Entwicklung des Weltkunstbegriffs in Deutschland und Österreich von ca. 1860 bis 1930

Institution:

FOR 'Transkulturelle Verhandlungsräume von Kunst'
Weltkunst und Kunstwelt – damals und heute

Projektleitung:
Mitarbeiter/innen:
Förderung:

DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Projektlaufzeit:
01.04.2014 — 31.03.2017

In Erweiterung des Untersuchungsbereichs, der bislang auf die Zeit um 1900 beschränkt war, sollen nun auch frühere sowie der Jahrhundertwende unmittelbar folgende Phasen der Auseinandersetzung mit nicht-westlicher Kunst analysiert werden. Entgegen der oft geäußerten Meinung, dass die deutschsprachige Weltkunstforschung erst mit A. Riegl und J. Strzygowski einsetzte, finden sich bereits zur Jahrhundertmitte, etwa bei F. Kugler und A. Springer, Ansätze zur wissenschaftlichen Erfassung v.a. asiatischer und lateinamerikanischer Kunst. Deren Versuche, die Kunstgeschichte um geographische oder völkerpsychologische Zugänge zu erweitern, war getragen von der Hoffnung, neue und für die Erfassung „fremder“ Artefakte adäquate Verfahren zu lancieren. Es waren dies Ansätze, die nach dem ersten Weltkrieg wiederholt aufgegriffen und gemäß den veränderten politischen Bedingungen entsprechend modifiziert wurden. Das Unterprojekt 1 untersucht jene damals postulierte „Umwertung der Kunstgeschichte“ (O. Beyer, 1923), die meist im Zusammenhang mit einem offenen Bekenntnis zur zeitgenössischen Kunst entwickelt wurde. Damit war u.a. die Forderung verknüpft, die Kunstgeschichte als eurozentrisch geprägte Schreibtischdisziplin zu überwinden, was in den 1920er und 1930er Jahren zahlreiche Forscher/innen etwa nach Indien (z.B. S. Kramrisch), in die Türkei (E. Diez) oder nach Ägypten (H. Zaloscer) führte. Ihr Ziel war es, dort eine Kunstwissenschaft zu etablieren, die insofern neue Wege beschritt, als sie in stärkerem Maße als bisher auf lokale Wissenstraditionen reagierte und dabei neue Begriffe prägte.