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DFG-Projekt "The Linguistic (Pre-)History of the Indo-Iranian Frontier"

Der alte Dorfteil von Ktivi (Kantiwā) in Zentral-Nuristan

Der alte Dorfteil von Ktivi (Kantiwā) in Zentral-Nuristan
Bildquelle: Foto Sviatoslav Kaverin

Das Projekt “The Linguistic (Pre-)History of the Indo-Iranian Frontier“ („Die sprachliche (Vor‑)Geschichte der indo-iranischen Grenzregion“) ist eine im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Nachwuchsgruppe, die sich mit den modernen Sprachen der indoiranischen Grenzregion (heutiges Afghanistan und Pakistan) beschäftigt.

Der Begriff des „Indo-Iranian Frontier“ wurde von dem norwegischen Linguisten Georg Morgenstierne geprägt, der im Verlauf des 20. Jahrhunderts unter dem Titel „Indo-Iranian Frontier Languages“ eine Reihe von Erstbeschreibungen von Sprachen der Region zwischen Pamir, Hindukusch und Karakorum veröffentlichte. Für die Zwecke des Projekts ist hiermit eine Übergangs- und Kontaktzone zwischen den indoarischen, iranischen und nuristanischen Untergruppen der indoiranischen Sprachfamilie gemeint, in der diese Sprachgruppen miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.

Ziel des Projekts ist durch eine enge Verzahnung von Feldforschung und empirisch-deskriptiver Arbeit mit historisch-vergleichenden Studien zu einem umfassenderen Bild der Sprachgeschichte und -vorgeschichte der Region zu gelangen.

Je ein Teilprojekt beschäftigt sich mit Repräsentanten der Sprachzweige Iranisch, Nuristani und Indoarisch, wobei als Einzelsprachen Yidgha-Munji, Prasun und die Kunar-Gruppe des Indoarischen im Fokus stehen. Die Mitglieder der Nachwuchsgruppe arbeiten mit Muttersprachlern dieser Sprachen zusammen, um die grammatische Struktur und das Lexikon der Sprachen deskriptiv weiter zu erschließen und somit einen Beitrag zu ihrer Dokumentation zu leisten. Die resultierenden Daten dienen auch als Grundlage für die historische Arbeit im Projekt.

Für die historisch-vergleichende Komponente des Projekts spielen der Vergleich zu früher belegten Sprachstufen des Iranischen (Alt- und Mitteliranisch) sowie des Indoarischen (Alt- und Mittelindoarisch) und Aspekte der Rekonstruktion der indoiranischen und indogermanischen Grundsprache eine wichtige Rolle, wobei neue Erkenntnisse über die Etymologie und historische Entwicklung von Lautsystem und Formeninventar der betreffenden Sprachen erzielt werden sollen. Im Rahmen des Projekts wird auch das im Rahmen des DFG-Walter-Benjamin-Projekts „An Etymological Dictionary of the Nuristani Nominal Lexicon“ begonnene etymologische Wörterbuch der Nuristan-Sprachen vervollständigt und erweitert. Daneben werden Lehnbeziehungen und Kontakte zwischen den antiken Verkehrssprachen der Region wie Baktrisch und Gandhari und den nicht belegten Vorläufern der modernen Sprachen thematisiert.

Projektpublikationen

The Nuristani Etymological Dictionary (NurED)