An der Grenze. Reisende Zeichner des 16.-19. Jahrhunderts unter Spionageverdacht

Institution:

FOR 'Transkulturelle Verhandlungsräume von Kunst'
In Bewegung. Künstlerische Mobilität und transkultureller Austausch in der Frühen Neuzeit

Mitarbeiter/innen:
Förderung:

DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Projektlaufzeit:
01.04.2014 — 31.03.2017

Das Unterprojekt befasst sich mit Spionagevorwürfen gegen reisende Künstler, die in innereuropäischen Grenzregionen zeichneten und deren Arbeitspraxis und Zeichnungen zu Gegenständen transkultureller Konfrontation gerieten. Mit diesen zumeist in der Kunstliteratur überlieferten Anklagen, die die künstlerische Arbeit mit der Praxis von Militärspionen engführen, werden Künstlern eine geheime Absicht und ihren Bildern ein militärischer Subtext unterstellt. Es handelt sich dabei um reisende Künstler, die sich entweder im Ausland aufhielten, oder denen auf Reisen im eigenen Land vorgeworfen wurde, sie spionierten für eine ausländische Macht. Auf die Anklage folgt grundsätzlich eine Verhandlung über die Intention des Künstlers und die Bedeutung seiner künstlerischen Arbeiten. Diese topischen Überlieferungen bilden, teilweise im Zusammenspiel mit den entsprechenden Reisezeichnungen, ein vielschichtiges Material, dessen bildtheoretische Implikationen ebenso herausgearbeitet werden wie die literarischen Konstruktionen von „Kunst“ und „Künstler“.

Basierend auf den Arbeiten der ersten Förderphase kann das Projekt auf einem reichen Bestand von Künstlerviten, -anekdoten und anderen Quellen aufbauen. Das historische Material ermöglicht es, einer zentralen gemeinsamen Fragestellung der Forschergruppe exemplarisch nachzugehen, insofern mit dem Spionagevorwurf konkrete historische Verhandlungen über die Funktion und Bedeutung von (Kunst-)Werken und künstlerischen Praktiken in Kontaktzonen, d.h. zwischen Angehörigen verschiedener europäischer Staaten, thematisch werden. Gegenstand der Untersuchung sind weiterhin die transkulturellen Übersetzungen, die in den Berichten und Anekdoten in mehrfachem Sinn mitverhandelt werden, in erster Linie zwischen unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten, aber auch zwischen unterschiedlichen Bildkulturen und sozialen Zugehörigkeiten.