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GlyPat: Die computergestützte Analyse des Demotischen

Projektleitung:
Mitarbeiter/innen:

Margot Belot

Eren Kocadag

Philipp Schmidt

Förderung:

Novus Stiftung

novusstiftung

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glypat_pattern_analysis

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Bildquelle: GlyPat: Screenshot der „Pattern Analysis"-Seite. Book of the Dead of Nu (British Museum EA 10477; Sheet 25, Spell 145 ©The Trustees of the British Museum).

glypat

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Demotisch war vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. die alltägliche Kursivschrift Ägyptens und diente vor allem als Schriftform für private Briefe, Verträge und Verwaltungsdokumente. Es ist zudem eine der am schwierigsten computergestützt zu verarbeitenden antiken Schriften: Zeichen verschmelzen zu Ligaturen und gliedern sich in zahlreiche Formvarianten, sodass ein und dasselbe Wort je nach Schreiber sehr unterschiedlich aussehen kann. Das Demotic Palaeographical Database Project (DPDP) hat die wesentliche Grundlage geschaffen und 272 Manuskripte Zeichen für Zeichen vollständig annotiert, doch es gibt noch kein Werkzeug, um diesen Korpus in großem Maßstab zu analysieren oder wiederkehrende Formeln aus mehreren Zeichen zu finden, wenn deren Schreibweise variiert.

GlyPat, entwickelt am Institut für Computergestützte Altertumswissenschaften (CompAS) der Freien Universität Berlin, macht sich daran, diese Lücke zu schließen: ein Open-Source-Tool zum Auffinden und Vergleichen von Formeln im Demotischen, ungeachtet der Tatsache, dass sich deren Schreibweise je nach Zeit, Ort und Schreiber verändert. Anstelle eines exakten Abgleichs nutzt es eine ungefähre Sequenzabgleichung und bewertet jede annähernde Übereinstimmung danach, inwieweit die Unterschiede typisch für die tatsächliche Schreibpraxis sind, zum Beispiel: eine Ligatur, ein weggelassenes phonetisches Zeichen oder ein Allograph.

Das vorgesehene Tool ist interaktiv. Bei der Suche nach einer Phrase erhält ein Experte eine nach Relevanz geordnete Liste der Schreibweisen dieser Phrase im gesamten Korpus, die neben den Originalbildern der Manuskripte angezeigt werden, wobei die Varianten in einem Netzwerk verknüpft sind, das verdeutlicht, wie sich die Schreibweise im Laufe der Zeit und je nach Region verändert hat. Um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, basiert GlyPat auf einem „Human-in-the-Loop“-Ansatz: Das Tool schlägt Zuordnungen vor,  die anschließend von einem erfahrenen Experten überprüft, angepasst und akzeptiert oder gegebenenfalls verworfen werden, bevor sie in den endgültigen Datensatz aufgenommen werden. 

Langfristig könnte die Kartierung dieser Netzwerke von Schreibweisen über den gesamten Korpus hinweg echte philologische Vorteile eröffnen: das Auffinden gemeinsamer Formeln in verschiedenen Texten, die Rekonstruktion beschädigter Passagen anhand intakter Paralleln und schließlich die Datierung oder Lokalisierung eines Manuskripts anhand der Schreibweise seiner Formeln. Dieser letzte Schritt ist das Wagnis des Projekts und das, was diese Untersuchung zu überprüfen beabsichtigt.