Springe direkt zu Inhalt

Dr. Johannes Stephan

stephan
Bildquelle: private

Seminar für Semitistik und Arabistik

Fachrichtung Arabistik

PostDoc "Kalīla and Dimna ‒ AnonymClassic" (ERC)

Indirekte Transmission

Adresse
Fabeckstr. 23/25
Raum -1.0054
14195 Berlin

Johannes Stephan hat Islamwissenschaft in Halle an der Saale, Damaskus und Bern studiert. Er war bis 2018 Assistent in Forschung und Lehre am Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie an der Universität Bern, an dem er mit einer Arbeit zur Literarität frühneuzeitlicher Reisenarrative promoviert wurde (2016). Im Zentrum seiner Arbeit stand das Reisebuchdes Tausendundeine-Nacht-Erzählers Ḥanna Dyāb (1764). In den letzten Jahren hat er zur arabischen Literatur- und Ideengeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts publiziert und Lehrveranstaltungen zur arabischen Reiseliteratur, der Historiographie und der modernen Geschichte des Nahen Ostens gegeben.

In seiner früheren Forschung hat sich Johannes Stephan mit der Neu-Konzeptualisierung der arabischen Literaturgeschichte beschäftigt. Im Anschluss an eine Kritik des Literaturbegriffs und seine normativen Implikationen schlägt die Arbeit vor, sowohl das Problem der Kontextualisierung nicht-kanonischer Texten als auch das Verständnis von Literarität selbst als den dynamischen Mittelpunkt von Literaturgeschichte zu begreifen. Konkret analysiert er die narrative Konstitution des Reisebuchs(Kitāb as-Siyāḥa, 1764) des Tausendundeine-Nacht-Erzählers Ḥanna Dyāb, um hiermit Grundlage für eine Interpretation frühneuzeitlicher Texte in arabischer Sprache zu entwickeln. Die Arbeit begreift das Reisebuchund seine Kontexte als ein fruchtbares Feld für die Untersuchung literarischer Modi, die als ein Untergrund dessen verstanden werden können, das später als adab(als die moderne Übersetzung von Literatur) bezeichnet wird. Obwohl es sich bei dem Reisebuchhistorisch betrachtet weder um einen literarischen noch einen fiktionalen Text handelt, analysiert die Arbeit daher die narrative Gestaltung, um die Kombination von Dramatisierung und Subjektivität hervorzuheben. Innerhalb der inklusiven Literaturgeschichte, die dieses Projekt konzipiert, bildet Dyābs Buch zusammen mit anderen autobiographischen Narrativen aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus Syrien eine wenig erforschte Textgruppe, die eine bemerkenswerte Dynamik zwischen der Autorität des Geschriebenen und der Kraft des gesprochenen Wortes abbildet. 

 

Seine Forschung ist ein Beitrag zu dem aktuellen Neudenken der Philologie, ihrer methodologischen Probleme und ihrer ethischen Implikationen. In seiner Mitarbeit in AnonymClassic zur Geschichte der textlichen Überlieferung befasst er sich insbesondere mit der kollektiven Natur von Textentstehung.

(Auswahl)

– „Aṭ-Ṭahṭāwīals Kulturvermittler. Ansätze zu einem universalistischen Kulturbegriff,“ in Zwischen Kulturen.Mittler und Grenzgänger vom 17. bis 19. Jahrhundert, herausgegeben von Joachim Eibach und Claudia Opitz-Belakhal. The Formation of Europe. Hannover: Wehrhahn Verlag, 2018, 247-276.

– mit Monica Corrado and Florian Zemmin, Hrsg.: Islam in der Moderne. Moderne im IslamEine Festschrift für Reinhard Schulze zum 65. Geburtstag.Leiden: Brill, 2018.

– “Die Grenzen des adab. Versuch über eine literaturhistorische Hermeneutik,“ Islam in der Moderne. Moderne im IslamEine Festschrift für Reinhard Schulze zum 65. Geburtstag, herausgegeben von  F. Zemmin, J. Stephan und M. Corrado, 397-422. Leiden: Brill, 2018.

– “Reconsidering Transcendence/Immanence. Modernity’s Modes of Narration in Nineteenth Century Arabic Literary Tradition.” In Working with a Secular Age. Interdisciplinary Perspectives on Charles Taylor’s Master Narrative, herausgegeben von  F. Zemmin, C. Jager und G. Vanheeswijck, Berlin: De Gruyter, 2016, 349-367.

– “Von der Bezeugung zur narrativen Vergegenwärtigung. Fokalisierung im Reisebuchdes Syrers Ḥannā Dyāb (1764),” DiegesisInterdisciplinary E-Journal E-Journal for Narrative Research 4.2, 2015.

https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/209