Das Institut

Das Institut für Turkologie der  Freien Universität wurde 1991 gegründet und von Barbara Kellner-Heinkele bis 2007 geführt und aufgebaut. 2007 wurde der Lehrstuhl dann mit Claus Schönig besetzt. Das Institut sieht sich vor allem in der Tradition von Willi Bang, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts an der damaligen Friedrich-Wilhelm-Universität (nach dem Zweiten Weltkrieg in Humboldt-Universität umbenannt) die philologisch-sprachwissenschaftlichen Turkologie gründete.

Die Turkologie ist an Fakten, deren Entstehung, Entwicklung, Veränderung und Geltungsdauer interessiert. Theoretische Modelle sind nur dann von Interesse, wenn sie mit Erfolg und Nutzen zur Beschreibung von Phänomenen und Problemen genutzt werden können. Auf der historischen Ebene ist eine erweiterte Ausbildung für Gegenwart und Neuzeit auf einigen speziellen Gebieten möglich (etwa Mittelasien im 15.-16. Jahrhundert, Geschichtsfälschung als Mittel von Identitätskonstruktionen im 20. Jahrhundert). Die Sprachausbildung ist nicht allein sprachpraktisch orientiert sondern hat auch die Vermittlung von Kompetenz zum wissenschaftlichen Umgang mit Sprache zum Ziel. Das Institut für Turkologie ist KEIN Institut für Osmanistik, Türkeikunde (oder sonstige Regionalwissenschaften), Migrationsforschung, Religionswissenschaft, Sozialwissenschaft etc.  

Studieninhalte und Studienziel

Studienziel am Institut für Turkologie ist die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen über Sprache, Geschichte und Literatur der türksprachigen Völker und Gruppen in Gegenwartund Vergangenheit. Als grundlegendes Kulturwerkzeug des Menschen steht die Sprache, als grammatisches System ebenso wie als Text (Sachtext oder literarischer Text) im Zentrum des Interesses. Um mit Hilfe von Sprache (in welcher Form auch immer) Kultur und Geschichte erschließen zu können, sind Kenntnisse über die Geschichte der türksprachigen Völker ebensonotwendig wie über die Kulturen, denen einzelne Gruppen für eine bestimmte Zeit anhingen oder hängen. Diese Kulturen lassen sich gut durch die jeweils vorherrschende (theistische oder Sozial-) Religion benennen, siehe etwa Animismus-Tängriismus, Manichäismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam, Kemalismus, Sozialismus etc. Die Verbindung von philologisch-sprachwissenschaftlicher und historisch-kultureller Kompetenz erlaubt erst ein wirkliches Eindringen in die jeweilige Kultur; mitunter erlauben sprachwissenschaftliche Erkenntnisse auch einen Blick auf Verhältnisse zu Zeiten und in Gegenden, in denen keine Quellen vorliegen.

Auf der Bachelorebene ist angestrebt, dass bei aktiver und möglichst regelmäßiger Beteiligung am Unterricht eine Berufstätigkeit in Firmen, Medien, internationalen Organisationen etc., die o.a. Kenntnisse über türksprachige Völker und Gruppen erfordert, unter turkologischen Gesichtspunkten kompetent und verantwortungsvoll ausführen kann. EinBachelorabschluss ermöglicht prinzipiell auch die Weiterführung des Studiums, speziell auch mit dem Ziel des Masterabschlusses in Turkologie.Das Masterstudium erfordert eine Vertiefung von Kenntnissen und Kompetenzen auf dem Gebiet der philologisch-sprachwissenschaftlichen Turkologie. Der Erwerb eines Masterabschlusses soll die Studierenden in die Lage versetzen, entweder den oben angedeuteten beruflichen Weg mit erweiterter Kompetenz zu beschreiten. Er soll aber auch dazu befähigen, den wissenschaftlichen Weg, etwa zur Promotion, zu gehen.  Vom Arbeitsbereich her unterhält die Turkologie enge Beziehungen zur Iranistik und ihrem Angebot an neupersischen, vor allem aber mitteliranischen Themen; gerade die letzteren sind auch für die Turkologie von essentieller Bedeutung. Innerhalb Berlins bestehen Beziehungen des Instituts zur Turfanforschen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Beziehungen bestehen weiterhin zum Geschwisterinstitut in Göttingen sowie zu Instituten in den Niederlanden, in Italien, der Türkei, Zypern und den USA.

Forschungsschwerpunkte

Das Institut hat zur Zeit vier Forschungsschwerpunkte:

  • Klassifikation der Türksprachen und die Rekonstruktion der türkischen Sprachgeschichte bis hin zum Proto-Türkischen
  • türkisch-mongolische Sprach- und Kulturbeziehungen
  • historische und linguistische Erschließung von Quellentexten in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Türksprachen im Zusammenhang von Kultur- und Kontaktgeschichte des Osmanischen Reiches und seiner Nachbarn
  • Mißbrauch und Verfälschung historischer Quellen und sprachwissenschaftlicher Fakten bei der Konstruktion von türkeitürkischer Geschichte und Identität: Ergenekon unnd Oghuz Kaghan
Mentoring
Tutoring