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Von Çatalhöyük Ost nach West: Kulturelle Umbrüche an der Schwelle vom 7. zum 6. Jahrtausend cal BC in Zentralanatolien
Dr. Peter F. Biehl/State University of New York at Buffalo und Dr. Eva Rosenstock/Freie Universität Berlin
Im 7. und 6. Jt. v. Chr. breitet sich die produzierende Lebensweise aus ihrem vorderasiatischen Entstehungsgebiet über Westanatolien und Südosteuropa nach Mitteleuropa aus. Auch auf halbem Wege, in Zentralanatolien, finden um ca. 6000 cal BC am Übergang vom Spätneolithikum (LN) zum Frühchalkolithikum (EC) wirtschaftliche und soziale Umbrüche statt. Ein Vergleich des LN in Çatalhöyük Ost mit anderen Fundplätzen des EC in Anatolien illustriert die Ergebnisse dieser Änderungen, ohne daß bisher der Prozeß selbst exakt datiert und beobachtet werden konnte.
(Abb. 1: Luftbild der beiden Siedlungshügel. Am linken Bildrand unterhalb der Straße Çatalhöyük West, rechts im Bild Çatalhöyük Ost; Quelle: Çatalhöyük Research project www.catalhoyuk.com)
Çatalhöyük (bei Küçükköy, Provinz Konya, Türkei) mit seinen zwei in diese Zeit fallenden Siedlungshügeln bietet uns die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem Dachprojekt unter Prof. Ian Hodder diese Lücke zu füllen. Es zeigte sich, daß das LN auf dem Osthügel und das EC I auf dem Westhügel nicht nur in ihren 14C-Daten konvergieren, sondern auch Ähnlichkeiten in Keramik- und Steingeräteinventar sowie Architektur aufweisen. Mit unserer Grabung möchten wir klären, ob sich der in früheren Publikationen postulierte Jahrhunderte dauernde Hiatus widerlegen läßt und somit zwei direkt aufeinanderfolgende oder sich sogar zeitlich überschneidende Besiedlungen auf dem Ost- und Westhügel vorliegen. Als erstes wichtiges Ergebnis der Grabungskampagnen 2006 bis 2008 konnte die Bebauungsstruktur des EC I auf dem Westhügel bestimmt werden.
(Abb. 2: Çatalhöyük West. Bisher in Schnitt 5 freigelegte Gebäudegrundrisse des EC I)
Mit der konglomerierenden Bauweise reiht sie sich nicht nur in die zentralanatolische Bautradition des akeramischen und frühen Neolithikums des 8. und 7. Jt. v. Chr. ein, sondern weist mit dicken Mauern und Stützpfeilern im Innenraum auch große Ähnlichkeiten zu den gleichzeitigen Fundplätzen des frühen 6. Jt. v. Chr. wie Can Hasan, Hacılar oder Kuruçay auf.
Auf der Basis der zu schaffenden chronologischen Sequenz sollen Änderungen in der räumlichen Organisation der Siedlungen und Häuser, Bestattungssitten, "Kunst", Ressourcennutzung und Subsistenz sowie Steingeräte- und Keramikproduktion verfolgt werden.
(Abb. 3: Çatalhöyük West. Bemalte Keramik des EC I aus Schnitt 5)
Die Einbindung bereits bekannter Siedlungen soll uns ermöglichen, diese Entwicklungen zu kontextualisieren und zu interpretieren und so einen Schlüssel zur Chronologie und Kulturgeschichte Zentralanatoliens und seiner Wechselwirkungen mit angrenzenden Regionen zu finden.
Kooperation: Çatalhöyük Research Project am University College London
Dauer: 2006 – 2011
Fördermittel:
- McDonald Institute for Archaeological Research der University of Cambridge
- Freie Universität Berlin
- State University of New York at Buffalo
- TransCoop-Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung
International Conference, November 25-26, 2011,Free University Berlin
Weiterführende Literatur
P. F. Biehl, Ingmar Franz, David Orton, Sonia Ostaptchouk, Jana Rogasch und Eva Rosenstock: One Community and Two Tells: The Phenomenon of Relocating Tell Settlements at the Turn of the 7th and 6th Millennia in Central Anatolia. In: H.-R. Bork/R. Hofmann/F. K. Moetz/J. Müller (Hrsg.), Tells: environmental and social space (=Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 207) (Bonn: Habelt) 53-65.
P. F. Biehl/J. Rogasch/E. Rosenstock, West Trench 5. Çatalhöyük 2010 Archive Report, 44–49.
publiziert online: http://www.catalhoyuk.com/downloads/Archive_Report_2010.pdf
P. F. Biehl/E. Rosenstock, West Mound Trench 5. Çatalhöyük 2009 Archive Report, 38–42.
publiziert online: http://www.catalhoyuk.com/downloads/Archive_Report_2009.pdf
P. F. Biehl/E. Rosenstock, West Mound. Çatalhöyük 2008 Archive Report, 90–97.
publiziert online:http://www.catalhoyuk.com/downloads/Archive_Report_2008.pdf
P. F. Biehl/E. Rosenstock, West Mound. Çatalhöyük 2007 Archive Report, 124–129.
publiziert online: http://www.catalhoyuk.com/downloads/Archive_Report_2007.pdf
P. F. Biehl/B. Erdoğu/E. Rosenstock, West Mound. Çatalhöyük 2006 Archive Report, 122–130.
publiziert online: http://www.catalhoyuk.com/downloads/Archive_Report_2006.pdf
P. F. Biehl/E. Rosenstock, Von Çatalhöyük Ost nach Çatalhöyük West – Kulturelle Umbrüche an der Schwelle vom 7. zum 6. Jt. v. Chr. in Zentralanatolien. In: R. Einicke/St. Lehmann/H. Löhr/A. Mehnert/G. Mehnert/A. Slawisch (Hrsg.), Zurück zum Gegenstand. Festschrift für Andreas E. Furtwängler. Schriften des Zentrums für Archäologie u. Kulturgeschichte des Schwarzmeerraums 16 (Langenweißbach 2009) 471–482.
A. Marciniak/L. Czerniak, Social transformations in the Late Neolithic and the Early Chalcolithic periods in Central Anatolia. Anatolian Studies 57, 2007, 115--130.
M. Özdoğan / N. Başgelen, (Hrsg.), Neolithic in Turkey. The Cradle of Civilization. New Discoveries (Istanbul 1999).
U.-D. Schoop, Das anatolische Chalkolithikum (= Urgeschichtliche StudienI) (Grunbach 2005).






