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Ausstellung "Afropolis - Stadt, Medien, Kunst"
05. November 2010 - 13. März 2011, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln; 28. April - 04. September 2011, Iwalewa-Haus Bayreuth
„We are by the Sea now“ nennt die aus Kairo stammende und heute vorwiegend in Amsterdam lebende Künstlerin Hala Elkoussy ihre Multimedia-Installation: Ein Stuhlensemble in einem mit schwerem dunklen Stoff abgehangenen Raum erinnert an eine Theater- oder Kinokulisse vergangener Tage. Auf der Leinwand erzählen Bewohner Kairos Anekdoten, persönliche Geschichten und urbane Legenden über ihre Stadt. Eine davon handelt von einem jungen Mann, der auf einem für Kairo typischen mit Satellitenschüsseln überladenen Dach sitzt und einen gelben Ballon in der Hand hält. Der Hintergrund wird teilweise von einem blauen Papier bedeckt. Das Dach, erzählt er, ist für ihn ein Rückzugsraum von der Welt, die von seiner jetzigen Perspektive aus unter ihm liegt. Hier oben schafft er sich einen ganz eigenen Raum. In seinen Gedanken reist er nach Amerika, Frankreich und Italien. Plötzlich hält er inne, zeigt auf das blaue Papier und ruft „We’re by the sea now!“.
In Elkoussys Installation wird Kairo als ein sozial produzierter Raum präsentiert. In ihren Geschichten vermischen sich Fakt und Fiktion, die persönliche Erfahrung von Räumlichkeit steht im Vordergrund. Dieser Ansatz lässt sich auf eine Vielzahl der in der Ausstellung präsentierten künstlerischen Produktionen übertragen. Mit Arbeiten wie von Elkoussy begibt sich Afropolis. Stadt, Medien, Kunst auf die Ebene der sozialen Netzwerke und kulturellen Zusammenhänge, die das Leben im urbanen Alltag prägen. Mit dem Thema Stadt wird auf diese Weise innovativ und kreativ umgegangen – im Gegensatz zu der sonst üblichen Repräsentation afrikanischer Großstädte anhand infrastruktureller Probleme und hoher Kriminalitätsraten. Anstelle dieser verfremdeten Außensicht versucht die von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Ausstellung Afropolis. Stadt, Medien, Kunst die Stadt von innen heraus zu verstehen. Durch die Sichtbarmachung der Dynamik und Heterogenität der jeweiligen Städte wird ein Perspektivenwechsel vollzogen.
Afropolis stellt fünf afrikanische Metropolen vor: Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg. Zentral ist die Verflechtung der Perspektiven von Wissenschaft und Kunst: Die Ausstellung führt in die Geschichte der Städte sowie in jüngere Entwicklungen ein. Gleichzeitig stellt sie circa 30 künstlerische, zum Teil lokale Positionen zu den fünf Städten vor, die das Thema Urbanität aufgreifen. Auf diese Weise ergänzen sich wissenschaftliche und künstlerische Recherchen, dokumentarisches Material und künstlerische Reflexion. Es werden Arbeiten aus den Bereichen Grafik, Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation, Film- und Videokunst, aber auch Design, Comics und Weblogs gezeigt.
Afrikanische Städte weisen weltweit die höchste Urbanisierungsrate auf. Hier haben sich jenseits euroamerikanischer Modelle der Stadtentwicklung eigene urbane Strukturen, Topografien und Kulturen herausgebildet. Afropolis wirft Fragen auf: Wie funktionieren diese Strukturen? Wie organisieren die Bewohner afrikanischer Städte ihren Alltag? Welche Diskussionen werden in Afrika über die Geschichte und Zukunft von Städten geführt? Wie denken aus Afrika stammende und europäische Künstler über Urbanität in Afrika? In Afropolis werden an fünf Stationen diese Fragestellungen mit verschiedener Schwerpunktsetzung zu jeder Stadt aufgenommen.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Akinbode Akinbiyi, Weyinmi Atigbi und Olakunle Tejuoso, Lara Baladi, Pume Bylex, Deadheat, Department of Architecture and Urban Planning UGent, Hala Elkoussy, ETH Studio Basel, Ismail Farouk, Mandy Gehrt, Sam Hopkins, Laura Horelli, Daniel Kötter und Constanze Fischbeck, Salifou Lindou und Christian Hanussek, Kgafela oa Magogodi, Masai Mbili, Méga Mingiedi, Jyoti Mistry, Sabelo Mlangeni, Mowoso, Rana El Nemr, Sam Nhlengethwa, Cédrick Nzolo, Emeka Ogboh, Uche Okpa-Iroha, Kainebi Osahenye, Wouter Osterholt und Elke Uitentuis, Naomi Roux, Hannah le Roux, SADI, Karola Schlegelmilch, Slum-TV, Minnette Vári
Die im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt startende Ausstellung Afropolis. Stadt, Medien, Kunst entstand in Kooperation mit dem Iwalewa-Haus in Bayreuth und den Goethe-Instituten in Johannesburg und Nairobi. Das Ausstellungsprojekt wird von der Kulturstiftung des Bundes und von Aktion Afrika des Auswärtigen Amtes gefördert. Unter der Leitung der Kuratoren Prof. Dr. Kerstin Pinther (Idee und Konzept), Dr. Larissa Förster und Christian Hanussek erfolgten die Erarbeitung des Ausstellungskonzepts und die Auswahl der Künstler.
Katalog
Afropolis - Stadt, Medien, Kunst. Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa, Johannnesburg. Katalog hrsg. von Kerstin Pinther, Larissa Förster & Christian Hanussek. Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2010/11328 S. durchgehend mit teils farb. Abb., brosch.
ISBN: 978-3-86560-898-7

