Die (In)Authentizität der „minkisi“ (Kongo). Translationen und Musealisierung von Kraftobjekten in und aus der Kontaktzone

Institution:

FOR 'Transkulturelle Verhandlungsräume von Kunst'
Fiktionen des Originals. Praxis- und diskursanalytische Untersuchungen zur Kunst Afrikas

Projektleitung:

PD Dr. Paola Ivanov

Mitarbeiter/innen:
Förderung:

DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Projektlaufzeit:
01.04.2014 — 31.03.2017

Mit den „minkisi“-Kraftobjekten aus dem Kongo nimmt das Unterprojekt 2 einen wichtigen Typus transkulturell generierter und verhandelter Objekte aus dem afrikanischen Kontinent in den Fokus: gestalterisch wie materiell hybride, aus lokaler Akteursperspektive mit Wirkmacht versehene Objekte, die in der seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Kontaktzone zwischen Westafrika und Europa ihren Ursprung haben und insbesondere im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit der auf Afrika projizierten Diskursfigur des Fetischismus relevant wurden.

Das Projekt untersucht die zeitlich und räumlich wechselnden Konkretionen des Fetisch/ismus sowohl in musealen Sammlungen von „minkisi“ als auch in ihren diskursiven und künstlerischen Translationen vom späten 19. Jahrhundert bis heute. In diesen diasporischen Objekttrajektorien zwischen Europa, Amerika und Afrika tritt nicht nur die grundlegende Ambivalenz der Moderne in unterschiedlichen Figurationen hervor, sondern es werden auch Brechungen und Widersprüchlichkeiten dominanter Selektions- und Fiktionalisierungsstrategien deutlich, die durch die „minkisi“ eine evolutionistisch imaginierte Ungleichzeitigkeit zwischen Afrika und Europa markieren sollten. Divergente lokale Praktiken und Wahrnehmungsregime werfen Fragen zur agency lokaler Akteure wie zur (In)Authentizität von Sammlungen auf, während vor allem im afroamerikanischen und im zeitgenössischen afrikanischen Kontext durch den Rekurs auf die Kraftobjekte authentifizierte Identitäten sich in Form von emanzipatorischen Strategien generieren.

Das Beispiel der „minkisi“ ist besonders geeignet, die diachrone Dimension von Produktions- und Rezeptionsnetzwerken ästhetischer Ausdrucksformen sowie das Aufeinandertreffen von lokalen „Wirkmacht“- und westlichen Authentizitätskonzepten offenzulegen und damit sowohl theoretische als auch methodologische Anhaltspunkte einer Fruchtbarmachung der Akteur-Netzwerk-Theorie für die Kunstgeschichte zu liefern.