Ergebnisse: Zeit der Nutzung durch das sowjetische Militär

Eine Grabung an einem Ort der sowjetischen Besatzung zu Zeiten der DDR ist keine Alltäglichkeit. Wir entdeckten neben komplexen Abwassersystemen einen Einstiegschacht, der aber, weil munitionsverseucht, nicht ganz freigelegt werden konnte. Daneben und etwas tiefer ließen sich Reste der Halbmondlager-Freifläche identifizieren.


Blick in einen Schnitt mit Beton-Einstiegsschacht und Freifläche des Halbmondlagers (Befund 111; Quelle: Ausgrabung FU / Brandenburgisches Landesamt für Denkmalschutz)

 

Funde aus der Sowjetzeit im Bereich des Halbmondlagers beinhalten weit auseinandergehende Kategorien. Panzerketten-Schwungräder, Munition und anderes Kriegsmaterial lassen sich nicht ohne größere Nachforschungen bestimmten Panzertypen zuordnen. „Komponentialität“ der materiellen Welt ist ein Effekt der Industrialisierung, der einer genaueren Auseinandersetzung im Umgang bedarf. Wir fanden ein paar dieser Objekte, die offensichtlich neu galvanisiert, dann aber mit Beton übergossen und weggeworfen worden waren. Hatte man feste Kontingente an Material wie Zement, die am Ende von Haushaltszyklen verbraucht sein mussten, um dieselbe Menge Material weiterhin zu erlangen – wie in Planwirtschaften üblich?

  

Panzerteile (Quelle: Ausgrabung FU / Brandenburgisches Landesamt für Denkmalschutz)

 

Bierflasche; 1950er Jahre Quelle: Ausgrabung FU / Brandenburgisches Landesamt für Denkmalschutz)

  

Bügelverschluss einer Bierflasche; 1950er Jahre Quelle: Ausgrabung FU / Brandenburgisches Landesamt für Denkmalschutz)

  

Auffällig an den anderen Funden aus der sowjetischen Militärzeit zwischen 1945 und 1994 ist, dass Gegenstände, welche mit Nahrung zu tun haben, die genaueste Datierung erlauben (besonders Bierflaschen). Statt der vielleicht zu erwartenden Wodkaflaschen sind diese Belege für den Konsum von lokal hergestellten alkoholischen Getränken auch insofern interessant, als sie Kontakte zum lokalen Wirtschaften bescheinigen, während persönliche Kontakte nach dokumentarischer Evidenz komplett unterbunden wurden. Es mag sich um einen unter der Hand ablaufenden Versorgungsmechanismus mit Alkoholika gehandelt haben.

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