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Das mediale Erbe der DDR - Akteure, Aneignung, Tradierung

Die heutigen Vorstellungen über die DDR sind in starkem Maße durch Medien geprägt. Massenmedien, Medienquellen in Bildungskontexten oder auch private Fotos, Filme und Musik formen maßgeblich Erinnerungen und das Wissen über den Alltag und politische Repression in der DDR. Der Forschungsverbund „Das mediale Erbe der DDR. Akteure, Aneignung, Tradierung“ setzt sich deshalb zum Ziel, die Entstehung, Transformation und Nutzung von Medien mit DDR-Bezug zu analysieren. 


Untersucht und aufbereitet werden sowohl „Massenmedien“ (Fernsehen, Filme, Internet) als auch private Medien (Fotos, Schmalfilme) und Nutzungsumgebungen (Schulen, Museen, individueller Medienkonsum). Dabei vereint der Verbund interdisziplinäre Ansätze der Geschichtswissenschaft, der Kommunikationswissenschaft und der Geschichtsdidaktik. Die Partner bringen vielfältige Erfahrungen in diesem Forschungsfeld mit und vereinen ost- und westdeutsche Standorte sowie universitäre und außeruniversitäre Forschung und Forschungsvermittlung. 

Projekt von Lotte Thaa:

Ausstellungen sind ein wichtiges Medium der öffentlichen Verhandlung von Geschichte – Ergebnis und Motor geschichtspolitischer Entwicklungen zugleich. Die detaillierte Betrachtung von Ausstellungen über die DDR im Laufe der letzten 30 Jahre soll Aufschlüsse über verschiedene Herangehensweisen und Methoden der Musealisierung der DDR bieten. Dabei werden nicht nur die Ausstellungen im Hinblick auf Exponate, Texte, Gestaltung und Raumarrangements untersucht; auch der institutionelle Kontext, die Entstehungsgeschichte der Museen und vor allem das Zustandekommen der Sammlungen wird im Fokus stehen. Hierzu werden Methoden der Ausstellungsanalyse (Scholze, Muttenthaler/Wonisch), Ansätze der postkolonialen Museumstheorie sowie Arbeiten zur Geschichtspolitik (Siebeck, Sabrow) herangezogen. 

Das Studieren von Sammlungsgeschichte und Ausstellungspraxis verschiedener Museen verspricht sowohl Erkenntnisse über die Musealisierung von Zeitgeschichte als auch über die Erinnerungslandschaft der deutschen Teilung.

Projekt von Julian Genten:

Die Musealisierung der DDR ist bis heute ein stark umstrittenes Gebiet. Insbesondere Ausstellungen mit alltagsgeschichtlichem Fokus sehen sich oftmals mit dem Vorwurf der Verharmlosung des DDR-Herrschaftsapparats konfrontiert. Auch der verbreitete Ansatz, Alltagsgeschichte in Museen als Geschichte des Alltags in der „durchherrschten Gesellschaft“ (Jürgen Kocka) zu erzählen, d.h. die komplexen Wechselwirkungen zwischen Alltag und Herrschaft hervorzuheben, konnte hieran nur wenig ändern. Die die Musealisierung der DDR begleitenden Debatten kreisen in der Regel um die Frage, welche Geschichten in Ausstellungen wie erzählt werden sollen, also um die der angemessenen (Re-)Präsentation von DDR-Geschichte. Wie aber MuseumsbesucherInnen mit den ihnen präsentierten Deutungsangeboten tatsächlich umgehen, bleibt dabei meist unbeachtet.

Ausgehend von der Annahme, dass Bedeutung überhaupt erst in der Interaktion von BesucherInnen mit den sie adressierenden Ausstellungsinhalten hergestellt wird, fragt dieses Projekt daher danach, wie sich BesucherInnen mit unterschiedlichen sozialen und biografischen Hintergründen Geschichte in DDR-Museen heute aneignen. Hierfür werden an ausgewählten Museen qualitative BesucherInnenbefragungen durchgeführt. Einen zentralen methodologischen Ausgangspunkt für die Analyse der durchzuführenden Interviews bildet das von Stuart Hall entwickelte Modell des Kodierens und Dekodierens, welches im Begriff der Aneignung u.a. durch Alexander Geimer für die qualitative Rezeptionsforschung weiterentwickelt wurde. Das Projekt untersucht somit die Musealisierung der DDR als wechselseitigen Prozess zwischen Museen und ihren BesucherInnen, wodurch sie zugleich zu einem besseren Verständnis von Prozessen historischen Lernens in Geschichtsmuseen insgesamt beiträgt.

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