Hellmut Lorenz †
News vom 12.02.2026
Das Kunsthistorische Institut trauert um
Prof. Dr. Hellmut Lorenz
(* 11. Juni 1942 in Wien - 6. Februar 2026)
Er war von 1985 bis 1997 Professor für Kunstgeschichte an unserem Institut und hat anschließend an der Universität Wien gelehrt.
Nachruf
Hellmut Lorenz (1942–2026)
Am 6. Februar 2026 verstarb in Wien nach langer schwerer Krankheit der herausragende Kunsthistoriker und passionierte Hochschullehrer Hellmut Lorenz. Mit ihm verlieren die zentraleuropäische Barockforschung und die akademische Gemeinschaft in Deutschland und Österreich einen ebenso engagierten wie kritischen Wissenschaftler und einen überaus verlässlichen Freund.
Am 11. Juni 1942 in Wien geboren, absolvierte Hellmut Lorenz an der Wiener Rudolphina von 1960 bis 1972 ein Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie. Lange der Germanistik zugeneigt, überwog letztlich das Interesse für die Architektur, sodass er 1972 bei Renate Wagner-Rieger und Otto Pächt mit einer Arbeit zum architektonischen und architekturtheoretischen Werk Leon Battista Albertis promoviert wurde. Unmittelbar an schloss eine erste Assistentenstelle bei Wagner-Rieger, die der Einstieg in seine lange Laufbahn als Lehrender war. In seiner 1983 abgeschlossenen Habilitationsschrift über den in Österreich, Tschechien und Deutschland tätigen italienischen Architekten Domenico Martinelli (1650–1718) befasste er sich mit dem Kulturtransfer in Mitteleuropa in der Barockzeit, ein Thema, das ihn auch in den folgenden Jahrzehnten auf vielfältige Weise beschäftigte. Nach einer Gastprofessur in Salzburg wurde Hellmut Lorenz 1985 an die Freie Universität Berlin berufen. In den folgenden zwölf Jahren widmete er sich mit Verve der im geteilten Deutschland vernachlässigten Erforschung der barocken Bau- und Hofkultur und setzte sich in zahlreichen Lehrveranstaltungen und Publikationen intensiv mit der für ihn neuen Berlin-Brandenburgischen Residenzlandschaft auseinander. Seine überregionale Sichtweise gab der preußischen Barockforschung entscheidende Impulse. Mit dem Wintersemester 1997/98 wechselte Helmut Lorenz an seine Alma Mater zurück. Nun wandten sich seine Forschungen wieder stärker der österreichischen Kunstgeschichte zu. 2008 zog sich Hellmut Lorenz aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben zurück, war aber weiterhin an dem 2004 gestarteten Projekt zur Wiener Hofburg in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beteiligt. In diesem Zusammenhang erschien 2016 der gewichtige, gemeinsam mit Anna Mader-Kratky herausgegebene Band „Die Wiener Hofburg 1705–1825. Die kaiserliche Residenz bis zum Klassizismus“.
Sehr ausgeprägt war Hellmut Lorenz‘ Anliegen, gemeinsam mit Studierenden Forschungsprojekte zu erarbeiten und zu publizieren. Den Auftakt machte 1998 in Berlin die kommentierte Herausgabe des Reisetagebuchs des Architekten Christoph Pitzler (1657–1707). Ein Meilenstein für die Erforschung der brandenburgischen Adelskultur war das über lange Jahre in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Historiker Peter-Michael Hahn und einem Team von Nachwuchswissenschaftler:innen entstandene Werk „Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz“, das im Jahr 2000 in zwei großformatigen Bänden herauskam. Flankierend erschienen drei Aufsatzkompendien (Quellen und Studien zur Geschichte und Kultur Brandenburg-Preußens und des Alten Reiches, Bd. 3, 5, 6), deren Beiträge den von Lorenz beförderten Blick über die Fachdisziplin hinaus eindrücklich widerspiegeln.
Eine weitere Überzeugung, die er seinen Studierenden in nimmermüder Praxis einzuimpfen wusste, galt der Beobachtung am Objekt und vor Ort. Seine bereits vor der Wende 1989 in das Berliner Umland unternommenen Exkursionen waren an straffer Organisation, Referatsdichte und Dokumentationsfreude kaum zu überbieten, nicht unerhebliche Opferbereitschaft und Enthusiasmus unbedingte Voraussetzungen der Teilnahme. Mehrtägige Reisen führten vor allem zu den östlichen Nachbarn, Polen und Tschechien, später auch Ungarn, wobei er immer den Kontakt und Austausch zu den Wissenschaftler:innen vor Ort suchte. Die Auseinandersetzung mit der Architektur in ihrem lokalen Kontext war ihm ebenso ein Bedürfnis, wie er auch immer wieder auf die Bedeutung der Architekturtheorie neben der Baupraxis verwies.
Sein besonderes Engagement als Hochschullehrer teilte sich jedem mit, der es ernst meinte. Keine Sprechstunde, galt sie nun einer Hausarbeit oder Dissertation, die man nicht mit zahlreichen Hinweisen in Form von Kopien oder Fotos aus dem Fundus seiner unendlich großen Hängeregistratur in der Hand verließ. Waren persönlicher oder telekommunikativer Austausch nicht möglich, wurden auch mal Briefe vom campum lucis in die Welt versandt. Im Umgang durchaus förmlich waren ihm akademische Hierarchien doch fremd, für persönliche Eitelkeit und ehrgeizige Solisten hatte er kein Verständnis.
Unvergessen sind uns seine klangvolle Stimme, sein unbändiger Kaffeekonsum, seine zahlreich verschickten Postkarten, sein Faible für Mickey Maus und Donald Duck und sein im protestantischen Preußen manch Stirnrunzeln verursachendes „Grüß Gott“.
Wir verabschieden uns von einem begeisternden Barockforscher, einem fürsorglichen Mentor und liebenswerten Menschen.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Eva und seinen Kindern.
Melanie Mertens und Christiane Salge





