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Prof. Hirschler: Die Bücher des Burhan al-Dins - Bibliotheksarchäologie und Buchkultur im mamlukischen Jerusalem

10.03.2021 | 17:00 - 18:30
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Bildquelle: Universität Erfurt

Gotha Manuscript Talks - Webinar-Reihe der Forschungsbibliothek Gotha zu orientalischen Handschriften

Handschriften begegnen uns in verschiedenen Wissenschaftsfeldern, in der Philologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Theologie und Religionswissenschaft, Bibliotheks- und Museumswissenschaft, Übersetzungs- und Translationsforschung, sogar in den Naturwissenschaften (z.B. Radiokarbondatierung) und in der Informatik (z.B. Digital Humanities). Dort wo Handschriften in die Forschung einbezogen werden, verändern sie den Blick auf die entsprechenden Felder, konsolidieren oder modifizieren Wissensbestände und stellen Forscher vor Herausforderungen verschiedenster Art.

Wir laden zu den Gotha Manuscript Talks Forscher*innen ein, um mit ihnen zu diskutieren, wie konkrete Handschriften den Blick auf Forschungsgegenstände verändert haben. Anhand von Handschriften, die auf Arabisch, Persisch, Türkisch-Osmanisch, Syrisch, Äthiopisch, Hebräisch und in vielen weiteren „orientalischen“ Sprachen verfasst wurden, verfolgen wir Geschichten der Rezeption von Wissen, aber auch Geschichten, die vom Vergessen erzählen. Wir befassen uns in den Gotha Manuscript Talks etwa mit historischen oder literarischen Entwicklungen, die in Handschriften fassbar werden, mit theologischen Problemen die durch sie offenbar oder gelöst werden, mit Überlieferungsprozessen, sozialen und intellektuellen Netzwerken, künstlerischen und musealen Praktiken, ökonomischen Entwicklungen und vielen weiteren gesellschaftlichen und geistigen Phänomenen, in deren Zentrum orientalische Handschriften stehen. Handschriften werfen ein Licht auf Auftraggeber, Autoren, Kopisten, Illuminatoren, Übersetzer, Händler, Bibliophile, Käufer, Besitzer und Antiquare, sowohl im Haupttext als auch in den Sekundärvermerken, in ihrer Gestaltung und ihrer handwerklichen Beschaffenheit.

Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt bewahrt die drittgrößte Sammlung orientalischer Handschriften in Deutschland. Diese etwa 3.400 Handschriften, die überwiegend um 1800 in die Bibliothek gelangten, sind relevant für alle Wissenschaftsfelder und werfen ein Licht auf die unterschiedlichsten Aspekte von Manuskriptkulturen. Mit der Einladung renommierter Forscher*innen zu den Gotha Manuscript Talks möchte die Forschungsbibliothek Gotha ausgehend vom Material in einer Webinar-Reihe Impulse für einen verstärkten Austausch zu Manuskriptkulturen über Fachgrenzen hinweg geben und Forscher*innen und Interessierte miteinander ins Gespräch über orientalische Handschriften bringen.

Format: Vortrag 45 min + Diskussion 45 min

 


 

10. März, 17:00–18:30

Die Bücher des Burhan al-Dins - Bibliotheksarchäologie und Buchkultur im mamlukischen Jerusalem

Prof. Dr. Konrad Hirschler (Freie Universität Berlin)

Im Gespräch wird Prof. Dr. Konrad Hirschler die  früheste dokumentierte arabische Privatbibliothek vorstellen. Sie geht auf das späte 14. Jahrhundert zurück und gehörte einem Gelehrten namens Burhan al-Din, dessen Nachlass nach seinem Tod öffentlich versteigert wurde. Die bis heute erhaltene Liste der verkauften Bücher eröffnet einen einzigartigen Einblick in seine Bibliothek und bietet eine seltene Gelegenheit, eine der vielen verschwundenen nahöstlichen Bibliotheken dieser Periode zu rekonstruieren. Damit wird erkennbar, inwieweit breitere Schichten der Gesellschaften an der Zirkulation des geschriebenen Wortes partizipierten und inwieweit sie Akteure in der Bibliothekslandschaft waren.

Konrad Hirschler ist Professor für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Sozial- und Kulturgeschichte Ägyptens und der Levante (Bilad al-sham) in den ayyubidischen und mamlukischen Perioden (ca. 1200–1500). In den vergangenen Jahren hat er insbesondere zur Geschichte des Lesens, der Materialität von Manuskripten und der historischen Entwicklung von Bibliotheken gearbeitet. Seine Veröffentlichungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit internationalen Buchpreisen ausgezeichnet. Zu seinen Büchern zählen: A Monument to Medieval Syrian Book Culture – The Library of Ibn ʿAbd al-Hādī (2020), Medieval Damascus: Plurality and Diversity in an Arabic Library (2016), The Written Word in the Medieval Arabic Lands: A Social and Cultural History of Reading Practices (2012) and Medieval Arabic Historiography: Authors as Actors (2006). Derzeitig forscht er insbesondere zur Bibliotheks- und Archivgeschichte Jerusalems.

 

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ZMO
Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften