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Ausgrabung einer Siedlung der Przeworsk-Kultur im Südharzvorland
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Leitung: |
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Mitarbeiter/innen: |
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Förderung: |
Deutsche Forschungsgemeinschaft |
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Projektlaufzeit: |
01.07.2010 — 14.08.2015 |
Seit dem Sommer 2010 führt das Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer mit Studierenden die Ausgrabung einer Siedlung der Przeworsk-Kultur bei Leimbach durch. Das Kerngebiet dieser archäologischen Kultur, die nach einem Brandgräberfeld bei Przeworsk im Südosten Polens benannt ist, befand sich etwa vom Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. im polnischen Raum zwischen Warthe, Oder und Bug. Spuren der Przeworsk-Kultur in Mitteldeutschland, Thüringen und Teilen Hessens werden aber als Reste einer Einwanderung von Gruppen aus ihrem Gebiet im 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. und der Übernahme einzelner Elemente der Fremden durch die einheimische Bevölkerung gedeutet.
Seit einigen Jahren sind nun auch aus dem Bereich des Südharzvorlandes neun Siedlungen dieser Kultur bekannt geworden, die der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Kurt Lützkendorf seit den 80-er Jahren durch Lesefunde entdeckt hat. Die Lage der Siedlungen im Randbereich der Goldenen Aue lässt es möglich erscheinen, dass den neuen Siedlern Gebiete zugewiesen wurden, ihre Ansiedlung also mit Zustimmung der einheimischen Bevölkerung erfolgte.
Nachdem bereits im August 2008 durch Michael Meyer Teile einer Siedlung der Przeworsk-Kultur bei Nordhausen-Himmelgarten untersucht wurden, soll der Fundplatz bei Leimbach im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes großflächiger ausgegraben werden. Die ersten Grabungskampagnen erbrachten auf einer Fläche von etwa 5.000 m2 verschiedene Spuren menschlicher Aktivitäten seit der Jungsteinzeit, hauptsächlich aber der vorrömischen Eisenzeit und der Przeworsk-Kultur. Die festgestellten Befunde gehören zu mit Siedlungsabfall verfüllten Gruben, deren ursprüngliche Funktion in vielen Fällen unklar ist. Einige Gruben weisen aber auch die für Vorratsgruben typische kegelstumpfartige Form auf. Das zahlreiche Fundmaterial besteht vor allem aus vielen Tonscherben, außerordentlich gut erhaltenen Tierknochen und einigen Eisenobjekten, darunter mehrere Nägel und ein eisernes Messerchen. Die Tierknochen stammen aus mehreren Deponierungen von Hunden, sowie von Schlachtabfällen von Haustieren wie Rind, Schwein und Schaf, aber auch Wildtieren, darunter Wildschwein und Rothirsch. Ein besonderes Artefakt ist eine gedrechselte, mehrfach durchlochte Bernsteinperle. Die gefundenen Scherben zeigen häufig typische Merkmale der Keramik der Przeworsk-Kultur: Gefäße mit facettiertem Rand, X-Henkeln und feinen eingeritzten Verzierungen. Nach derzeitigem Stand erreichten die neuen Siedler den Fundplatz bei Leimbach im 2. Jahrhundert v. Chr. Bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde er jedoch bereits wieder verlassen, ohne dass Spuren eines gewaltsamen oder plötzlichen Siedlungsendes festgestellt werden konnten.
Die Ausgrabungen werden ergänzt durch Oberflächenbegehungen der Siedlungsplätze der Przeworsk-Kultur bei Leimbach, Nordhausen-Himmelgarten sowie eines weiteren Fundplatzes beim nahe gelegenen Urbach. Das Projekt ist in intensive siedlungs- und geoarchäologische Forschungen eingebettet. Naturwissenschaftliche Analysen der Keramik, der Tierknochen und der Makroreste unterstützen die Ausgrabungen.
Bildliche Eindrücke der bisherigen Grabungen in Leimbach



