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Das Institut für Vorderasiatische Archäologie strebt die Umbenennung des Fachs an der Freien Universität Berlin an

News vom 29.06.2020

„Vorderasiatische Archäologie“, Kolonialismus und Anerkennung von Diversität

 

Der brutale Mord an George Floyd durch die Polizei in Minneapolis, USA, am 25. Mai 2020 löste heftige Reaktionen in vielen Ländern der Welt aus. Der gewaltsame Tod erinnert uns daran, dass das Erbe von Kolonialismus, Sklaverei und Rassismus in modernen Institutionen tief verwurzelt ist. Struktureller Rassismus ist nicht nur in den USA ein Problem. Schwarze Europäer*innen und Migrant*innen sind auch in Deutschland täglich Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Und die derzeitige humanitäre Krise in Westasien hat Europa dadurch beantwortet, dass es aus dem Mittelmeer eine Todeszone machte.

Das „Institut für Vorderasiatische Archäologie“ der Freien Universität und die dort betriebene Wissenschaft sind historisch tief verstrickt in das gegenwärtige Leid, welches in Syrien, Irak und anderen Ländern herrscht. Mit Max von Oppenheim, Walter Andrae, Conrad Preusser, Walter Bachmann und Hans Lührs hat dieses akademische Fach viele Vertreter, die im Ersten Weltkrieg aktiv an kolonialistischen und oftmals gewalttätigen Aktivitäten beteiligt waren. Die damaligen Grenzziehungen sind eine der gewichtigen Ursachen für heutige Kriege in Westasien. Aus der Nazi-Zeit sind mit Julius Jordan, Eckhard Unger oder Alexander Langsdorff rassistische Wissenschaftler bekannt, die die faschistische NS-Ideologie aktiv unterstützten. Auch Anton Moortgat, der Gründer des Instituts für „Vorderasiatische Archäologie“ an der Freien Universität, war Mitglied der NSDAP, und sein Schüler Wolfram Nagel verwendete immer wieder rassistische „Theorien“ in seinen Schriften.

Im Sinne einer auch sprachlichen Absetzung von Eurozentrismus, Kolonialismus und dem damit verbundenen Rassismus wird das Institut für „Vorderasiatische Archäologie“ eine Umbenennung in „Institut für die Archäologie Westasiens“ beantragen. Wir werden zudem daraus die Konsequenz zu ziehen versuchen, in unserer Forschungs- und Lehrpraxis unterrepräsentierte Gruppen zu fördern. Auch werden wir die Inhalte unserer Seminare, und Vorlesungen, aber auch unsere Forschungsfragen auf unterschwellige Narrative struktureller Gewalt hin untersuchen. Die Archäologie Westasiens möchte so für Inklusion und Vielfalt sensibilisieren.

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