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Johannes Zechner


Flagge3

Zwischen Naturideal und Weltanschauung. Imaginationen und
Konstruktionen des 'deutschen Waldes' 1800-1945 (Arbeitstitel)

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind im deutschen Kulturraum ideengeschichtliche Entwicklungen zu beobachten, in deren Verlauf das Naturphänomen Wald zunehmend gesellschaftliche, kulturelle und politische Bedeutungen zugeschrieben bekam. Seine vorgeblichen Prinzipien von Unveränderlichkeit, Unterordnung und Ungleichheit fungierten dabei als explizites Gegenbild zur Gesellschaftsordnung der Französischen Revolution von 1789 mit ihren Werten von Freiheit und Gleichheit.

Intellektuelle und Ideologen erklärten in der Folge den 'deutschen Wald' zur prototypischen Nationalnatur, womit gleichermaßen der Aufstieg der 'deutschen Eiche' zum Symbol eigener Geschichte und Kultur begann. Zudem wurde die Waldnatur gemäß der Parole vom 'Wald als Erzieher' zum umfassenden Idealstaatsentwurf, welcher Vorbildcharakter für Politik wie Gesellschaft beanspruchte. Überdies kontrastierte eine einprägsame Verwurzelungsmetaphorik das deutsche 'Waldvolk' in antisemitischer Absicht mit einem 'Wüstenvolk' der Juden.

Dieser vorgestellte 'deutsche Wald' bündelte als weltanschauliche Chiffre eine Vielzahl von modernitätskritischen, nationalistischen, rassistischen und biologistischen Denkfiguren: Gegenbild zu Fortschritt und Großstadt, germanischer Ursprung und deutsche Heimat, heidnisches Heiligtum und rassischer Kraftquell sowie Modell der Volksgemeinschaft und ständische Staatsutopie. Eine solche Ideallandschaft konnte indes historisch wirkmächtig werden, sobald die gleichnamige Denkbewegung sie zur Legitimierung gesellschaftlich-politischer Zielsetzungen heranzog.

Das Dissertationsvorhaben an der Schnittstelle von Ideen- und Umweltgeschichte
konzeptualisiert den 'deutschen Wald' in Anknüpfung an die Forschungsansätze Benedict Andersons ('imagined communities') und Simon Schamas ('nature as imagination') als eine 'imaginierte Landschaft'. Es untersucht anhand exemplarischer intellektueller Akteure die weltanschaulichen Facetten des 'deutschen Waldes' zwischen 1800 und 1945. Damit wird ein vielgestaltiges Gedankengebäude nachvollzogen, das sowohl die Beschwörung romantischer Sehnsuchtslandschaft als auch die Legitimation nationalsozialistischer Herrschaftspraxis beinhalten konnte. Ein Epilog thematisiert abschließend das Fortleben deutschen Wald-Denkens bis in die 'Waldsterbens'-Debatte hinein.

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Stand: 02.04.2012

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