Konzepte der Verkörperung in der Kunst in Brasilien und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg

Institution:

FOR 'Transkulturelle Verhandlungsräume von Kunst'
Weltkunst und Kunstwelt – damals und heute

Projektleitung:
Förderung:

DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Projektlaufzeit:
01.04.2014 — 31.03.2017

Das Unterprojekt 2 untersucht die Ambiguitäten transkultureller Aushandlungen in der Herausbildung künstlerischer Ansätze der Avantgarden in Brasilien und Japan nach 1945 mit einem Fokus auf verschiedene Konzepte und Diskurse von Leib- und Körperlichkeit.

Der erste Schwerpunkt befasst sich mit dem Neokonkretismus, der Ende der 1950er Jahre in Rio de Janeiro aufkam. Die Künstler/innen dieser Bewegung werteten in ihren Werken den auf Europa bezogenen Begriff der Konkreten Kunst dahingehend um, dass zwar ihre Prämissen beibehalten wurden, jedoch zunehmend partizipative Arbeiten darunter firmieren konnten, die den Betrachter leiblich involvierten. Damit positionierten sie sich zwischen lokalen künstlerischen Tendenzen und einer sich zunehmend internationalisierenden Kunstwelt. In der aktuellen Förderphase soll untersucht werden, wie in diesem gleichzeitig lokal und global (gleichwohl auf Europa fixiert) ausgerichteten historischen Kontext das Konkrete zu einer Kippfigur wurde.

Der zweite Schwerpunkt untersucht die Arbeiten der japanischen Kunstvereinigung Gutai (1955-1972), die im Spannungsfeld zwischen den Bestrebungen japanischer Kunst und Kunstkritik nach 1945, Traditionsdiskursen, früheren avantgardistischen Positionen sowie gleichzeitigen Entwicklungen im internationalen Kontext zu verorten sind. Es soll untersucht werden, wie sich die diversen Ansätze von Gutai-Künstler/innen aus dem sich globalisierenden Wissensstand der Zeit speisten, um eine „konkrete Kunst“ (gutai = jap. für konkret) zu schaffen, die der körperlichen Erfahrung und Wahrnehmung der Werke und deren Materialität zentrale Bedeutung zumaß.