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Nigvziani – Studien zu einem bedeutenden spätbronze- und früheisenzeitlichen Gräberfeld der Kolchis-Kultur in Westgeorgien

Nigvziani – Studien zu einem bedeutenden spätbronze- und früheisenzeitlichen Gräberfeld der Kolchis-Kultur in Westgeorgien

Projektteam (FU):

Prof. Dr. Joni Apakidze, Institut für Prähistorische Archäologie der FU Berlin

Leitung des Instituts für Prähistorische Archäologie der FU Berlin: Prof. Dr. Henny Piezonka

Kooperationspartner*innen

Georgisches Nationalmuseum in Tiflis (Georgien)

Museum der Kolchis-Kultur in Poti (Georgien)

Prof. Dr. Ernst Pernicka (Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie, Mannheim; Auswertung der Metallanalysen).

Dr. Ronny Friedrich (Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie, Mannheim; Auswertung der Radiokarbondatierungen).

Jan Krumnow (Eurasien Abteilung des DAI, Berlin; UAV-gestützte Befliegung zur Erstellung hochauflösender Orthofotos und 3D-Geländemodelle mittels Structure-from-Motion (SfM).

Dr. Levan Tchabashvili (Universität Georgiens, Tiflis).

Dr. Revaz Papuashvili (Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Otar Lordkipanidze Forschungsinstituts des Nationalmuseums Georgiens in Tiflis).

Dr. Nino Kalandadze (Leiterin des Labors des Nationalmuseums von Georgien für die Restaurierung und Konservierung).

Dr. Marine Chkadua und Nikoloz Vanishvili (Forschungsinstitut für Paläobiologie und Paläoanthropologie des Nationalmuseums Georgiens, Tiflis).

Dr. Gvatsa Vachadze (Nationalmuseum Georgiens; Bearbeitung von Glasfunde).

Fachliche Begleitung und Unterstützung

Prof. Dr. Henny Piezonka (Leitung des Instituts für Prähistorische Archäologie der FU Berlin)

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Svend Hansen (Erster Direktor der Eurasien-Abteilung des DAI und Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin)

Prof. Dr. David Lordkipanidze (Generaldirektor des Nationalmuseum Georgiens)

Jun.-Prof. Dr. Tobias Mörtz (Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Universität Hamburg)

Elene Gabliani (Leiterin des Kolchis Museum in Poti, Georgien)

Laufzeit: 01.04.2026-31.03.2029

Finanzierung: DFG (Projektnummer: 565664686; Verweis zur Projektseite auf GEPRIS)



Abb. 1. Lage des Fundplatzes Nigvziani in der zentralen Kolchis (Westgeorgien) (Karte: Jank Krumnow).


Projektbeschreibung

Das Gräberfeld Nigvziani befindet sich im gleichnamigen Dorf, in der westgeorgischen Munizipalität Lanchkthuti, ca. 18 km von der Schwarzmeeresküste entfernt (Abb.1). Die Nekropole ist einer der herausragenden Fundplätze der spätbronze-/früheisenzeitlichen Kolchis-Kultur Georgiens und gilt als exemplarisch für ganz Kaukasien.

Abb. 2. Das Gräberfeld Nigvziani. 1. Keramik und Perlen. Ausstellungsraum des Kolchis Museums Poti. 2. Gefäßescherben. Schatzkammer des Kolchis Museum Poti (Foto: Nugzar Kopaliani).

Die Nekropole Nigvzieni wurde bislang unvollständig publiziert, obgleich Funde und Befunde ein enormes Potential bieten. Die Nekropole wurde in den Jahren 1974–1976 durch die archäologische Expedition der Kolchis unter Leitung von Teimuraz Mikeladze und Malkhaz Baramidze ausgegraben. Leider sind beide Ausgräber verstorben, so dass der Antragsteller die Bearbeitung des Materials übernommen hat. Da das Gräberfeld Nigvziani nicht vollständig ausgegraben wurde, planen wir an noch nicht erfassten Stellen auszugraben, mit dem Ziel eine weitere Grabgrube zu finden und mit modernen Mitteln zu dokumentieren. Ziel ist es, vor allem die Chronologie der Fundstelle weiter zu klären und organisches Material für naturwissenschaftliche Analysen zu gewinnen.

Abb. 3. Das Gräberfeld Nigvziani. A. Keramik und Steinobjekte; B. Bronze und Keramik. Ausstellungsraum des Kolchis Museums Poti (Foto: Nugzar Kopaliani).

Außer der Klärung der Chronologie des Gräberfeldes Nigvziani sind die übergreifenden wissenschaftlichen Ziele des Projektes: Untersuchung des Charakters, der Funktion und der sozio-kulturellen Bedeutung der Kollektivgrubengräber; Bedeutung und Rolle der Horte; Überregionale Einbindung/Kontakte der Kolchis-Kultur; Typologische Einordnung und Untersuchungen der Bronze- und Eisengegenstände sowie von Keramik, Perlen und Schmuckobjekten (Abb. 2 und 3) und Nutzung des Potentials von methodisch innovativen Ansätzen.


Abb. 4. Das Gräberfeld Nigvziani. Kultplatz/“Hackenplatz“. A. 1. Eiserne Hacken und Pflüge (Foto:Nugzar Kopaliani); B. Das Gräberfeld Ergta (Kollektives Grubengrab Nr. 3). B. 1.-2. Eiserne Hacken (Foto: Svend Hansen; Bearbeitet von Graphiker Nugzar Kopaliani).

Insgesamt wurde eine Fläche von 200 m2 ausgegraben. Es wurden ein Kultplatz und zehn Kollektivgrubengräber freigelegt. Den Kultplatz bezeichnet der Ausgräber als „Ort der Hacken“, da dort neben weiteren Fundkategorien eine große Menge dieser Arbeitsgeräte gefunden wurden (Abb. 4). Eine so große Anzahl an Metallfunden ist von keinem anderen Kultplatz der Kolchis-Kultur bekannt. Sie stellen ein wichtiges chronologisches Bindeglied zu den Deponierungen der Kolchis-Kultur dar und verdienen deshalb eine umfassende Neudokumentation, Analyse und Veröffentlichung in der internationalen Forschungsliteratur.

Abb. 5. Museum der Kolchis-Kultur in Poti. A. Im Ausstellungsraum mit der Museumleiterin Elene Gabliani; B. Zusammen mit der Direktorin des Museums Frau Elene Gabliani und mit zwei Mitarbeiterinnen der Archäologischen Abteilung.

Die Funde des Gräberfeldes von Nigvziani werden im Museum der Kolchis-Kultur in Poti (Georgien) aufbewahrt (Abb. 5). Mit dem Ziel einer umfänglichen Materialedition werden etwa 2000 Funde neu bearbeitet. Im Zuge der Analyse werden auch die Funde aus den Gräberfeldern der zentralen Kolchis in Ergeta, Dgvaba, Mukhurcha und Tsaishi als Vergleichsmaterial aufgenommen und das gesamte Material im Rahmen des aktuellen Forschungsstandes diskutiert. Zur Umsetzung der definierten Forschungsziele sind folgende Untersuchungsmethoden vorgesehen: Archäologische Ausgrabungen; Digitale topographische Geländeaufnahmen (DEM, Orthofotos etc.); 14C-Datierungen sollen zur Klärung der Chronologie der Nekropole Nigvziani beitragen; Anthropologische, paläobotanische Untersuchungen und Metallanalysen; Restaurierung und Konservierung der Funde; Dokumentation und Analyse der Funde und Befunde; Publikation als Monografie in deutscher Sprache.


Ausgewählte Publikationen zu Gräberfeldern der Kolchis-Kultur

Apakidze 2011

J. Apakidze, Die Grabsitten in der Kolchis während der Früheisenzeit. – Der Schwarzmeerraum vom Äneolithikum bis in die Früheisenzeit (5000 – 500 v. Chr.). (Hrsg.: Eugen Sava, Blagoje Govedarica, Bernhard Hänsel). – Prähistorische Archäologie in Südosteuropa 27, Verlag Marie Leidorf GmbH (Rahden/Westf. 2011), 188-208.

Apakidze 2009

J. Apakidze, Die Spätbronze- und Früheisenzeit in West- und Zentralkaukasien. Chronologische Studien zur Kolchis-Kultur, 1600–700 v. Chr. – Prähistorische Archäologie in Südosteuropa 24, Verlag Marie Leidorf GmbH (Rahden/Westf. 2009), 362-459, Taf. 134-290.

Baramidze1977

M. Baramidze, Merkheulis samarovani / Das Gräberfeld von Merkheuli (Tbilisi 1977).

Gogadze/Davlianidze 1981

E. Gogadze/Z. Davlianidze, Goradziri (Tbilisi 1981).

Gogadze 1984

E. Gogadze, Zur Chronologie und Periodisierung der Bodendenkmäler der Kolchis-Kultur. Sakartvelos sachelmcipo muzeumis moambe XXXVII–B, 1984, 28–54.

Mikeladze 1985

T. Mikeladze, Kolchetis adrerkinis chanis samarovnebi (urekisa da nigvzianis samarovnebi) / Die Gräberfelder der Kolchis in der Früheisenzeit (die Gräberfelder von Ureki und Nigvziani). Kolchetis arkeologiuri ekspediciis shromebi II (Tbilisi 1985).

Mikeladze 1995

T. Mikeladze, Große kollektive Grabgruben der frühen Eisenzeit in der Kolchis. Arch. Anz. 1, 1995, 1–22.

Okropiridze/Baramidze 1974

N. Okropiridze/M. Baramidze, Paluris sadzvale / Das Gräberfeld in Paluri. Masalebi sakartvelosa da kavkasiis arkeologiisatvis 6, 1974, 96–123.

Papuashvili et al. 2015

R. Papuashvili/T. Esebua/L. Jikia/I. Papuashvili Tsaishis samarovani / Tsaishi Cemetary (Tbilisi-Zugidi 2015).

Papuashvili et al. 2022

R. Pauashvili//L. Jikia/N. Kobalia//I. Papuashvili, Ergeta (Nekropolis) (Tbilisi-Zugdidi 2022).

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