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Die Klanglandschaft der Großstadt. Kulturen des Auditiven in Berlin und New York 1880-1930
Habilitationsprojekt von Dr. Daniel Morat
Studentische Hilfskraft: Balázs Jádi
Gefördert durch ein Dilthey-Fellowship der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung
Laufzeit: 01.01.2009-31.12.2013
Jeder kennt ihn, den Lärm der Großstadt, und jeder erfährt bei einem Gang durch die Stadt deren sich stetig wandelnde Geräuschkulisse. Doch historisch wissen wir nur sehr wenig über die Entstehung und die Wandlungen dieser „Klanglandschaft“ der Großstadt. Während sich die historische Stadtforschung in den letzten Jahren immer wieder mit der großstädtischen „Kultur des Visuellen“ beschäftigt hat, wurde die Frage nach dem Hören in der Stadt noch kaum gestellt. Dieser Frage soll das vorliegende Projekt nachgehen.
Als Beispiele dienen dafür die beiden Metropolen Berlin und New York in den Jahren 1880 bis 1930. Diese Epoche wird gemeinhin als „Aufbruch in die Moderne“ bezeichnet. Mit der Entstehung neuer Geräuschquellen durch Hochindustrialisierung und Hochurbanisierung sowie der Entwicklung neuer akustischer Medien wie dem Grammophon, dem Telefon und schließlich dem Radio führte dieser Aufbruch in die Moderne auch zu einer doppelten Technisierung des Hörens. In dem Projekt geht es allerdings nicht nur um diese Veränderungen der Hörbedingungen selbst, sondern vor allen Dingen um die Frage, wie sie kulturell und sozial aufgenommen, verarbeitet und angeeignet wurden. Hierfür steht das Konzept der „Kulturen des Auditiven“, die auf so unterschiedlichen Feldern wie den ersten Lärmschutzbemühungen, der Musik- und Vergnügungskultur oder den Praktiken des öffentlichen Redens in der Stadt, etwa bei Demonstrationen und politischen Kundgebungen, untersucht werden.
Bei diesen Untersuchungen geht es einerseits um eine allgemeine Erfahrungs- und Wahrnehmungsgeschichte der großstädtischen Moderne, die sich in Berlin und New York wahrscheinlich in sehr ähnlicher Weise entwickelt hat. Andererseits geht es aber auch darum, die jeweiligen Eigenheiten der beiden Metropolen herauszuarbeiten. Haben sie eine je eigene Klangestalt ausgebildet? Welche Bedeutung hatten die gewandelten Hörbedingungen und ihre kulturelle Verarbeitung insgesamt für das Leben in der modernen Großstadt? Mit der Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen soll das Projekt eine bisher vernachlässigte Erfahrungsdimension des modernen Lebens für die historische Forschung erschließen.
Interview auf DRadio Wissen vom 09.02.2010
Beitrag im Deutschlandfunk vom 04.08.2011
Vortrag "Die Metropole hören" auf DRadio Wissen vom 29.03.2011
Bericht in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 26.01.2011
9. Blankensee-Colloquium "Hearing Modern History"

