Interaktion türkischer Sprachen und Kulturen im post-sowjetischen Kasachstan

Institution:

Institut für Turkologie
Fabesckstraße 23-25
14195 Berlin

Leiter/in: Prof. Claus Schönig
Mitarbeiter/innen: Dr. Irina Nevskaya, Dr. Monika Rind-Pawlowski
Förderung: VolkswagenStiftung

Laufzeit:

01.03.2014 — 28.02.2017

Kurzbeschreibung

Auf dem Staatsgebiet der Republik Kasachstan leben Angehörige von ca. 130 verschiedenen ethnischen Gruppen. Ein Teil dieser Gruppen lebt auf seinem angestammten Siedlungsgebiet und fand sich erst durch die recht willkürliche Grenzziehung während der Sowjetzeit auf kasachischem Boden wieder. Aber auch Flüchtlingswellen, Deportationen während der Stalinzeit sowie Arbeitsmigration haben dazu geführt, dass Kasachstan heute als ein Vielvölkerstaat zu betrachten ist. Zu Sowjetzeiten diente das Russische nicht nur als Lingua Franca zwischen den ethnischen Gruppen, sondern dominierte auch bis in den Privatbereich der eines Großteils der nicht-russischen Bevölkerung. Nach der Staatsgründung 1991 verfolgte Kasachstan zunächst die politische Strategie der Stabilisierung des Landes und in diesem Zusammenhang auch die sprachliche Entrussifizierung und die Etablierung des Kasachischen als Staatssprache. Die Sprachen der anderen ethnischen Gruppen fanden innerhalb dieser Politik keine Beachtung.

Einen besonders interessanten Teilbereich der Minderheiten in Kasachstan bilden die insgesamt 27 türkischstämmigen Ethnien. Diese umfassen nicht nur Türkvölker aus allen Zweigen dieser Sprachfamilie, sondern auch aus verschiedenen Religionen (jüdische Krimčaken und Karaimen, buddhistische Tuwiner, schamanische Altaier, christliche Schoren und darüber hinaus Angehörige unterschiedlicher islamischer Glaubensrichtungen).Dabei beheimatet Kasachstan auch Vertreter von Türkvölkern, die aufgrund der geringen Anzahl verbliebener Sprecher akut vom Aussterben bedroht sind.

Das Projekt soll daher in erster Linie als umfangreiche Pilotstudie zur aktuellen Lage der türkischen Minderheiten Kasachstans dienen. Insbesondere ist dabei zu klären, ob, in welchem Maße und in welchen Domänen die Vertreter der einzelnen Ethnien ihre Muttersprache verwenden, welche religiösen und kulturellen Traditionen sie erhalten haben und wo der Kontakt zu anderen Ethnien bzw. die Dominanz des Kasachsichen zu einer Veränderung der Lebensweise, der Sprache und auch der Selbstidentifikation geführt hat.

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