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Presseschau

Presseschau

 

 25.11.2007 Deutschland Radio

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/673876/

Uni-Abschluss und dann: Welche Aussichten haben Postdoktoranden? (Bild: AP)

 

 

Von Drittmitteln und C4-Stellen

Zukunftssymposion für Post-Doktoranden in Berlin

Von Daniela Siebert

Sparmaßnahmen an den Universitäten, wechselnde Trends in der Wissenschaft: Für viele Akademiker steht die Zukunft in den Sternen. Beim Zukunftssymposium für Post-Doktoranden hat man sich passenderweise für das Stichwort "Science Fiction" entschieden. Auf dem Treffen wollen die Teilnehmer ihre Zukunftschancen ausloten.

"Wohin mit uns?" - Diese Frage stellen sich drei Stipendiatinnen der Volkswagen Stiftung. Obwohl es ihnen mit ihren Stipendien ja relativ gut geht, machen sie sich Sorgen um ihre Zukunft.

" Ab Mitte 30 schließen sich viele Türen in der Förderung von Post-Docs, bei Stipendien und Fördergeldern und in sofern haben wir da viele Gemeinsamkeiten. Und wir haben in Bereichen promoviert, die nicht sehr weit verbreitet sind oder wenn man bestimmte Gebiete abdeckt, wie in meinem Fall Menschenrechte, kann man nicht an alle Universitäten gehen."

Die Politikwissenschaftlerin Anja Mihr leitet in Venedig einen Masterstudiengang für Menschenrechte und Demokratie. Sie ist eine der drei Postdoktorandinnen, die die Tagung zur Zukunft von Forschenden, Lehrenden und Universitäten organisiert haben. Science Fiction als Motto signalisiert, dass hier ohne gedankliche Schranken nach Antworten für die aktuellen Probleme gesucht werden soll. Auch die 33 Jahre alte Theologin Rajah Scheepers gehört zum Team, denn auch sie macht sich Gedanken über die Zukunft während sie in Hannover an ihrer Habilitation arbeitet:

"Meine erste größte Sorge ist die zunehmende Ökonomisierung und Verschulung der Hochschulen, die dazu führt, dass man sich heute als Erstsemesterstudent weniger seine Veranstaltungen auswählen kann als mein zweijähriger Sohn im Kindergarten, dass es überhaupt keine Freiheit mehr gibt in diesem Bereich, der zweite Bereich ist die Chancengleichheit von Frauen, immer noch bekleiden Frauen nur 9% der C4 Stellen an den Universitäten."

Die Dritte im Bunde ist Lidia Guzy, Religionswissenschaftlerin an der FU Berlin. Die drei haben zwölf Thesen zur Hochschulpolitik formuliert. Darin fordern sie unter anderem mehr Kooperation mit außeruniversitären Institutionen, mehr Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen und mehr soft skills für Wissenschaftler. Diese Thesen sollen nicht nur auf der Tagung für Diskussionen sorgen - Lidia Guzy:

"Wir möchten eine Publikation herausbringen, die auch Forderungen stellt, denn wir möchten auch mitentscheiden, wie die zukünftige Hochschullandschaft aussehen soll."

So interdisziplinär, wie die drei Doktorinnen zusammen arbeiten, so interdisziplinär stellen sie sich auch die Zukunft an den deutschen Hochschulen vor. Auch die Gießener Biochemie-Professorin Katja Becker unterstrich gestern, dass an der Interdisziplinarität kein Weg mehr vorbeiführen wird. Die Malaria-Forscherin weiß aber aus eigener Erfahrung, dass das für Wissenschaftler ein zwiespältiges Thema ist:

"Denn es ist sehr schön, es braucht Mut, es macht Spaß, interdisziplinär zu arbeiten, aber es ist in der Regel für die Karriere nicht unbedingt sehr förderlich. Es lässt sich sehr viel leichter publizieren, wenn man in hohem Maße fachspezifisch publiziert und in der Regel lassen sich auch bessere Stellen erreichen, die ja doch in der Regel fachspezifisch ausgeschrieben sind."

Ein anderer Faktor ist natürlich das Geld. Dabei geht es nicht nur um eine besser Bezahlung für Nachwuchswissenschaftler und Lehrbeauftragte, die sich auf der Tagung alle wünschen. Es geht auch um das Zukunftsthema Drittmittel. Anja Mihr hat guten Grund sich da Veränderung zu wünschen

"Manchmal fehlt es an der Kooperation mit der Verwaltung: Wenn man als Drittmittelforscherin an eine Universität kommt - und ich habe das drei Jahre lang erlebt - dann ist da nicht unbedingt ein Willkommen dahinter. Da heißt es erst mal: 'ach, sie sind zusätzliche Arbeit!' und wenn sie sagen: 'ich hab 200.000 Euro mitgebracht', werden sie auch nicht Begeisterungssprünge erleben. Dieser Mentalitätswandel hat noch nicht eingesetzt."

Dementsprechend hofft sie für die Zukunft auf mehr Flexibilität in der Hochschulverwaltung. Auch sonst wollen die Nachwuchswissenschaftler die weitere Entwicklung der Hochschulen mitgestalten. Und Rajah Scheepers hat eine Idee wie das gehen könnte:

"Idealerweise würde das für mich so aussehen, dass regelmäßig man zu Zukunftskongressen zusammenkäme, wo eben aus allen Statusgruppen - auch von den Studierenden - Menschen sitzen und man überlegt: wie sieht es jetzt aus, wie soll es aussehen, was ist der Wunsch, den wir haben und welche konkreten Schritte können wir unternehmen, um dorthin zu kommen?"

Das Jahr 2012 hatten die Tagungsorganisatorinnen für ihre Science Fiction Überlegungen ausgeguckt. Claudia Wiesner ist von der Marburger Universität zur Tagung gekommen und hat sehr konkrete Visionen, wie sie sich ihre Hochschule dann vorstellt.

"Unbürokratischer. Ich hätte sie gerne hierarchiefreier, besser ausgestattet, was Räume, Bücher, und finanzielle Mittel angeht, internationaler. Das sind die Dinge, die ich sehe."

Allerdings werde sie 2012 wohl nicht mehr dort sein, ergänzt die Projektleiterin vom Zentrum für Konfliktforschung gleich. Noch bis Mittwoch geht die Tagung und man darf wohl mit weiteren neuen Ideen rechnen. Denn die Ansage lautet: "mutig querdenken!"

 

 

04.04.2007 Berliner Tagespiegel

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/;art304,2392521

 

„Frauenquote bei Professuren“ Was Nachwuchsforscher von den Unis fordern

 

50 000 neue Assistentenstellen und eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent bei der Besetzung von neuen Professuren – so lauten die Kernforderungen von Nachwuchsforschern an die Politik, die sie jetzt in einer „Berliner Erklärung“ veröffentlicht haben. Bei der Einrichtung und Wiederbesetzung von Professuren müssten künftig ganz andere Maßstäbe gelten. Die Zukunft des wissenschaftlichen Nachwuchses sei grundsätzlich gefährdet, wenn die Verantwortlichen in der Hochschulpolitik sich weigerten umzudenken, sagte Lidia Guzy, Postdoktorandin an der Freien Universität Berlin und Organisatorin des Aufrufs.

Vielfach scheiterten selbst überdurchschnittlich qualifizierte Männer und Frauen spätestens in der Phase nach der Promotion. Viele könnten sich nur mühsam über die Runden bringen, klagten junge Wissenschaftler auf der Tagung „Wohin mit uns?“, auf der sie ihre Karriereaussichten diskutierten.

Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin, unterstützte die Forderung der jungen Forscher nach einer verbindlichen Frauenquote. In der Wissenschaft gelte noch immer wie in der Wirtschaft: Je einflussreicher die Position, desto geringer der Frauenanteil. Männliche Netzwerke funktionierten an den Universitäten weiterhin. Auch der Vizepräsident der Technischen Universität Berlin, Jörg Steinbach, schloss sich der Forderung an. Bislang hätten Frauen einfach keine Gelegenheit zu zeigen, dass sie genauso qualifiziert seien wie männliche Mitbewerber.

Kritisch wurde allerdings die geforderte Zahl von 50 000 neuen Assistentenstellen an deutschen Universitäten gesehen. Neue Stellen seien nur dann sinnvoll, wenn man sie mit gezieltem Tenure Track verknüpfe, sagte Christiane Gaehtgens, Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz. Es müsse dafür gesorgt werden, dass junge Forscher an ihrer Universität schlussendlich auch eine Professur erreichen. Rolf Kreibich, Direktor des Instituts für Zukunftsstudien in Berlin, forderte von den Postdoktoranden, auch den außeruniversitären Bereich als Berufsfeld im Auge zu behalten. Schließlich sei absehbar, dass nicht alle eine Professur erreichen würden.

Die Nachwuchswissenschaftler fordern zudem, dass Forscher bei ihren Anträgen auf EU-Förderung institutionell unterstützt werden. Um einen Austausch zwischen den Disziplinen zu gewährleisten, müssten Gutachtergremien interdisziplinär besetzt werden. Elke Kimmel

 

Kommentare zur Berliner Erklärung



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Stand: 14.10.2007

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