQ*-Bewegungen in den Blick nimmt. Unser Projekt orientiert sich an einer evidenzbasierten, transformativen und demokratisierenden Forschungsperspektive. Dabei arbeiten wir mit akademischen, künstlerischen und aktivistischen Forschungsbegriffen und -methoden.

Wissen entsteht in queeren Bewegungen oft in kollektiver Weise, mit kreativen Methoden und in politischen Auseinandersetzungen. Unsere Zusammenarbeit basiert auf einer diskriminierungssensiblen, solidarischen, kollaborativen und wertschätzenden Herangehensweise und einem respektvollen Umgang miteinander.

Unser Team ist interdisziplinär (aus verschiedenen Fachrichtungen) und unterschiedlich positioniert (mit diversen sozialen Hintergründen). Diese verschiedenen Perspektiven beeinflussen, wie wir forschen. Auch die differenten Qualifikationsstufen und Beschäftigungsdauern bedingen unterschiedliche Verantwortung sowie auch Hierarchien und Ungleichheiten im Projektteam. Wir schaffen bewusst Möglichkeiten, um reflexiv mit Differenzen, Erfahrungsunterschieden und Ungleichheiten in unserem Team umzugehen. Dazu gehört auch die kontinuierliche Reflexion über Kommunikationsstrukturen z.B. im Sinne von Redeverhalten, Positionalität und Erfahrung (auch im Wissenschaftssystem selbst), Zugang zu Ressourcen und Entscheidungsmöglichkeiten.

Es ist uns ein Anliegen, auch innerhalb der beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen ein größeres Bewusstsein für LSBTIQ*-Themen schaffen. In einer Zeit, in der Wissenschaftsfreiheit, Gender Studies und queere Forschung zunehmend durch antidemokratische und rechtsautoritäre Angriffe bedroht werden, möchten wir dazu beitragen, diese Perspektiven und Zugänge institutionell zu stärken. Wir möchten zeigen, wie wichtig sie für eine kritische Analyse von Gesellschaft sowie für ein Verständnis von Prozessen der Demokratisierung sind. Wir verstehen Demokratie daher als etwas, das gewürdigt, verteidigt aber auch stets neu verwirklicht werden muss.

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