Jan van Eyck, Genter Altar, Detail, 1432, Gent St. Bavo

Brief des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin an Herrn Prof. Parzinger, Stiftung Preussischer Kulturbesitz

News vom 28.07.2012

 

 

Herrn

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

                                                                                               Berlin, den 24. Juli 2012



Sehr geehrter Herr Professor Parzinger,

im Namen der Kolleginnen und Kollegen des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität möchten wir unseren massiven Bedenken bezüglich der aktuellen Pläne zum Umzug der Gemäldegalerie Ausdruck verleihen. Die teilweise Auflösung einer der weltweit führenden Sammlungen europäischer Malerei, ohne dass die zukünftige und dauerhafte Präsentation in ihrer Gesamtheit für die nächsten Jahre verbindlich garantiert wäre, ist nicht akzeptabel. Wir appellieren daher an Sie, den Plan, Teile der Sammlung dem Bodemuseum zuzuführen und andere Teile auf unabsehbare Zeit im Depot einzulagern und damit der Öffentlichkeit sowie der Forschung und Lehre zu entziehen, dringend zu revidieren.

Die Unterschriftenlisten des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker, die von Jeffrey Hamburger initiierte Petition und zuletzt die Pressemitteilung des Verbandes der Restauratoren zeigen auf eindrückliche Weise, dass die aktuellen Planungen nicht nur in weiten Teilen der Öffentlichkeit, sondern auch bei einem Großteil der Fachkolleginnen und – kollegen, keinerlei Rückhalt finden. Wir schreiben Ihnen aber nicht zuletzt auch im Namen der Studierenden der Freien Universität, die sich an den Petitionen beteiligt haben, da der Zugang zu den Sammlungen der Staatlichen Museen für ihre Ausbildung unverzichtbar ist. Rhetorische Beschwichtigungen und Zweckoptimismus von Seiten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind angesichts dieser berechtigten und differenzierten Kritik keine konstruktive Antwort. Die vorgebrachten Bedenken öffentlich als „Panikmache“ zu bezeichnen, ist nicht akzeptabel und entspricht in keiner Weise der Verantwortung, die Sie auch gegenüber den Interessen Ihrer Fachkolleginnen und -kollegen in den verschiedenen kunsthistorischen Institutionen tragen.  

Ganz gleich, welche Lösungen für die Nationalgalerie und die Sammlung Pietzsch gefunden werden: ein Umzug der Gemäldegalerie unter den jetzt geplanten Bedingungen kann nicht hingenommen werden, da er zentrale Werke der Kunstgeschichte auf unabsehbare Zeit der Öffentlichkeit entziehen und eine massive Beeinträchtigung der Lehre und Forschung zur Folge haben würde. Wir fordern Sie deshalb auf, uns und die Öffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, mit welchen konkreten Maßnahmen Sie auf die vorgebrachte Kritik reagieren werden. Was hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dazu bewogen, für einen Umzug der Gemäldegalerie einzutreten, ohne dass deren zukünftige Präsentation in ihrer Gesamtheit gesichert oder auch nur verbindlich geplant wäre? Wie stehen Sie zur Haltung der RestauratorInnen, die in ihrer aktuellen Pressemitteilung auf das erhebliche konservatorische Risiko sowie den weder finanziell noch personell realisierbaren Transport der Gemälde hinweisen?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Gregor Stemmrich                           Prof. Dr. Peter Geimer

Geschäftsführender Direktor                         Stellvertretender geschäftsführender Direktor

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