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Call for Papers: Datenkulturen, Data Literacy und historisches Lernen

NFDI4Memory

News vom 19.07.2023

Wann? 7. und 8. Dezember 2023 (Pre-Conference-Workshop 7.12.23, 9-12 Uhr; Haupttagung 7.12.23, 14-18 Uhr bis 8.12.23, 9-16 Uhr)

Wo? Senatssaal im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin und hybrid

Wer? NFDI4Memory (Dr. Daniel Brandau (FU Berlin) und Dr. Sabrina Schmitz-Zerres (Uni Münster)) in Kooperation mit der Konferenz für Geschichtsdidaktik e.V. (Prof. Dr. Martin Lücke (FU Berlin))


Im Zuge der digitalen Transformation nimmt die Bedeutung von (Massen-)Daten auch in Schule und Hochschule stetig zu – sowohl in der Steuerung und Kontrolle von Arbeits- und Lernprozessen wie auch in der wissenschaftlichen Forschung. Daten sind dabei nicht nur Ressourcen für, sondern auch über das Lernen. Wenngleich die Digitalisierung auch das historische Lernen und Geschichtskultur tiefgreifend verändert, diskutiert die Geschichtsdidaktik diese derzeit vor allem als medialen Wandel und in Bezug auf Einzelmedien.

Die Digitalität von (Forschungs-)Daten wurde aus geschichtsdidaktischer Perspektive bislang nur randständig behandelt. Das Fach verweist zwar auf traditionelle Stärken und Schwerpunkte im Umgang mit (prä-digitalen) Daten. Weniger beachtet wurde dabei bislang die Perspektive auf die Daten, mit denen umgegangen wird: Die Digitalisierung führt zu einer Expansion von Datenerhebung, -speicherung und -nutzung und vernetzte Wege der Kommunikation. Die „Cultures of Digitality“ (Stalder 2017) stellen somit neue Ansprüche an eine Datenkultur, die erst durch entsprechende Kompetenzbildung zugänglich wird sowie reflektiert und demokratisch gestaltet werden kann.

Als ein Kernelement der bei Lernenden zu fördernden digitalen Kompetenzen ist daher „Data Literacy“, oder Datenkompetenzen, beschrieben worden. Die bisherigen fachübergreifenden Ansätze stoßen allerdings an ihre Grenzen, wenn sie auf die einzelnen Fächer übertragen werden sollen. In den historischen Wissenschaften erscheinen die Schnittmengen mit „Information Literacy“, „Media Literacy“ oder einer allgemeinen „Digital Literacy“ oft unklar. An Hochschulen werden Data Literacy-Module erprobt, die noch selten in den Fächern verankert sind und oft zentral bereitgestellt werden. Der Umgang mit Lerndaten in der schulischen Selbstverwaltung sowie Learning Analytics verlangen gleichwohl auch von Lehrerinnen und Lehrern Fähigkeiten und Fertigkeiten, von digitalen Tools produzierte Daten kritisch bewerten und nutzen sowie innewohnendem Bias begegnen zu können.

Angesichts der vielfältigen geschichtsdidaktischen Zugänge zum Begriff „Daten“ scheint es geboten, ihn in seinen vielfältigen Facetten domänenspezifisch zu beleuchten. Die Tagung hat sich dieses Vorhaben zum Ziel genommen, so dass aus theoretischer, pragmatischer und empirischer Sicht der Begriff der „Daten“ geschichtsdidaktisch gefasst werden soll. Die Tagung fragt danach, welche Bedeutung (digitale) Daten für das historische Lernen selbst haben, und wie Daten und Datenkompetenzen aus fachspezifischer Sicht definiert und Anforderungen benannt werden können: Welche geschichtsdidaktischen Spezifikationen sind nötig, um Data Literacy für historische Lehr- und Lernprozesse zu präzisieren? In welchem Verhältnis stehen digitale Daten zu den „Fundamentalkategorien“ des Geschichtsbewusstseins und der Geschichtskultur? Sollte Datenkompetenzbildung daher auch im Fachstudium curricular verankert werden, wie es in bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Studiengängen bereits geschieht?

Der Tagungstitel verweist bewusst auf eine „und“-Verknüpfung, da es zentrales Ziel der Tagung sein wird, dieses Verhältnis auszuloten. Zugleich signalisiert er eine Offenheit für Beiträge, die sich mit „historischen“ Datenkompetenzen oder (aus einer empirischen Perspektive) mit Lern- als Forschungsdaten beschäftigen. Neben theoretischen Reflexionen sind Beiträge erwünscht, die am Beispiel konkreter Forschungsvorgaben Perspektiven auf Data Literacy diskutieren und entwickeln.

Die Tagung richtet sich an Geschichtsdidaktiker*innen ebenso wie an Lehrkräfte, Bibliothekar*innen, Pädagog*innen, Archivar*innen, Museumsdidaktiker*innen, Forschungsdatenmanager*innen, Jurist*innen und Interessierte weiterer Fachrichtungen.
 

Beiträge können sich mit diesen (und weiteren) Fragestellungen befassen:

  • Historisches Denken mit Daten? Ebenen digitaler Kompetenz aus theoretischer und pragmatischer Perspektive

  • Lern- als Forschungsdaten? Educational Data Mining und Learning Analytics in der Forschung

  • Bildungssystem GoFAIR? Technische Infrastrukturen in der Schulverwaltung und ihre organisatorischen und ethischen Herausforderungen

  • (Too) Open Data? Datenschutzfragen zu personenbezogenen Daten von Lernenden

  • Lernen mit ChatGPT? Sprachmodelle, maschinelles Lernen und Responsible A.I.

  • Offene Daten für offene Geschichtsbilder? Open Educational Resources

  • Computational Turn im Geschichtsunterricht? Massendaten als historische Quelle(n)


Abstracts zu Vortragsvorhaben von max. 500 Wörtern Länge sowie einer Kurzbiografie (200 Wörter) können bis zum 08.09.2023 gesendet werden an: dataliteracy@geschkult.fu-berlin.de

Den Call finden Sie hier im PDF-Format.

Die Auswahl der Beiträge erfolgt im September 2023. Die Reisekosten der Referierenden können voraussichtlich erstattet werden. Falls dahingehend Bedarf besteht, bitten wir um eine kurze Information bei Einreichung des Abstracts.

Am ersten Veranstaltungstag findet ein Pre-Conference-Workshop zu Datenkompetenzmodellen in der akademischen Lehre statt, der mit dem NFDI4Memory- Konsortium veranstaltet wird und allen interessierten Teilnehmer*innen ebenfalls offensteht.

Kontakt: Dr. Daniel Brandau (FU Berlin) und Dr. Sabrina Schmitz-Zerres (Universität Münster), dataliteracy@geschkult.fu-berlin.de

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queerhistory@fu-berlin
Arbeitskreis Geschichtsdidaktik theoretisch
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