Friedrich-Meinecke-Institut


Springe direkt zu: Inhalt


Service-Navigation


Hauptnavigation/Hauptmenü oben: Links auf direkt erreichbare, übergeordnete Webseiten

Bild

Grafischer Identitätsbereich:

Historischer Gebäudedurchschnitt der Koserstraße 20 aus dem Jahre 1968

Service-Funktionen

Suche auf der Website http://www.geschkult.fu-berlin.de


Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website sowie Banner

Arbeitsbereich
Univ.-Prof. Dr. Janz

CMS-Login

Navigationspfad:

Home » Arbeitsbereiche » Arbeitsbereich Univ.-Prof. Dr. Oliver Janz » Forschungsprojekte » Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan



Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan

Der Rumänienfeldzug 1916/17

 

Projektleiter: Prof. Dr. Jürgen Angelow, Prof. Dr. Oliver Janz

Bearbeiter: Dr. Gundula Gahlen, Deniza Petrova, Dr. Oliver Stein

Laufzeit: 2008–2012

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

 

Das als deutsch-bulgarisches Kooperationsprojekt angelegte Vorhaben will Realität, Deutung und Bedeutung des Feldzuges deutscher, österreichisch-ungarischer, bulgarischer und türkischer Truppen gegen Rumänien 1916/17 untersuchen. Dabei sollen jene kulturellen Besonderheiten herausgearbeitet werden, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts wirksam geworden sind. Am Beispiel der nur äußerlich harmonischen Militärkoalition, deren Partner sehr unterschiedlichen Militärkulturen verpflichtet waren und die Ereignisse auch verschieden gedeutet, erinnert und instrumentalisiert haben, sollen Formen von Fremdwahrnehmung, kultureller Dominanz und Unterordnung sowie kulturelle Transfers analysiert werden. Nicht das Ereignis, sondern seine kollektive Aneignung und kulturelle Bedeutung stehen im Mittelpunkt des Interesses. Über den wissenschaftlichen Nutzen hinaus soll das Projekt Kollegen der zukünftigen EU-Beitrittsländer in internationale Netzwerke einbinden sowie mit modernen Forschungsstandards und methodischen Ansätzen vertraut machen. 

 

Teilprojekte

 

1.) Deniza Petrova: Tutrakan – Realität und Kontroverse, Deutung und Bedeutung

 

In einer der ersten großen Kampfhandlungen im Rumänienfeldzug nahmen bulgarische und deutsche Truppeneinheiten am 6. September 1916 die rumänische Festung Tutrakan ein. Diese Schlacht ist bis heute im kollektiven Gedächtnis Bulgariens präsent. Ausgehend von diesem Ereignis untersucht das Forschungsprojekt die Formen und Entwicklung nationaler Erinnerung in Bulgarien zwischen 1916 und 2006. Die Arbeit nähert sich dem Untersuchungsgegenstand auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Zunächst will sie das Ereignis historisch einordnen sowie die Frage des Aufbau eines Erinnerungsortes aufwerfen. Spezifische Formen der Erinnerung von Kriegsteilnehmern werden ebenso herausgearbeitet wie die historiografische Deutung. In einem zweiten Teil geht es um eine symbolische Manifestierung der Erinnerung am Ort der Schlacht im Laufe des 20. Jahrhunderts. Der lange Untersuchungszeitraum von neun Jahrzehnten erlaubt es, Kontinuitäten und Brüche sowie die Abhängigkeit der Erinnerungskultur von politischen Konjunkturen sichtbar zu machen.

 

2.) Dr. Gundula Gahlen: Erfahrungshorizonte deutscher Kriegsteilnehmer in Rumänien im Ersten Weltkrieg

 

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Kriegserfahrungen der deutschen Militärs auf dem Balkan während des Rumänieneinsatzes zu untersuchen und herauszuarbeiten, wie die Soldaten durch diese Zeit in Rumänien in ihrem Osteuropabild, in ihrer Kampfmoral, in ihrer Selbstsicht und in ihrer Sicht auf Feinde und Verbündete geprägt wurden. Erfahrung wird hierbei im Sinne des wissenssoziologischen Erfahrungsansatzes nicht als spezifischer Ausdruck unmittelbar-individualistischen Erlebens, sondern als Prozess verstanden, der sich auf unterschiedlichen und zugleich eng aufeinander ausgerichteten Ebenen vollzieht, so dass neben den individuellen Akteuren auch Institutionen, Vermittlungsinstanzen und Medien berücksichtigt werden. Neben der unmittelbaren Zeit in Rumänien gilt es auch die Vorprägungen der Soldaten und den Deutungswandel der Erfahrungen nach Abzug der Soldaten zu analysieren. Den unterschiedlichen Perspektiven der Kriegsteilnehmer wird durch Berücksichtigung ihrer verschiedenen Einsatzgebiete, ihrer militärischen Stellungen sowie ihrer unterschiedlichen Sozialisationen Rechnung getragen. Auszuwerten sind autobiografische Zeugnisse und „Ego-Dokumente“ im weiteren Sinne, aber auch die öffentlichen Diskurse und Bilder, die mit der Sphäre der Sinnverarbeitung durch die Soldaten verbunden waren. 

 

3.) Dr. Oliver Stein: Das deutsche Bulgarenbild 1878-1918

 

Die Forschungsarbeit untersucht das deutsche Bulgarenbild in der Zeit zwischen 1878 und 1918 und bezieht darüber hinaus die nach Kriegsende vorgenommene Deutung Bulgariens als Bundesgenosse mit ein. Ausgehend von dem auffälligen Befund, dass das deutsche Bild von den Bulgaren innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums – in Anpassung an die sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen erhebliche Modifikationen erfährt, geht es in dieser Arbeit darum, die zugrundeliegenden komplexen Sinnbildungsprozesse in ihren Merkmalen und Funktionen zu beschreiben und zu analysieren. Im Fokus stehen deshalb die Prozesse Wahrnehmung und Deutung, die im Hinblick auf ihre gesellschaftliche und ihre individuelle Dimension und hinsichtlich der Wechselwirkung von Fremdbild und Selbstbild untersucht werden.

Die Untersuchung gliedert sich in drei Teile, deren erster sich den Stereotypen über die Bulgaren widmet. Dabei wird herausgearbeitet, wie diese Stereotype in Abhängigkeit von politischen Konjunkturen wechselnde Anwendung fanden. So ergab sich ein breites Spektrum von zahlreichen - mitunter sogar widersprüchlichen - Deutungen Bulgariens – als modern oder rückständig, urwüchsig oder barbarisch, europäisch oder orientalisch. In Deutschland geführte Debatten wie beispielsweise der Volkskraftdiskurs strukturierten dabei entsprechende Konstruktionen in vielen Fällen vor. Ein zweiter Teil wendet sich der Entwicklung des veröffentlichten Bulgarenbildes in Presse und Publizistik zu. Angesichts der weitgehenden Homogenisierung der Berichterstattung während des Ersten Weltkrieges wird dargelegt, inwieweit Maßnahmen gesellschaftlicher und staatlicher Institutionen effektiv auf die Gestaltung eines propagandistisch gefärbten Bulgarenbildes einwirken konnten. Zugleich wird nach der Relevanz gefragt, die die jeweiligen Bulgarenbilder für das Handeln der hauptverantwortlichen Akteure in Politik und Militär hatten, was sich besonders deutlich anhand der deutschen Kulturpolitik und Propaganda in Bulgarien untersuchen lässt. Ein dritter Teil der Arbeit widmet sich den einzelnen Wahrnehmungsinstanzen, den Deutschen vor Ort, und ihren Kontakten zu Bulgaren. Hier kann mit Hilfe von Selbstzeugnissen das Zusammenwirken von gesellschaftlicher und individueller Erfahrungsdimension genauer untersucht werden. Ein besonderes Gewicht kommt dabei der Analysekategorie der Militärkultur zu, weil sie im Bewusstsein deutscher Soldaten auf dem Balkan nicht selten einen exemplarischen Rang einnahm und damit einen beliebten Ausgangspunkt und Deutungsrahmen für die Einschätzung der bulgarischen Gesamtkultur bildete. Zum Abschluss dieser Arbeit werden die Deutungs- bzw. Umdeutungsversuche betrachtet, wie sie in einem zunehmenden zeitlichen Abstand von der Kriegszeit in Erinnerungen und Darstellungen vorgenommen wurden.

Gesamtziel der Studie ist es, an einem exemplarischen Fall zum einen kulturell bedingte und gesellschaftlich verankerte feste Wahrnehmungs- und Deutungsmuster herauszuarbeiten und zum anderen die Abhängigkeit der Fremdbilder von (wechselhaften) politischen Rahmenbedingungen sowie dem Selbstbild nachzuweisen. 


Tagungen

Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan – Forschungsansätze und Perspektiven (21.05.2007-24.05.2007, Varna) Tagungsbericht,
url: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1601

Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan. Neue Fragestellungen und Perspektiven (12. bis 14. Oktober 2009, Wien) Tagungsbericht,
url: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2829

 

zum Arbeitsbereich Univ.-Prof. Dr. Oliver Janz


Bild Sprungmarke nach oben

 

© 2006-2011  Friedrich-Meinecke-Institut  |  Feedback  |
Stand: 02.11.2011

Diese Grafiken werden nur in der Druckvorschau verwendet: