Weltweite Lesung für Narges Mohammadi und die politischen Gefangenen in Erinnerung an jene, die im Iran getötet wurden
Sara Maroufi liest aus Fereydun hatte drei Söhne von Abbas Maroufi
Wir rufen Bibliotheken, Buchhandlungen, Universitäten, Schulen sowie kulturelle und zivilgesellschaftliche Institutionen weltweit dazu auf, sich an einer weltweiten Lesung zu beteiligen. Am 8. und 9. Januar 2026 verübten iranische Sicherheitskräfte ein landesweites Massaker an Bürgerinnen und Bürgern, die auf die Straße gegangen waren, um Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu fordern. Nach jüngsten Recherchen des Time Magazine wurden mehr als 30.000 Menschen getötet. Diese Zahlen gelten nicht nur für Menschenrechtsorganisationen als realistisch, sondern auch für die deutsche Bundesregierung und andere westliche Regierungen. Es ist zudem zu befürchten, dass die tatsächliche Zahl der Opfer noch höher liegt, da aus abgelegenen Regionen kaum Nachrichten nach außen dringen. Damit dürfte die Niederschlagung des Aufstands das blutigste Massaker an Demonstrierenden weltweit in einem so kurzen Zeitraum sein.
Auch die Repression über das Justizsystem hat sich verschärft. Der Iran gehört weiterhin zu den Ländern mit den weltweit höchsten Hinrichtungszahlen; im Jahr 2025 wurden mehr als 1.000 Hinrichtungen dokumentiert, und Berichte aus den ersten Monaten des Jahres 2026 deuten darauf hin, dass die Hinrichtungen weiterhin in hohem Tempo stattfinden, darunter auch Fälle im Zusammenhang mit den jüngsten Protesten. Seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979 schätzen Menschenrechtsorganisationen, dass Zehntausende Menschen hingerichtet wurden, darunter Massenhinrichtungen politischer Gefangener, insbesondere im Jahr 1988. Die systematische Repression seit 1979 umfasst die weit verbreitete Inhaftierung politischer Gegner, Zensur, die Verfolgung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Journalistinnen und Journalisten sowie Künstlerinnen und Künstlern, massive Einschränkungen der Rechte von Frauen und wiederholte gewaltsame Niederschlagungen von Protesten.
Unter den Inhaftierten befindet sich auch die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi, Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin, die über viele Jahre hinweg wiederholt verhaftet und verurteilt wurde. Im Februar 2026 wurde sie zu weiteren siebeneinhalb Jahren Haft wegen Verschwörung verurteilt. Nach Angaben ihres Anwalts beziehen sich sechs Jahre dieser Strafe auf den Vorwurf der „Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten“. Das Urteil verlängert ihre Haft trotz ernsthafter gesundheitlicher Bedenken weiter.
Diese weltweite Lesung soll die internationale Öffentlichkeit auf die Situation der politischen Gefangenen im Iran, auf den systematischen Einsatz der Todesstrafe und auf die Opfer der Gewalt vom Januar 2026 aufmerksam machen.
Zeit & Ort
23.03.2026 | 19:00
Institut für Iranistik, Raum -1.2009 (Untergeschoss)
Fabeckstr. 23/25
14195 Berlin
